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Technikmesse CES: Neun Gadgets für die Zeit bis zur Apokalypse

Masken mit Lautsprechern, ein Mini-Truck, der das Zuhause überwacht, Sport-Technik für die Isolation: Viele skurrille Geräte auf der Messe CES hatten mit der Pandemie zu tun. Welche von ihnen taugen was?

Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Das Wunderbare an der Technikmesse CES, ob nun in Las Vegas oder komplett virtuell, ist die permanente Reizüberflutung. Es gibt Tausende Geräte und Gadgets, und alle Hersteller versprechen, dass genau ihr Produkt dieses Einhorn ist, das die Welt verzaubern und alle Investoren reich machen wird. Es stimmt ja, auf der CES sind zum Beispiel der "Commodore 64", die "Xbox" und ein Videorekorder vorgestellt worden; aber dann eben auch ein Helm, der einem unfreiwilligen Glatzenträger per Ladelicht das Haupthaar zurückbringen sollte, oder ein Spiegel, der den Nutzern zeigen sollte, wie sie aussehen könnten - also ein Schein-Selbst fern von jeder Realität. Wie war es 2021 auf der von der Coronavirus-Pandemie geprägten Show? Ein virtueller Rundgang.

Cadillac Evtol

Cadillac Evtol

Eine Ein-Personen-Drohne wie von Cadillac Evtol könnte in der Pandemie zum Fahrzeug der Wahl werden.

(Foto: General Motors/oh)

Es ist seit etwa zehn Jahren der Running Gag der CES, und während der Pandemie kann man ja mal intensiver darüber nachdenken: Irgendwer stellt das Transportmittel der Zukunft vor, und wenn diese Zukunft dann Gegenwart ist, dann fragt man sich: Was ist denn nun eigentlich mit diesem Fahr- oder Flugzeug? Nun, in diesem Jahr war es die Autofirma GM, die sich wie fast jeder Hersteller müht, den Anschluss bei Elektroautos nicht zu verpassen. Ein Deal mit Elektrotruck-Hersteller Nikola platzte kürzlich spektakulär, nun gab es bei der Keynote eine elektrische Ein-Personen-Drohne zu sehen, in der Leute künftig ins Büro pendeln sollen. Wird ein Konzept bleiben, deshalb: Heiße Luft.

Noople

Man kennt das - oder besser: Man kannte das aus der Prä-Corona-Zeit. Das Restaurant ist voll, die Gäste reden, das Geschirr scheppert, im Hintergrund dudelt Musik. Es ist quasi unmöglich, die Leute am eigenen Tisch zu verstehen. Das kalifornische Start-up Noople verspricht Abhilfe, und die Videopräsentation von Gründer Tim Trine war tatsächlich beeindruckend. Über Airpods konnte er das Gesagte aus einem Lautsprecher hören, wenn er ihn ansah. Das Gerät ist über das iPhone (zu Beginn funktioniert es nur mit dem Apple-Gerät) verbunden, und das zeigt dem Nutzer, woher die womöglich wichtigen Geräusche kommen, verstärkt diese und blendet die Hintergrundgeräusche aus. Mit 199 Dollar ist es zum Start Ende Februar zudem günstiger als viele andere Hörhilfen, die Android-Version soll im Herbst erscheinen. Heißer Scheiß!

Project Hazel

Project Hazel

Mit diesen Masken von Razer kann man sich per Lautsprecher verständlich machen - schon etwas gruselig.

(Foto: Razer/oh)

Dieses Problem kennt man erst seit ein paar Monaten: Man versucht, sich durch Masken hindurch zu unterhalten - und versteht kein Wort. Razer, bislang bekannt für Gamer-Gadgets, hat den Prototypen einer Atemschutzmaske vorgestellt: eine durchsichtige N95-Maske, die so gestaltet ist, dass sie Brillenträger erfreuen dürfte, weil sie nach oben undurchlässig ist. Die Stimme des Trägers wird blitzschnell an Lautsprecher an der Außenseite transportiert. Das hört sich freilich an wie der Bösewicht Bane aus den Batman-Comics, ist aber sinnvoll, wie übrigens auch die Ladestation, die die Maske automatisch reinigt und desinfiziert. Ob der Träger freilich 16,8 Millionen Farbmöglichkeiten bei den Lichtern an der Seite braucht? Daran dürfte Razer bis zum Start (noch nicht bekannt, der Preis ebenfalls nicht) noch tüfteln - wobei: Sollte die Pandemie nicht irgendwann mal vorbei sein? Auf jeden Fall heiß - der Rest ist noch unklar.

Brink Bionics Impulse Neuro-Controller

Es klingt futuristisch, es klingt völlig abgehoben, und es ist genau deshalb der Inbegriff eines CES-Gadgets: Videospiele haben während der Pandemie noch einmal einen Boom erlebt, die Leute zocken mittlerweile in Profiligen, Leute wetten auf den Ausgang von Veranstaltungen, und wie bei anderen Sportarten gibt es Erfindungen, die den Athleten einen Vorsprung versprechen. In diesem Fall ist dieser Vorsprung messbar: 80 Millisekunden schneller soll der Klick auf die Maus erfolgen, wenn der Spieler den Neuro-Controller der kanadischen Firma Brink Bionics an der Hand trägt. Vereinfacht ausgedrückt: Der Handschuh antizipiert den Mausklick, bevor sich der Finger bewegt. Soll im Mai erscheinen und 160 Dollar kosten. Wenn es nicht als unlautere Hilfe verboten wird: Heißes Ding.

Moorebot Scout

Moorebot Scout

Dieses Gerät von Moorebot Scout schaut wie ein Mini-Monster-Truck aus und könnte schon bald als Aufpasser im Haus patrouillieren.

(Foto: Moorebot)

Hat eigentlich noch irgendjemand Angst, dass die Apokalypse kurz bevorsteht und Maschinen die Kontrolle über diesen Planeten übernehmen? Nun, die sollten nun nicht weiterlesen. Es soll bald ein Gerät geben, das sieht aus wie ein Mini-Monster-Truck und soll künftig auf Haus oder Wohnung aufpassen. Der "Scout" patrouilliert, und er kann nicht nur per Handy gesteuert werden, sondern soll über künstliche Intelligenz auf Haustiere aufpassen und Handwerker beobachten. Es soll im März auf den Markt kommen und 180 Dollar kosten - weitere Features folgen. Interessant, aber auch gruselig, deshalb: Heiße Luft.

Coldsnap

coldsnap ces

Sieht aus wie ein Kaffeebereiter- oder Wasserspender, spuckt aber Frozen Yoghurt und andere Leckereien aus: die Maschine von Coldsnap.

(Foto: Sigma Phase/oh)

Noch so ein Pandemie-Trend: Sachen, für die man früher das Haus verlassen musste, selbst daheim machen. Man muss sich Coldsnap vorstellen wie ein Kapselkaffee-Gerät, nur dass man damit Eiscreme, Frozen Yogurt und Smoothies herstellen kann. Der Unterschied, und das ist das große Versprechen: die Kapseln sind recyclebar, und der Kunde muss sie nicht entsorgen; sie werden automatisch in einem Behälter gesammelt. Das einzige Problem derzeit: Das Gerät soll beim Beta-Start im Sommer 1000 Dollar kosten - nur bei Erfolg in der Gegend um Boston soll es weltweit auf den Markt kommen. Ziemlich cool, deshalb: Heißes Ding.

Aufrollbares Telefon

LG Rollable

Das LG Rollable hat Smartphone-Format, kann aber auch größer werden.

(Foto: LG/oh)

Das Problem: Die Datenübertragung beim Mobilfunk wird immer schneller, die Bildschirme von Telefonen und Tablets werden immer besser - nur will niemand ein Gerät bei sich haben, das sich dann anfühlt wie der Knochen eines Dinosaurierfußes. Auf der CES werden seit Jahren mögliche Lösungen vorgestellt, ein aufklappbares Gerät oder Gadgets wie Uhren und Brillen. LG zeigte in diesem Jahr ganz kurz seinen Vorschlag: ein Telefon, das sich bei Bedarf automatisch zu einem Tablet ausrollt. Es gab keine Informationen dazu, Gerüchten zufolge will das südkoreanische Unternehmen so ein Gerät Ende des Jahres auf den Markt bringen. Kann sowohl heiße Luft als auch ein heißes Ding werden.

Nordic Track Vault

NordicTrackVault

All in one: Der Fitnessspiegel Nordic Track Vault bietet auch gleich noch das nötige Werkzeug für die heimische Körperertüchtigung.

(Foto: iconfitness/oh)

Es ist einer der Pandemie-Trends: Wenn man sich schon wie im Gefängnis fühlt, dann kann man sich auch in Gefängnis-Form bringen. Prison Shape nennen die Amerikaner das, und in den vergangenen Monaten sind zahlreiche Geräte auf den Markt gekommen (oder berühmt geworden, obwohl es sie schon lange gibt), die das Fitwerden daheim ein bisschen effizienter und interessanter gestalten. Nordic Track Vault ist ein Fitnessspiegel, ähnlich wie der von Mirror, mit dem Unterschied, dass es eben diesen "Vault" gibt, also eine Art Schrank, in der sämtliche Accessoires wie Hanteln, Stöcke oder Stretchingbänder aufbewahrt werden. Billig ist das Gerät allerdings nicht, in der Komplettversion mit allen Hilfsmitteln wie Yogamatte, Blöcken und einem Zwölf-Monats-Abo für alle Kurse kostet es 3000 Dollar. Heißes Ding!

Shower Power

Ampere Shower Power

Musik unter der Dusche - mit Wasserkraft betrieben: Das Bluetooth-Gerät Ampere Shower Power soll es möglich machen.

(Foto: Ampere/oh)

Es war Donald Trump, der sich während des Wahlkampfes über das Duscherlebnis in den USA beschwerte. Ihm ging es um den Wasserdruck, und genau den braucht dieses grandiose Gerät der amerikanischen Firma Ampere: Es wird an den Duschkopf angebracht und allein über das durchfließende Wasser betrieben. Per Bluetooth gelangt Musik vom Handy zum Lautsprecher, der komplett aus recycelten Materialien hergestellt ist. Kostet 59 Dollar, soll Ende des Monats ausgeliefert werden. Heißes Ding.

© SZ
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