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Braucht man das?:So fühlt sich Samsungs virtuelle Realität an

Augen auf, das soll die Zukunft sein: die Gear VR von Samsung.

(Foto: PR)

Gear VR macht die Täuschung perfekt. Aber was bringt die Technik für den Alltag außer Kopfschmerzen?

Von Helmut Martin-Jung

Um das nächste große Ding auszuprobieren, muss man sich nicht in Unkosten stürzen. Ein handelsübliches Smartphone, dazu eine Vorrichtung aus Pappe, das reicht. Zusammengefaltet ähnelt sie einer Taucherbrille. Innen sind zwei Plastiklinsen, die das Bild des vorne hineingesteckten Smartphone-Bildschirms vergrößern - fertig ist die Virtual-Reality-Brille. Bequem und funktionell ist allerdings anders. Wer ein wenig länger gucken will, greift zu einem Gerät wie der Gear VR von Samsung (etwa 200 Euro).

Das Prinzip ist dasselbe. Der Smartphone-Bildschirm zeigt je ein Bild fürs linke und rechte Auge an. Für die optische Illusion sind Linsen angebracht. Der Fokus lässt sich anpassen und die Brille enthält eigene Lagesensoren, die die Qualität der Bewegungssteuerung stark verbessern.

Denn darum geht es ja: Durch die Brille blickt man in eine andere Welt - sieht aber immer nur einen Ausschnitt davon. Das funktioniert in allen Richtungen, auch nach oben und nach unten. Nach unten zu blicken, löst allerdings ein merkwürdiges Gefühl aus. Denn eigentlich müssten da unten ja die eigenen Beine sein. Doch weder auf den Rundum-Bildern der echten Szene, noch in den meisten künstlichen Welten tauchen sie auf. Samsungs neue Brille trägt sich einigermaßen bequem, sie bringt zwei Gurte mit. Einen, den man wie ein Stirnband trägt, der zweite wird oben eingehakt und verläuft von Stirn über den Scheitel zum Nacken. Das Kunststoffgehäuse ist rundherum gepolstert. Da nur einige Smartphone-Modelle von Samsung kompatibel sind, passen die auch gut ins Gehäuse. An der rechten Seite befindet sich eine berührungsempfindliche Oberfläche sowie ein Knopf, mit dem sich jeweils um eine Ebene im Menü zurückspringen lässt. Bevor das alles aber läuft, müssen erst einige Apps installiert werden. Das kostet zwar Zeit, funktioniert aber problemlos. Die Auswahl an Virtual-Reality-Apps, an Bildern und Videos, ist inzwischen riesig. Taucht man auch noch akustisch in die künstlichen Welten ein - ein Kopfhörer lässt sich am Handy anstöpseln - wird die Täuschung noch perfekter. Für viele aber immer noch nicht perfekt genug. Weil die vorgaukelten Eindrücke nicht mit den Wahrnehmungen anderer Sinne überstimmen, wird manchen schlecht, andere bekommen Kopfschmerzen. Letzteres kann auch mit dem Gewicht der Brille zu tun haben, die im vorderen Bereich doch sehr deutlich zu spüren ist.

Am Ende bleibt die Frage, was nach dem ersten Erstaunen über die Möglichkeiten dieser Technik an Anwendungen bleibt, die wirklich in den Alltag Eingang finden könnten.

© SZ vom 23.12.2015/jab
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