Google Daydream VR-Brille von Google - Braucht man das?

Google Daydream: Die Fernbedienung überzeugt, doch das Konzept ist noch nicht ganz ausgereift.

(Foto: AFP)

Mit dem Daydream-Headset will Google virtuelle Realität massentauglich machen. Doch wer in fremde Welten eintauchen möchte, muss leiden.

Von Helmut Martin-Jung

Das Gute an Googles Virtual-Reality-Brille Daydream ist die Fernbedienung. Wie bitte? Eine Fernbedienung für eine Brille? Aber ja! Diese besonderen Brillen lassen einen ja eintauchen in Welten, die entweder fiktional sind, oder aber in solche, in die zumindest die meisten kaum kämen. Weißen Haien aus nächster Nähe unter Wasser zugucken - ok, los geht's. Mal eben durchs Sonnensystem sausen - na klar, aber bitte anschnallen.

Weil man eben in dieser anderen Welt mitten drin ist, braucht es irgendeine Möglichkeit, darin nicht nur zu gucken, sondern auch etwas auszulösen - und es sei bloß der Zurück-Knopf. Dafür eignet sich die Fernbedienung. Über Bewegungssensoren erfasst sie ihre Lage ziemlich präzise, damit lässt sich der Cursor wesentlich leichter irgendwohin verschieben als beim konkurrierenden Modell von Samsung, wo man das relativ umständlich mit Kopfdrehungen und einer Sensorfläche an der Brille erledigen muss.

Tragekomfort geht anders

Die Fernbedienung ist etwa so groß wie ein Löffelbiskuit und per Bluetooth mit dem Handy verbunden, das vorne in der Brille steckt. Die Brille ist einfach aufgebaut und ähnelt einer Taucherbrille. Dort wo das Glas wäre, steckt hinter einem Klappdeckel das Smartphone, davor sind zwei Linsen angebracht. Der Deckel schließt die Brille nicht ganz lichtdicht ab, das trübt das Erlebnis etwas.

Eine eigene Elektronik wie sie Samsungs Gear VR eingebaut hat, findet sich in der Daydream nicht. Sie ist dafür leichter, fühlt sich wegen ihres Stoffüberzugs sympathischer an. Aber sie ist - let's face it - auch nicht bequemer. Sie drückt nach kurzer Zeit oder aber sie rutscht weg, wenn der Tragegurt zu locker eingestellt ist. Außerdem verströmt sie auch lange nach dem Auspacken einen penetranten Chemie-Geruch. Der Fokus lässt sich, anders als bei Samsung, nicht verstellen. Man hat deshalb die Wahl zwischen nicht ganz scharf und nicht perfekt sitzend.

Die Daydream bleibt ein Zukunftsversprechen

Überhaupt Schärfe: Zur Anzeige dient der Bildschirm von Googles neuesten Handys, also des Pixel und des Pixel XL. Hier ist Größe mal wichtig, denn das XL zeigt mehr Bildpunkte an, bei VR entscheidend. Um ein 3-D-Bild zu liefern, wird der Bildschirm in zwei Hälften geteilt, daher halbiert sich die Auflösung. Auch beim größeren Handy sind aber einzelne Bildpunkte zu erkennen. Dass der Hai ein Hai ist und nicht ein Thunfisch, erkennt man so erst, wenn das Vieh schon direkt an einem vorbei schwimmt. Bislang funktioniert die Daydream nur mit einer Handvoll Smartphones, darunter das Pixel, die Motorola Moto-Z-Reihe und das Huawei Mate 9 Pro.

Fazit: Um die Brille länger zu verwenden, braucht es ein gehöriges Maß an Leidensfähigkeit. Auch wird das Handy, das Schwerstarbeit verrichten muss, sehr heiß. Gut kann ihm das auf Dauer nicht tun. So bleibt auch Daydream eher ein Versprechen auf eine Zukunft, in der sich virtuelle Realität ohne größere Verrenkungen erleben lässt.

Das VR-Headset "Daydream View" ist für 69 Euro in Googles eigenem Online-Shop erhältlich.

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