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Braucht man das?:Google Nest Hub

Radarstation auf dem Nachttisch: Googles Nest Hub will helfen, die Schlafqualität zu verbessern.

(Foto: AP)

Warum in aller Welt sollte man sich ein Gerät mit Mikrofon ins Schlafzimmer stellen, das jede Bewegung registriert? Google glaubt, eine Antwort geben zu können: Um die Schlafqualität zu messen.

Von Simon Hurtz

Ein Gerät mit Bewegungssensor, das neben dem Bett steht und jeden Morgen einen Performance-Report ausspuckt - da könnte man auf falsche Gedanken kommen. Doch Googles neueste Entwicklung ist jugendfrei, eignet sich auch für Singles und misst eine eher unverfängliche Aktivität: den Schlaf. Doch warum sollte man sich ein Gadget mit Mikrofon ins Schlafzimmer stellen, das ständig lauscht und selbst kleinste Bewegungen unter der Bettdecke registriert?

Google glaubt, mit dem Nest Hub eine Antwort geben zu können. Studien zufolge schläft jeder dritte Erwachsene zu wenig. Das erhöht das Risiko, an Demenz zu erkranken oder ein Herzleiden zu entwickeln und zieht jedes Jahr tausende tödliche Autounfälle nach sich. Deshalb hat Google ein Gerät entwickelt, das Menschen helfen soll, besser zu schlafen.

Auf den ersten Blick ähnelt der neue Nest Hub der ersten Generation: ein Smart-Display, wie es auch andere Hersteller bauen. Man kann Youtube- und Netflix-Videos anschauen, Musik hören und den eingebauten Google Assistant um Rat fragen. Obwohl die halbe Welt im Home-Office videotelefoniert, verzichtet Google auf eine Kamera. Das ist klug, denn sein Potenzial entfaltet der Nest Hub erst auf dem Nachttisch. Dort bleiben die meisten Menschen wohl lieber unbeobachtet.

Kein Schnaufer, kein Schnarcher bleibt unbemerkt

Für den Schlafsensor setzt Google auf einen alten Bekannten: den Soli-Chip, der bereits in Pixel-Handys zum Einsatz kam. Das Radarsystem erkennt, ob man sich im Bett herumwälzt und in welchem Rhythmus sich die Brust hebt. Zusammen mit dem Mikrofon, das Schnarchen und Husten aufzeichnet, soll der Nest Hub so die Schlafqualität aufzeichnen können. Im Test klappt das tatsächlich. Wer gerädert aufwacht, sieht in der Auswertung meist eine unruhige Nacht.

Daran schließen sich drei Fragen an. Erstens: Brauche ich ein Gerät, dass mir sagt, warum ich müde bin, oder gehe ich am nächsten Abend einfach früher ins Bett? Zweitens: Vertraue ich Google, dass alle Daten lokal verarbeitet werden und nur ein abstraktes Schlafdiagramm auf den Google-Servern landet? Drittens: Ist mir die Selbstvermessung 100 Euro und vom kommenden Jahr an womöglich ein kostenpflichtiges Abonnement Wert, über das Google noch nicht endgültig entschieden hat? Wer dreimal ja antwortet, ist mit dem Nest Hub gut bedient. Wer zweifelt, könnte probeweise das Smartphone aus dem Schlafzimmer verbannen, statt mehr Technik anzuschaffen - das soll auch schon geholfen haben.

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