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Browser:Vivaldi: Das steckt in der Alternative zu Chrome und Firefox

Der neue Browser aus Island macht da weiter, wo Opera aufgehört hat. Experiment gelungen? Der Kurztest.

Von Johannes Kuhn, New Orleans

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Vivaldi Browser

Quelle: Screenshot

Kann ein neuer Desktop-Browser im mobilen Zeitalter noch jemanden beeindrucken? Die Frage hat den Ehrgeiz von Opera-Mitgründer und -Ex-Chef Jon von Tetzchner geweckt. Seine neue Firma in Island legt die erste stabile Version 1.0 seines Browsers Vivaldi vor, ein "moderner Klassiker", wie die Firma selbstbewusst verspricht. Was Vivaldi anders macht - und ob das funktioniert: ein Kurztest.

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Die Personalisierung

Vivaldi Browser

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Vivaldi baut auf Chromium auf, der Software hinter Chrome. Anders als der Google-Browser und auch Firefox will Vivaldi allerdings nicht spartanisch sein, sondern Funktionen auch ohne Add-ons zur Verfügung stellen (Chrome-Add-ons sind allerdings kompatibel). Selbst kleinste Details wie Hintergrundmotive (siehe Screenshot) oder Ort der Tabs (links, rechts, unten oder oben) lassen sich personalisieren. Fazit: Vivaldi ist ein Browser für Vielnutzer, der Einstieg ist allerdings unkomplizierter als erwartet.

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Die Freiheit

Vivaldi Browser

Quelle: Screenshot

Vor allem die Organisation der Tabs ist interessant: Sie lassen sich gruppieren und gemeinsam in einem aufgeteilten Bildschirm ansehen (siehe Screenshot, Instagram und Pinterest nebeneinander). Das wird bei einem halben Dutzend Seiten unübersichtlich, aber immerhin lassen sich Hintergrund-Tabs in einen Ruhemodus versetzen, damit sie keine Rechenleistung brauchen. Tab-Sammlungen lassen sich auch speichern und später wieder aufrufen - eine Synch-Funktion zwischen Geräten fehlt hingegen. Per Schnellwahl lassen sich - wie in Opera - ganze Gruppen von Tabs aufrufen. Fazit: Für Bildschirm-Arbeiter interessant, für Gelegenheitssurfer zu viel Unruhe.

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Der Notizmodus

Vivaldi Browser

Quelle: Screenshot

Die Vivaldi-Macher haben einen Notizblock in den Kern des Browsers geholt. So lassen sich Zitate von Webseiten auswählen, Text kopieren und dann mit dem Link und sogar Bildern oder anderen Dateien speichern. Allerdings braucht es dafür einige umständliche Mausklicks. Fazit: Ein interessantes, aber schlecht umgesetztes Feature.

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Bild-in-Bild

Vivaldi Browser

Quelle: Screenshot

In der linken Leiste befindet sich neben Lesezeichen und Notizen auch ein Schnellzugriff, der mobile Webseiten aufruft. Einmal eingerichtet lassen sich so zum Beispiel Twitter, Facebook oder Nachrichtenseiten verfolgen, während man im Hauptfenster weiterarbeiten kann. Allerdings wird es schnell eng, wenn man links auch die Tabs platziert hat, zudem hat das Mini-Fenster manchmal Probleme mit dem Nachladen. Fazit: Eine schlaue Funktion mit Potenzial.

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Die Abkürzungen

Vivaldi Browser

Quelle: Screenshot

Personalisierung bedeutet auch, dass der Nutzer Tastatur-Kurzbefehle einrichten kann und der Browser auch Maus-Gesten folgt (die allerdings nicht personalisierbar sind). Eine Art Taschenlampen-Funktion ermöglicht es per Tastenkombination, alle Lesezeichen und Links besuchter Webseiten zu durchsuchen (siehe Screenshot). Fazit: Kurzbefehl-Anhänger dürften sehr zufrieden sein.

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Speicherhunger und Bugs

Vivaldi Browser

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Wie Chrome ist Vivaldi (zumindest auf dem Mac) kein Leichtgewicht, was den Arbeitsspeicher betrifft, vor allem die Hilfsanwendungen sind noch nicht optimiert. Dafür ist die Lade-Geschwindigkeit in der Regel hoch. Einige Bugs und die teils ungewöhnliche Nutzerführung machen Version 1.0 noch gewöhnungsbedürftig. Einige Features wie Foto-Filter auf Webseiten (siehe Screenshot) sind schlicht unnötige Spielereien. Eine fertige 64-Bit-Version für Windows fehlt noch, ebenso der angekündigte E-Mail-Client und eine Synch-Funktion. Datenschutz-Optionen existieren in Vivaldi, haben aber keine besondere Priorität. Fazit: Vor allem Informationsarbeiter mit Interesse an Personalisierung dürften einen Test als Zweit-Browser nicht bereuen. Gleiches gilt für alle, die Opera frustriert deinstalliert haben, weil nach Version 12 Funktionen gestrichen wurden.

© Süddeutsche.de/jab
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