Blockchain-Prinzip Gibt es überhaupt Bedarf für smarte Verträge?

Kritiker weisen hingegen darauf hin, dass es noch keinen Standard für verlässliche Datenquellen gibt, Manipulationen an der Blockchain unwahrscheinlich aber nicht unmöglich sind, die neuen Blockchain-Anbieter zu große Macht auf ihren Plattformen haben und noch gar nicht klar ist, ob es überhaupt Bedarf gibt. "Es ist hier politisch korrekt, die Blockchain für interessant zu halten", sagt Wences Casares vom Bitcoin-Startup Xapo aus dem Silicon Valley. Ob es wirklich das nächste große Ding sei, lasse sich allerdings nicht seriös prophezeien.

Vor allem das Rechtsystem müsste sich dafür massiv verändern. Wie lassen sich Gesetze digitalisiert und autonom umsetzen? Wie sieht Rechtsprechung in Fällen mit automatischen Verträgen aus? Wie können Gerichte selbst maschinenlesbar Transparenz und Überprüfbarkeit herstellen?

Wie verändern sich Institutionen?

"Institutionen aus dem 20. Jahrhundert tun sich schwer mit Problemen des 21. Jahrhunderts", sagt John Clippinger, der am MIT in Boston über Identität und Privatsphäre in dezentralen Netzwerken forscht, "es bräuchte einen gewaltigen Innovationsschub in der Regulierung."

Der Blockchain-Enthusiast prophezeit voller Optimismus: "In zwei bis drei Jahren werden wir eine neue Firma oder einen Sektor sehen, der mit der Technologie gigantische Profite einfahren wird. Wir reden hier von 10 000 Dollar Rendite bei einem Dollar Einsatz." An dieser steilen Prognose würde man ihn gerne messen. Am besten per automatischem Vertrag.

Blockchain und die Privatsphäre

Privatsphäre, Sicherheit, Transparenz: In welchem Verhältnis diese Werte in Blockchain-Anwendungen zueinander stehen, wird gerade diskutiert. Dass Transaktionen sichtbar sind, nicht aber deren verschlüsselter Inhalt, führt bei Finanzanwendungen schnell zu Regulierungsfragen. In diesem Sommer wurde mit den "Windhover Prinzipien" ein erster Standard entwickelt. Er sieht vor, dass Nutzer Eigentümer ihrer Daten sind, aber Institutionen und Online-Dienste in einem Cloud-Profil die Möglichkeit geben, bestimmte Informationen nachzuprüfen, um sie zu authentifizieren. Nicht Anonymität, sondern Pseudonymität dürfte sich als Identitätsstandard des Blockchain-Internet herausbilden, sagt John Clippinger vom MIT.