Computerspiel-Ausstellung in Washington Suchtgefahr und Killerspiele ausgespart

Dass die Preise für Equipment steigen, bremst den Boom keineswegs, denn die Spieler sind kaufkräftig: 2010 wurde weltweit 56 Milliarden Dollar mit Videospielen umgesetzt - doppelt so viel wie mit Musik. PriceWaterhouseCoopers erwartet, dass der Wert bis 2015 um fast die Hälfte steigt. In Amerika sind laut Entertainment Software Association 42 Prozent aller Gamer weiblich, das Durchschnittsalter beträgt 37 Jahre. Sie suchen stets nach Neuem wie "Flower", dem letzten Play-it-yourself-Beispiel.

"The Art of Video Games"

Computerspiele-Ausstellung in Bildern

Darin übernimmt der Spieler die Rolle des Windes und muss möglichst viele Blumenblätter sammeln, um Landschaften zum Blühen zu bringen. Im Video-Interview erklärt der in Shanghai geborene Jenova Chen, weshalb er sich als Künstler sieht: "Nur ein Game ermöglicht es mir, den Spieler mit dem Gesicht voran durch eine Wiese fliegen zu lassen, so dass er denkt, die Blumen riechen zu können. Kurz darauf fliegt er nach oben und bewundert die Natur." Ein Gemälde könne dies nicht vermitteln, sagt der 30-Jährige.

Diese Haltung wundert Chris Melissinos nicht. Ein guter Spiele-Designer müsse Musik mit Animation, Film-Elementen und einer packenden Story kombinieren, betont der Kurator. Jeder Besucher müsse entscheiden, ob seine Definition von Kunst auf Videospiele anwendbar sei. "Für mich entsteht Kunst, wenn ich die Perspektive eines Autors übernehme, mich diese berührt und ich sie mit meinem Moralempfinden ausfülle", erklärt Melissinos. Diese Debatte werde bald überflüssig sein: "Gamer wie ich erziehen die nächste Generation. Für meine drei Kinder ist ein Videospiel gleichwertig mit Filmen und Büchern."

Natürlich kann ein komplexes Game wie "Heavy Rain", in dem der Spieler mithilfe von vier Charakteren nach dem mysteriösen "Origami-Killer" fahndet, nicht von jedem Besucher getestet werden. Am Schaukasten der PlayStation 3 werden Grafik und Story jedoch kurz und verständlich erklärt, denn die Schau stellt zu jeder der zwanzig Konsolen vier Spiele vor. Melissinos traf dabei nur eine Vorauswahl und ließ die Gamer online entscheiden: In fünf Wochen bestimmten 119.000 Menschen aus 175 Ländern ihre Favoriten.

Ausstellung erreicht Rekordbesucherzahlen

"So viele Leute hat unser Museum noch nie erreicht", schwärmt Direktorin Elizabeth Broun. Über Mikrospenden per SMS habe man 19 000 Dollar eingenommen und bisher hätten 450.000 Menschen die Schau besucht, die bald durch zehn US-Städte touren wird. "The Art of Video Games" bietet eine exzellente Einführung und gewiss ist das Feld zu groß, um alle Aspekte abbilden zu können. Dennoch fällt auf, dass kontroverse Themen wie Suchtgefahr und Killerspiele ausgespart bleiben. Broun und Melissinos wollten eher Vorurteile abbauen - und interne Abläufe modernisieren.

So beschäftigt das American Art Museum nun eine Mitarbeiterin für "Web and Social Media Content", die das Ausstellungsmaterial allen Interessierten im Netz bereit stellt: In Video-Interviews geben Entwickler wie David Cage Einblick in ihren Alltag und Pioniere wie Atari-Gründer Nolan Bushnell erinnern sich an ihre Anfänge. Der 69-Jährige ermuntert junge Leute, ihr Glück in der Gaming-Branche zu versuchen: "Ihr könnt reich werden und es gibt nichts Besseres als während der Arbeit das zu tun, was Menschen schon immer getan haben: zu spielen."