Botschaft aus Iran Hacker-Angriff legt Twitter lahm

Eine Gruppe mit dem Namen "Iranian Cyber Army" hat kurzzeitig die Kontrolle über die Twitter-Startseite übernommen. Es könnte ein Racheakt sein.

Der US-Mikrobloggingdienst Twitter ist am frühen Freitagmorgen erfolgreich von Hackern angegriffen worden. Wie das US-Technologieportal Techcrunch berichtet, waren auf der Startseite eine grüne Flagge und die Nachricht "Diese Seite ist von der Iranian Cyber Army gehackt worden" zu sehen.

Die US-Seite Techcrunch zeigte einen Screenshot der Hacker-Botschaft

(Foto: Screenshot: Techcrunch.com)

Weiter habe es geheißen: "USA - sie denken, sie kontrollieren das Internet mit ihrem Zugang, aber sie tun es nicht. Wir kontrollieren und lenken das Internet über unsere Macht (...)". Kurz darauf ging die Seite offline, einige Nutzer konnten über offene Schnittstellen dennoch Botschaften absetzen. Seit etwa acht Uhr deutscher Zeit ist der Service wieder nutzbar.

Ob die Angreifer auf sensible Nutzerdaten Zugriff hatten, ist bislang nicht bekannt. Eine kurze Nachricht auf dem Twitter-Statusblog lässt darauf schließen, dass die Angreifer die Namensdatenbank des Dienstes verändert hatten und so www.twitter.com auf die Seite mit der Botschaft umleiten konnten.

Fast 60 Millionen Menschen nutzen nach Angaben des Unternehmens den Dienst, auf dem Nutzer Kurznachrichten in einer Länge von bis zu 140 Zeichen ins Netz senden können. Im Jahr 2008 war Twitter öfter ausgefallen, da die Server der Firma auf die Last der vielen neuen Nutzer nicht vorbereitet waren.

Nicht das erste Sicherheitsproblem

Auch in Sachen Sicherheit hat das Unternehmen nicht den besten Ruf: Im Januar waren unter anderem die Konten von US-Präsident Barack Obama und Popstar Britney Spears geknackt worden. Im Juli hatte ein Hacker die Unternehmensserver angegriffen und mehr als 300 teils vertrauliche Dokumente über die Geschäfsstrategie der Firma kopiert. Unter den angegriffenen Konten war damals auch das von Twitter-Mitgründer Evan Williams.

Twitter hatte auch bei den Oppositionsprotesten in Iran im Juni eine große Rolle gespielt: Vor allem Studenten nutzten den Dienst, um die Staatsmedien zu umgehen und über die Demonstrationen und Verhaftungen zu berichten. Ein Angriff auf die Seite durch staatstreue Hacker ist deshalb nicht unwahrscheinlich, zumal auch die iranische Oppositionswebseite mowjcamp.org geknackt und mit der anti-amerikanischen Nachricht versehen wurde.

Ein Großteil der Nutzer scheint die Attacke äußerst gelassen zu sehen: Unter dem Schlagwort "whentwitterwasdown" ("Als Twitter nicht funktionierte") erzählen sie, was sie gerade trieben, als der Dienst zusammenbrach.