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Computerspiel "Assassin's Creed Unity":Routine an der Guillotine

Hauptsache nicht gesehen werden: Hauptfigur Arno in "Assassin's Creed Unity"

(Foto: Ubisoft)

Die Orgien des Marquis de Sade, die Enthauptung von Ludwig XVI.: Für den jüngsten Teil von "Assassin's Creed" wurde Paris zu Zeiten der französischen Revolution nachgebaut. Aber reichen Historie und Detailversessenheit allein für eine spannende Geschichte?

Wenn es Nacht wird in Paris, geht Marquis de Sade gerne in den Bettlerquartieren spazieren. Draußen tobt die Französische Revolution, hier bei den Ärmsten der Stadt ist im Jahr 1791 alles wie immer: Trinker, die komatös in der Ecke liegen, daneben Männer, die eine Prostituierte bedrängen. Ein regloser Körper wird vorbei geschleift - Tuberkulose vermutlich, vielleicht die Pest. Und da hinten in dem kleinen Bretterverschlag wird einem Mann das Bein mit einer Säge abgeschnitten. Gerade hat er noch wie wild geschrien, jetzt ist er still, er stirbt. Und Marquis de Sade? Wirkt amüsiert. "Reizend, oder? Die Menschen von Paris. . ."

Nein, das ist nicht der x-te Historienschinken über die Revolution von 1789, keine Liebesgeschichte zwischen den blutigen Wirren, die mit der Abschaffung des Ständestaats einhergehen. Dies ist tatsächlich Paris im Jahr 1789. Man kann durch die Stadt laufen, man kann auf ihre Gebäude klettern, sie betreten, mehr noch, man wird ein Teil der Revolution.

Ist das heute noch erstaunlich? Man kann den Computer einschalten und sich durch den Zweiten Weltkrieg schießen, durch Vietnam und durch den Irakkrieg und durch den Wilden Westen. Zeitgeschichtliche Ereignisse bieten Computerspiel-Autoren, zumal denen der Assassin's-Creed-Serie, längst ebenso viel Stoff wie ihren Kollegen, die Filme oder Bücher schaffen.

Im Zentrum steht die Stadt Paris

Jetzt also: Die Französische Revolution im jüngsten Teil der übermäßig erfolgreichen Serie von Ubisoft. Das Leben des Spielers als Arno, Angehöriger der Assassinen, eines Geheimbundes von Mördern, ist Fiktion. Die Stadt, die handelnden Personen und die Ereignisse der Revolution sind es nicht. Im Zentrum der Geschichte von Assassin's Creed steht weder der Spieler noch die Figur, die er steuert. Im Zentrum steht in diesem Teil der Serie Paris.

Ein Spaziergang vom Invalidendom zur Bastille dauert 15 Minuten in Echtzeit, und die drohende Revolution erfüllt schon zu Beginn jede Gasse der Stadt. Manchmal sieht man das deutlich, wenn Strohpuppen auf Galgen brennen und Massen von Menschen "Tod den Tyrannen" skandieren, manchmal unterschwellig, etwa in den Gesprächen der Passanten. Man kann sich in diesem virtuellen Paris stundenlang einfach nur die Zeit vertreiben, ohne dass es je langweilig würde, man kann die höchsten Kirchen suchen und von dort den Sonnenaufgang oder den aufsteigenden Nebel beobachten. Was gibt es da unten? Handwerker, Diebe, Straßenköter und bettelnde Krüppel in den Armenvierteln; Flaneure, Liebespaare und aristokratische Gesellschaften in den feineren Gegenden.