Breitbandausbau in Deutschland Wenn das Internet aus der Leitung tröpfelt

Jetzt 14 Millionen de-Adressen

Glasfaserleitungen in Frankfurt am Main.

(Foto: picture alliance / dpa)
  • Während Ballungsräume gut versorgt sind, tropft das Internet in vielen ländlichen Regionen mit nicht mal zwei Megabit pro Sekunde aus der Leitung.
  • Für einen Ausbau fehlt das Geld. Dabei hatte die Bundesregierung allen deutschen Haushalten 50 Megabit pro Sekunde versprochen. 2018 sollte es soweit sein.
  • Wo sich das Verbuddeln von Kabeln nicht lohnt, soll Funk helfen. Doch die Frequenzen werden häufig von Rundfunkanstalten genutzt.
Von Varinia Bernau

Wenn sie gar nicht mehr weiterwissen, fragen sie Franz Frauenhoffer. Der 54-Jährige kennt sich mit Technik aus. Er weiß, wie man Kontakte knüpft und Geld auftreibt. Lange hat er beim Autokonzern Daimler internationale IT-Projekte gestemmt. Dann musste er aus gesundheitlichen Gründen in Rente gehen, bekam eine Abfindung von 300 000 Euro und sagte sich: "Ehe der Staat die Hälfte davon kassiert und damit macht, was er will, investier' ich das Geld doch lieber dort, wo ich es für sinnvoll halte."

Gemeinsam mit seiner Frau gründete Frauenhoffer vor sieben Jahren eine Stiftung, die Dörfern in seiner schwäbischen Heimat hilft, an einen schnellen Internetanschluss zu kommen. 150 Gemeinden hat er bereits ans Netz gebracht.

Erde muss aufgerissen werden

Eigentlich ist es absurd, dass es in diesem Land Menschen wie Franz Frauenhoffer braucht. Schließlich hat die Bundesregierung versprochen, dass bis 2018 alle deutschen Haushalte Zugang zum Internet mit einer Downloadgeschwindigkeit von 50 Megabit pro Sekunde bekommen sollen. Zwei Drittel aller Haushalte haben schon ein solches schnelles Internet, der Rest wartet noch auf Anschluss. Ob der bis 2018 Wirklichkeit wird - wie von der Bundesregierung versprochen -, ist ungewiss. Deshalb braucht es Menschen wie Franz Frauenhoffer. Bürger, die das, was die Regierung nicht schafft, selbst anpacken, gerade auf dem Land.

Während Ballungsräume gut versorgt sind, tropft das Internet in vielen ländlichen Regionen mit nicht mal zwei Megabit pro Sekunde aus der Leitung. Gerade dort müsste über weite Strecken die Erde aufgerissen werden, um Kabel zu verlegen. Das Geld für diese Investitionen können die Unternehmen in Gegenden, wo nur wenige Menschen leben, nur schwer wieder verdienen: 60 000 bis 70 000 Euro werden pro Kilometer benötigt. Deshalb stockt der Ausbau. Insgesamt, so eine Schätzung aus dem vergangenen Jahr, würde die von der Bundesregierung versprochene Versorgung gut 20 Milliarden Euro kosten. Allein die letzten fünf Prozent aller Haushalte anzuschließen, verschlingt demnach knapp acht Milliarden Euro.

Doch es mangelt nicht nur am Geld, vielerorts mangelt es auch an Wissen und am guten Willen. Das zeigt der Einsatz von Franz Frauenhoffer, der oft doch noch möglich macht, was unmöglich zu sein scheint. Mal treibt er eine vermögende Spenderin auf, die das Verlegen von Glasfaserkabeln finanziert. Mal schlägt er vor, die oberirdische Leitung eines Energieversorgers anzuzapfen. Und wieder ein anderes Mal findet er raus, wo noch Wasserrohre liegen, die man für die Kabel nutzen und so die Kosten senken könnte.