Cambridge Analytica Etwa 87 Millionen Nutzer von Facebook-Datenskandal betroffen

  • Der Datenskandal bei Facebook hat deutlich größere Dimensionen als bislang angenommen.
  • Das Unternehmen hat mitgeteilt, die Daten von bis zu 87 Millionen Usern mit der britischen Firma Cambridge Analytica geteilt zu haben. In Medienberichten war zunächst von 50 Millionen die Rede gewesen.
  • Aus Deutschland sind bis zu 310 000 Nutzerprofile betroffen.
  • Facebook will die Nutzer US-Medienberichten zufolge ab dem 9. April darüber informieren, ob sie betroffen sind.

Die Zahl der von dem Datenskandal bei Facebook betroffenen Nutzer ist deutlich höher als bislang angenommen. Die Daten von bis zu 87 Millionen Usern seien mit der britischen Firma Cambridge Analytica geteilt worden, teilte Facebook am Mittwoch mit. Dabei geht es nicht nur um die Daten der Umfrage-Teilnehmer, sondern auch um die ihrer Facebook-Freunde. Das erklärt die hohe Zahl der betroffenen Nutzer. An der Umfrage hätten sich lediglich 65 Nutzer aus Deutschland beteiligt, wie Facebook auf Anfrage mitteilte.

Die Datenanalyse-Firma hatte die Informationen für personalisierte Anzeigen im US-Wahlkampf genutzt. Die meisten Betroffenen seien Nutzer aus den USA (siehe Grafik oben). Aus Deutschland könnten etwa 310 000 Nutzer betroffen sein.

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Bisher war von insgesamt etwa 50 Millionen betroffenen Nutzern ausgegangen worden. Dies ist die erste öffentliche Angabe, die das Unternehmen zur Größe des Datenskandals macht.

Die Daten sollen unerlaubt erfasst und dem Wahlkampf-Team des heutigen US-Präsidenten Donald Trump zur Verfügung gestellt worden sein. Behörden in den USA wie in Großbritannien haben Ermittlungen eingeleitet.

Facebook will die Nutzer US-Medienberichten zufolge vom 9. April an darüber informieren, ob sie betroffen sind. Als erster Post im News Feed jedes Nutzers soll ein Link erscheinen, der erklärt, an welche Drittanbieter ihre Informationen weitergegeben wurden und ob Cambridge Analytica unter diesen Nutzern ist. Zwei Tage später sagt Facebook-Chef Mark Zuckerberg im US-Kongress aus.

Bislang keine Folgen für das Werbegeschäft

Zuckerbergs Firma hat inzwischen die Datenschutz- und Nutzungsbedingungen umformuliert. Drittanbieter erhalten weniger Daten-Zugriffe, auch die Nutzersuche über Telefonnummern und E-Mail Adressen. Theoretisch hätten dadurch die öffentlichen Profilinformationen der "meisten" Facebook-Nutzer gesammelt werden können.

In einer Telefonkonferenz mit Reportern erklärte Firmenchef Mark Zuckerberg am Mittwoch erneut, die Firma habe in der Vergangenheit "nicht das Ausmaß der eigenen Verantwortung erkannt". Dies sei ein großer Fehler gewesen.

Fragen zu einem möglichen Rücktritt als Chef oder einer entsprechenden Forderung aus dem Aufsichtsrat verneinte er. Die jetzt angekündigten Schritte setzten einschneidende Änderungsprozesse in Gang, die ungefähr drei Jahre dauern würden. Bislang habe die Daten-Kontroverse noch "keine nennenswerte Folgen" für das Werbegeschäft der Plattform gehabt.

Die neuen Beschränkungen für Drittanbieter-Apps sorgten am Mittwoch für Probleme. So berichteten zahlreiche Nutzer, sich mit ihren Facebook-Logins nicht mehr auf dem Smartphone für die Dating-Plattform Tinder anmelden zu können und zwischen Partnersuche- und Facebook-App hin- und hergeleitet zu werden. In der Nacht behob Tinder das Problem.

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