Bundestagswahl So erkennen Sie Bots

Bots in sozialen Netzwerken können viele nützliche Funktionen übernehmen, aber auch Schaden anrichten. Auf Twitter verbreiten sie Spam, marktschreierisch politische Meinungen oder nehmen an Hasskampagnen teil, um das Opfer größtmöglichen Gegenwind spüren zu lassen.

Um einen Bot auf Twitter zu erkennen, können einige einfache Fragen helfen: Wie aktiv ist ein Account? Zu welchen Tageszeiten ist er aktiv? Postet er auch eigene Inhalte, oder reagiert und retweetet er nur? Diese Faktoren kann man selbst unter die Lupe nehmen - oder überlässt das Bot or Not, einem Projekt der Indiana University Bloomington.

Das Tool benötigt zuerst Zugriff auf Ihren eigenen Twitter-Account. Nur mit dieser Berechtigung kommt Bot or Not an die benötigten Daten. Danach können Sie einen beliebigen Account überprüfen lassen. Das Tool wertet öffentlich zugängliche Daten wie Frequenz und Zeitpunkt der Tweets oder die Zahl der Follower aus, nur eben sehr viel schneller und gründlicher als ein Mensch. Zum Schluss bekommen Sie die Daten einzeln aufgelistet. Relevant ist vor allem der zusammengerechnete Score, der angibt, mit welcher Wahrscheinlichkeit der geprüfte Account von einem Bot betrieben wird.

Hier gilt: Der Score kann lediglich einen Hinweis liefern, keine Gewissheit. Offensichtlich menschliche Accounts werden immer noch mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit für Bots gehalten, und auch bei Bot-Accounts hält es das Tool immer für möglich, dass es sich um einen Menschen handeln könnte. Auch inaktive oder passive Accounts zählen schnell fälschlicherweise als Bot.

Bei Facebook-Bots hilft kein Erkennungs-Werkzeug

Falsche Accounts auf Facebook zu erkennen, ist schwieriger, denn Facebook begrenzt den Zugang zu seinen Schnittstellen stärker als Twitter. Eine automatische Auswertung oder ein Tool wie Bot or Not gibt es deshalb nicht. Zwar ist Facebooks eigene Bot-Erkennung recht gut und löscht viele Bots, bevor sie all zu viel Spam verbreiten können. Doch ein Rest überlebt. Um diese Bots zu enttarnen, helfen vor allem Skepsis und Aufmerksamkeit.

Martin Hoffmann ist Journalist und hat für die App "Resi" einen eigenen Nachrichten-Bot entwickelt. "Es gibt ein paar klassische Punkte, an denen man Bots auf Facebook erkennen kann", sagt er. "Hat die Person viele Freunde oder wenige? Wie häufig postet der Account - sind es verschiedene Posts, oder immer die gleichen? Wie alt ist der Account?" Bots hätten oft nicht viele Freunde, posteten identische Kommentare und lebten nicht besonders lange. Außerdem müssten sich Bots ihre Profilbilder irgendwoher klauen - mit einer Bilder-Rückwärtssuche könne man einigen auf die Schliche kommen.

Dieser Beitrag ist Teil der großen Datenrecherche der SZ, in der wir die politische Macht auf Facebook analysiert haben. Lesen Sie:

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