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Technik-Messe in Las Vegas:Das sind die Highlights der CES 2019

Ein intelligenter Koffer, ein Brotback-Roboter und ein kletternder Krankenwagen wie aus "Star Wars": Die irrsten und spannendsten Entwicklungen der Technik-Messe im Überblick.

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Consumer Electronics Show

Quelle: Robyn Beck/AFP

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Man muss sich die Technikmesse CES in Las Vegas vorstellen wie eine Mischung aus Hamburger Fischmarkt, LSD-Trip, Odysseus' Fahrt entlang der Sirenen-Inseln und dem dritten Kreis der Hölle aus Dantes Inferno: Leute mit dem Mitteilungsbedürfnis von "Aale-Dieter" stehen vor blinkenden und lärmenden Ständen und erklären einem mit verführerischer Stimme, warum ihr Produkt die Welt verändern wird. Sie machen das so lange, bis der Besucher erschöpft aufgibt und zustimmt - oder sie das nächste ahnungslose Opfer vorbeischlendern sehen.

4500 Aussteller gibt es in diesem Jahr auf der CES, sie alle versprechen eine Verbesserung der menschlichen Existenz und lebensverlängernde Maßnahmen für den Planeten. Doch welche Produkte taugen wirklich etwas? Welche basieren auf einer grandiosen Idee, sind jedoch eher nicht massentauglich? Und welche sind einfach nur kreativer Krempel? Ein Überblick.

Der intelligente Koffer

Was ist es? Wäre es nicht toll, wenn man seinen Koffer nicht mehr selbst ziehen, schleppen oder heben müsste, weil einem das Ding selbstrollend durch Bahnhof oder Flughafen folgt? Das chinesische Unternehmen Ovis hat Geräte entwickelt, die dem Menschen bei den nervigsten und haltungsschädlichsten Tätigkeiten helfen sollen: einen autonomen Rasenmäher etwa, oder einen Rollwagen, der automatisch von einem Ort zum anderen fährt und schon von Logistikkonzernen wie DHL eingesetzt wird. Für den gestressten Vielreisenden gibt es nun den Ovis Suitcase im Handgepäckformat, von dem die Firma verspricht, dass er seinem Herrchen vier Stunden lang mit einer Geschwindigkeit von bis zu zehn Stundenkilometer folgen kann. Ein kleiner Selbstversuch ergibt: Es funktioniert, allerdings nimmt der Koffer wenig Rücksicht auf Mitreisende, denen er gerne vor die Füße fährt.

Was wird es? Eine Hilfe für gut betuchte Vielreisende, weil der Koffer 799 US-Dollar kosten soll.

EnGenius Tech Wifi 6 Access Point

Quelle: oh

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Engenius Wifi 6

Was ist es? Man kennt das als technikaffine Familie: Es ist Feierabend, Zeit für ein Videotelefonie-Bier mit dem besten Freund. Die Ehefrau will ihre Lieblingsserie auf einem Streamingportal gucken, die Tochter hört auf ihrem Computer Musik im Internet und vertreibt sich auf dem Handy die Zeit in sozialen Netzwerken, der Sohn will online ein Videospiel zocken. Plötzlich: Panik! Geschrei! Tumult! Wegen der gleichzeitigen Nutzung vieler Geräte wird die Internetgeschwindigkeit schrecklich langsam. Mit dem Wifi 6, so verspricht es das US-Unternehmen Engenius, werden Störungen in Privatwohnungen und Büros behoben und Geschwindigkeitsverluste vermieden.

Was wird es? Ein Hit, weil 200 US-Dollar ein recht geringer Preis dafür sind, dass alle Angestellten oder alle Familienmitglieder mit Hochgeschwindigkeit surfen können.

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Quelle: AP

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Der Brot-Backroboter

Was ist es? Abends, auf dem Weg vom Büro nach Hause. Was fehlt? Klar, wie immer: Brot! Aber deshalb noch einmal den Umweg in die Bäckerei machen, um dann doch nur einen bereits am Morgen gebackenen Laib oder irgendein Retorten-Gebäck zu bekommen? Es gibt nun eine Maschine namens Bread Bot, in etwa so groß wie drei Telefonzellen, in der automatisch Teig geknetet und Brot gebacken wird, 235 Stück pro Tag, für Herstellungskosten von weniger als 75 Cent pro Laib. Die frischen Backwaren werden in der Maschine vom durchsichtigen Ofen auf kleine Plattformen in der Maschine gehievt und dort direkt am Automaten verkauft.

Was wird es? Es hat das Potenzial für einen wahnwitzigen Erfolg - wenn der amerikanische Hersteller Wilkinson Baking Company seine Automaten entgegen der derzeitigen Planung anstatt nur in Supermärkten auch in größeren U-Bahn-Stationen und an wichtigen Bushaltestellen aufstellt.

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Quelle: AFP

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Der ausrollbare Fernseher

Was ist es? Wonach würde das Wohnzimmer ausgerichtet, wenn es keine Fernseher mehr gäbe? Nachdem Streamingportale schon dafür gesorgt haben, dass die Menschen ihre Abendplanung nicht mehr ans TV-Programm anpassen, wagt der südkoreanische Hersteller LG Electronics nun das nächste, durchaus philosophische Experiment: Der Fernseher verschwindet aus dem Alltagswohnzimmer: Der Oled TV R wird nur dann ausgerollt, wenn man ihn braucht - wie früher die Dia-Leinwand.

Was wird es? Der erste Schritt zu einem neuen Wohnzimmerdesign.

fasteesh ybrush zahnbürste 10 sekunden

Quelle: Fasteesh / Screenshot Youtube

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Die Zehn-Sekunden-Zahnbürste

Was ist es? Zähneputzen, drei Minuten. Diese Formel, die fast jeder als Kind eingebläut bekommen hat, soll irgendwann Geschichte sein. Die Y-Brush benötigt angeblich nur zehn Sekunden für das Säubern der Zähne. Fünf Sekunden für die obere Zahnreihe, fünf für die untere. Dazu verteilt der Nutzer herkömmliche Zahncreme auf einem halbkreisförmigen Mundstück, steckt es sich in den Mund und drückt einen Knopf auf dem Griff. Fertig. Das französische Unternehmen Fasteesh ist nicht das einzige mit dieser Idee. Auch die Amabrush verspricht Zähneputzen innerhalb von zehn Sekunden. Allerdings müssen Kunden für dieses Modell die Zahnpasta in Kapseln beim Hersteller selbst erwerben. Offensichtlich hat sich da jemand vom Geschäftsmodell einiger Kaffeeunternehmen inspirieren lassen.

Was wird es? Könnte ein Erfolg werden - nicht nur bei Kindern. Man stelle sich vor, welch tolle Taten man in den gewonnen freien Minuten vollbringen könnte.

Brillenaufsatz für sehbehinderte Personen

Quelle: Lino Mirgeler/dpa

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Der Mini-Seh-Computer

Was ist es? Menschen mit starker Sehschwäche haben oft Schwierigkeiten, ohne fremde Hilfe am öffentlichen Leben teilzunehmen. Abhilfe schaffen soll ein Mini-Computer von der Größe eines Einwegfeuerzeugs, der sich einfach am Brillengestell befestigen lässt. Der My Eye ist vorne mit einer Mini-Kamera und hinten mit einem Lautsprecher ausgestattet und liest auf Handbewegungen oder Sprachbefehle hin Zeitung, Verkehrszeichen oder Preisschilder, scannt QR-Codes oder sagt die Zeit an. Das Gerät der israelischen Firma Orcam erkennt gar die Gesichter von Bekannten, wenn der Benutzer ihm einmal den Namen genannt hat.

Was wird es? Ein Misserfolg - leider. Zwar würde das Gerät die Lebensqualität und die Unabhängigkeit Sehbehinderter dramatisch erhöhen, ist mit rund 4000 Euro aber für viele schlicht unbezahlbar, wenn nicht die Krankenversicherung die Kosten übernimmt. In Deutschland erstatten laut Unternehmensangaben gesetzliche Krankenkassen zwischen 80 bis 100 Prozent der Ausgaben.

livall fahrradhelm

Quelle: oh

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Der schlaue Fahrradhelm

Was ist es? Ein Helm schützt vor Beulen - so war es bisher. Die Fahrrad- und Skihelme des chinesischen Herstellers Livall allerdings können viel mehr: Sie sind mit einem großen, veränderbaren Rücklicht, ferngesteuerten Blinkern, Lautsprecher und Mikro zum Musikhören und Telefonieren sowie Walkie-Talkie ausgestattet. Stürzt man und kann sich selbst nicht helfen, schickt der Helm automatisch einen Notruf an bis zu drei Telefonnummern. Liegt man in unwegsamem Gelände, übermittelt der Livall Smart Helm sogar die Position. Das dürfte vor allem für Skifahrer und Mountainbiker interessant sein.

Was wird es? Ein Erfolg, weil nicht nur die Funktionen, sondern auch Aussehen und Preis stimmen. Der Fahrradhelm kostet 150 Euro, der Skihelm zehn Euro mehr.

Motiv Smart Ring

Quelle: Motiv / PR

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Der Fitness-Ring

Was ist es? Fitness und Gesundheitstracker passen oft nicht zur Bürokleidung oder zum Ausgeh-Outfit am Abend. Der ebenso schlichte wie schöne Smart Ring des kalifornischen Anbieters Motiv in Silber-, Rotgold- oder Schwarzanmutung lässt sich dagegen permanent am Finger tragen. Er misst Herzschlag, Schritte, Schlafdauer, Kalorienverbrauch und viele andere Dinge, ist trotz des eingebauten Chips wasserfest und findet im Notfall das verlorene Smartphone.

Was wird es? Eine bereichernde Ergänzung zur Tracker-Konkurrenz, denn der Ring sieht wirklich gut aus, lässt sich einfach und dauerhaft tragen und ist mit 175 Euro auch nicht zu teuer.

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Quelle: AP

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Der kletternde Krankenwagen

Was ist es? Zugegeben: Für Privatanwender ist der Hyundai Elevate wohl eher nichts. Das kleine Auto erinnert mit seinen vier Rädern, die es dank beweglicher Roboterarme wie Beine nutzen kann, an die riesigen Kampfläufer AT-AT aus den Star-Wars-Filmen. Der südkoreanische Autobauer möchte mit dem Fahrzeug aber keine Soldaten transportieren, der Trailer zeigt es in einer Simulation vielmehr auf einer Rettungsmission. Der Elevate könnte nach Naturkatastrophen zum Einsatz kommen, um Menschen aus Gelände zu retten, das für gewöhnliche Fahrzeuge unerreichbar ist. Dazu soll das Gefährt rund 1,5 Meter hohe Wände emporklettern oder ebenso breite Gräben überspringen können.

Was wird es? Hoffentlich ein Erfolg. Auf Rettungsmissionen in unwegsamem Terrain könnte der Hyundai Elevate die Arbeit von Helfern erleichtern.

The D Free, an ultrasound device for people who suffer from incontinence, is displayed at 'CES Unveiled' during the 2019 CES in Las Vegas

Quelle: Steve Marcs/Reuters

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Der Blasen-Wecker

Was ist es? Allein in den USA leiden angeblich fast 90 Millionen Menschen unter Inkontinenz, darunter viele Frauen, die nach der Geburt eines Kindes Probleme bekamen. Das D-Free-Gerät der gleichnamigen US-Firma besteht neben einem Sender und einer Smartphone-App aus einem Sensor, der sich unter der Kleidung verstecken lässt und per Ultraschall misst, wie voll die Harnblase ist. Wird ein bestimmtes Maß überschritten, erhält der Nutzer eine Handy-Nachricht mit dem Rat, vorbeugend zur Toilette zu gehen.

Was wird es? Ein Erfolg - zumindest bei den Menschen, für die der Leidensdruck so groß ist, dass sie sich den Preis von rund 440 Euro leisten.

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Quelle: oh

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Harley-Davidson Live Wire

Was ist es? Eine elektrische Harley.

Was wird es? Gar nichts. Eine elektrische Harley???

© SZ.de/mxm
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