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Computerspiel "Call of Duty":Paris und Berlin in Schutt und Asche

In "Call of Duty: Modern Warfare 3" fällt ein ultranationalistisches Russland in die USA ein - und zerstört die halbe Welt. Trotz der hanebüchenen Story ist das Computerspiel das erfolgreichste Unterhaltungsprodukt aller Zeiten.

Krieg ist eben immer auch ein Geschäft. In langen Schlangen warteten die Fans der Computerspielreihe "Call of Duty" vergangene Woche auf den aktuellen Teil "Modern Warfare 3", bereits am ersten Tag der Veröffentlichung wurden mehr als 6,5 Millionen Exemplare verkauft. Die Firma Activision freut sich über 400 Millionen Dollar Umsatz.

So knüpft "Modern Warfare 3" nahtlos an den Erfolg der Vorgänger an. Bereits die beiden ersten Teile der Reihe, in der eine komplexe Verschwörung zwischen Militär und russischen Nationalisten schließlich im Dritten Weltkrieg mündet, haben inzwischen mehr als 30 Millionen Exemplare verkauft. Für manchen Kulturpessimisten mag es schwer zu verkraften sein, doch "Modern Warfare 3" ist das erfolgreichste Entertainmentprodukt aller Zeiten. Noch vor den Filmen "Titanic" und "Avatar".

Das Budget: etwa hundert Millionen Dollar

Auch in Sachen Produktionsaufwand können es Titel wie Modern Warfare längst mit dem handelsüblichen Hollywood-Blockbuster aufnehmen. In kein anderes Genre fließen so viel Geld und Know-how, um eine Spielwelt bis ins Detail zu gestalten, wie in die Ego-Shooter. Zwei Jahre lang arbeiteten im kalifornischen Encino etwa hundert Leute daran, den Krieg für die Spieler erfahrbar zu machen. Das Budget: etwa hundert Millionen Dollar.

Im Vorgänger "Black Ops" gab sich Hollywoods erste Garde die Ehre. Ed Harris, Gary Oldman und Sam Worthington liehen den Protagonisten ihre Stimme. Und auch bei der Deutschlandpremiere der aktuellen Folge ließ sich vergangene Woche Prominenz blicken, Schauspieler Ben Becker wurde als Synchronsprecher engagiert und zeigt keine Bedenken, mit dem vermeintlichen "Killerspiel" in Verbindung gebracht zu werden. Erfolg schafft Freunde.

Dabei sind visuelle Ästhetik und graphische Brillanz den Spielern wesentlich wichtiger als der Inhalt. Selbst in den Fachblättern der Videospielszene wird der Plot als vernachlässigbar angesehen. Und tatsächlich erzählt "Modern Warfare 3" eine hanebüchene alternative Realität, in der ein ultranationalistisches Russland in die Vereinigten Staaten einfällt und die halbe Ostküste in Schutt und Asche legt. Elitesoldaten bekämpfen sich in den Häuserschluchten von New York. Der Spieler wird zum Globetrotter der Krise, reist von Brennpunkt zu Brennpunkt, kämpft in den Straßen von Berlin und Paris gegen Panzer und Scharfschützen.

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