Computerspiel "Baphomets Fluch 5" Verfluchte Kunst

Ein geheimnisvolles Gemälde namens La Maledicció (Der Fluch) ist der Mittelpunkt von "Baphomets Fluch 5"

Zwischen Esoterik und Realität: Die Adventure-Helden George Stobbart und Nicole Collard müssen im Computerspiel "Baphomets Fluch 5: Der Sündenfall" erneut die Welt retten. Diesmal vor einer Sekte, die ihre Geheimnisse in einem Gemälde versteckt hat.

Von Markus C. Schulte von Drach

Manchmal gibt es für Computerspieler nach langen Jahren das schöne Gefühl: Sie sind wieder da! Diesmal gilt die angenehme Überraschung den Point-and-Click-Adventure-Helden George Stobbart und Nico Collard. Als Figuren der Reihe Baphomets Fluch gehörten sie in den 90er Jahren in die Riege der Adventure-Legenden wie Guybrush Threepwood (Monkey Island) oder Roger Wilco (Space Quest).

Ähnlich wie andere Computer-Stars hatten die Folgen drei und vier im neuen Jahrtausend allerdings heftig unter den eher missglückten Versuchen der Spiele-Entwickler zu leiden, die zunehmende Power der Grafik-Engines zu nutzen, um die Spiele in die dritte Dimension zu heben. Das ging, genau wie eine Reihe eher geistloser Rätsel und Minispiele, auf Kosten der Atmosphäre. Und so rechnete lange Zeit niemand damit, dass es einen fünften Teil von Baphomets Fluch geben würde.

Am Anfang des Spiels muss erstmal jemand sterben

(Foto: Revolution Software)

Doch nun ist er da. Und die guten Nachrichten für Adventure-Fans gleich vorweg. Baphomets Fluch Teil 5: Der Sündenfall greift den bewährten klassischen Stil und den Geist der ersten beiden Teile auf. Sogar einige der Schauplätze und Charaktere, mit denen man es jetzt in Paris zu tun bekommt, stammen aus dem ersten Spiel von 1996 - was mit Sicherheit alle freuen wird, die sich noch daran erinnern. Doch die Anspielungen halten sich in einem Rahmen, der neue Spieler nicht stören wird.

Spiel zweier Menschen

Wieder einmal treffen sich der US-Amerikaner George Stobbart und die französische Journalistin Nicole Collard in Paris. Und wieder werden sie schnell zu einem Team, bei dem die Unterschiede zu einem Paar, das sie ja tatsächlich zwischendurch mal waren, verschwimmen. Und so entwickelt sich auch schnell wieder das nette Spiel zwischen zwei Menschen, die sich so gut kennen, dass sie sich wichtig nehmen und sich zugleich übereinander lustig machen können.

Viel Zeit, sich über ihr Treffen auf einer kleinen Kunstausstellung zu freuen, haben sie allerdings nicht, denn sie werden fast sofort Zeugen eines Verbrechens: Die Galerie wird überfallen, ihr Besitzer vom Räuber erschossen. George, für die Versicherung der Bilder verantwortlich, macht sich mit Nicos Hilfe auf die Spur des geraubten Gemäldes, was ihn mit dessen Geschichte und Bedeutung konfrontiert.

Zwei Menschen, die mal ein Paar waren - und irgendwie immer noch sind: Nicole Collard und George Stobbart vor einem Café in Paris, dessen Kellner übrigens nur schwarzen Kaffee verkauft - und auch nur an Leute, die er mag

(Foto: Revolution Software)

Denn schnell wird klar: Es geht hier nicht nur einen Kunstdiebstahl. Das Bild ähnelt nicht nur vom Stil her einem Hieronymus Bosch oder Pieter Brueghel d.Ä. bzw. d.J. Es ist auch voller geheimer Symbole und Hinweise, die mit der Bibel zu tun haben. Und hier schälen sich langsam, wie immer in den Spielen der Reihe, Bezüge zu geheimnisvollen Gegebenheiten heraus, etwa die angebliche Anbetung des Teufels (Baphomet) durch die Tempelritter im ersten Teil, Rituale der Maya (zweiter Teil) oder das Voynich-Manuskript (dritter Teil).

Tafel der Wahrheit

Im "Sündenfall" nun führt das Gemälde mit dem bezeichnenden Namen "La Maledicció" - was katalanisch ist und "Fluch" bedeutet - George und Nico zu einer Gnostiker-Sekte. Der Begriff "Gnostiker" umfasst natürlich mehr als irgendeine Sekte. Im Spiel aber klärt ein katholischer Priester George darüber auf, dass das böse Gemälde es den bösen Gnostikern ermögliche, die böse "Tabula Veritatis" (Tafel der Wahrheit") zu finden, mit der sich die gesamte Schöpfung vernichten lässt. Und das ist natürlich ziemlich ... böse.

Was leider im Spiel erst einmal nicht zu erfahren ist, lässt sich in einem Interview mit dem Game Designer der Entwicklerfirma Revolution Software, Charles Cecil, nachlesen. Wie Cecil dem Magazin looki.de sagte, sei der Hintergrund inspiriert durch die Existenz einer Reihe von frühchristlichen Texten und "Evangelien", die keinen Eingang in die Bibel gefunden haben. Zu diesen sogenannten Apokryphen gehören unter anderem die Evangelien der Maria Magdalena, des Thomas und des Judas. Deren Inhalt weicht so stark von den Überzeugungen der katholischen und evangelischen Kirche ab, dass sie dort als "gnostisch" und ketzerisch betrachtet werden.

Ein Kunstkritiker, der nicht begreift, worauf er sich eingelassen hat, ein Aktmodell, das nicht mit offenen Karten spielt, das Opfer eines Raubmords (im Sarg) - und ein Versicherungsangestellter, der zum Detektiv wird

(Foto: Revolution Software)

"Und es gab eine Sache, die ich besonders mochte", sagte Cecil lookil.de, "das Testament der Wahrheit. Es berichtet von der Genesis und dem Garten Eden." Jenem paradiesischen Garten, in dem es der Bibel zufolge zu jenem Sündenfall aus dem Spiel-Titel kam, als Adam und Eva von der verbotenen Frucht vom Baum der Erkenntnis aßen.