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Neue Talk-App:Verbraucherschützer mahnen Clubhouse ab

Die Social-Networking-App Clubhouse , aufgenommen in Berlin, 18.01.2021. Berlin Deutschland *** The social networking a

Die noch relativ junge App Clubhouse kriegt Ärger mit deutschen Verbraucherschützern

(Foto: Florian Gaertner/photothek.de via www.imago-images.de/imago images/photothek)

Der Verbraucherzentrale Bundesverband beanstandet vor allem den schlechten Datenschutz der App und spricht von "gravierenden Mängeln". Auch dass der Dienst in Deutschland kein Impressum hat, sorgt für Kritik.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) hat die Anbieter der Social-Media-App Clubhouse wegen angeblich gravierender rechtlicher Mängel abgemahnt. Das teilte der Vorstand des Verbands, Klaus Müller, auf Twitter mit.

In einem Schreiben an die Alpha Exploration Co. in Oakland im US-Bundesstaat Kalifornien bemängeln die Verbraucherschützer, dass der Dienst in Deutschland ohne das erforderliche Impressum betrieben werde. Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen und die Datenschutz-Hinweise lägen nicht wie vorgeschrieben auf Deutsch vor, sondern nur auf Englisch.

In der Abmahnung geht es in der Sache aber auch um den Datenschutz. So reklamiere der Clubhouse-Betreiber das Recht für sich, die von den Anwendern hochgeladenen Kontaktinformationen aus den Adressbüchern der Smartphones umfassend zu nutzen und beispielsweise mit Werbung zu behelligen. Damit verstoße Clubhouse gegen die Europäische Datenschutz-Grundverordnung. In der Abmahnung an den Betreiber von Clubhouse fordert der VZBV die Abgabe einer "strafbewehrten Unterlassungserklärung".

Sollte die Alpha Exploration Co. nicht auf die Abmahnung reagieren oder sich weigern, die Unterlassungserklärung zu unterzeichnen, könnte der deutsche Verband eine Klage vor dem Landgericht Berlin anstrengen und dort ein Bußgeld verhängen lassen.

Clubhouse wurde im April 2020 gestartet und löste zunächst in den USA einen Boom aus, der an die Anfänge von WhatsApp oder Snapchat erinnert. Sie ist ein Audio-Dienst, bei dem die Anwender Gesprächen wie bei einem Live-Podcast zuhören oder sich aktiv an Diskussionen beteiligen können. Im Gegensatz zu Netzwerken wie Twitter kann man Beiträge nicht schriftlich kommentieren oder "Likes" vergeben. Die Macher definieren die App als "eine neue Art von sozialem Dienst, der auf Sprache basiert und es Menschen überall auf der Welt ermöglicht, sich zu unterhalten, Geschichten zu erzählen, Ideen zu entwickeln, Freundschaften zu vertiefen und interessante neue Leute zu treffen".

Zum Marketing-Konzept des Anbieters gehört eine künstliche Verknappung. So sind nicht nur alle Nutzerinnen und Nutzer eines Android-Smartphones außen vor. Auch die meisten iPhone-Besitzer, die Clubhouse installiert haben, müssen noch warten, um die App überhaupt nutzen zu können. Sie benötigen eine Einladung von einem aktiven Clubhouse-Anwender.

© SZ/dpa/jael/jsa
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