Süddeutsche Zeitung

Blackmagic Pocket Cinema Camera:Ein Hauch von Hollywood

Blackmagic bietet eine Filmkamera an, die für vergleichsweise wenig Geld viel kann. Aber sie verlangt auch ein gewisses Können.

Von Hans von der Hagen

Die Firma Blackmagic Design noch zu den jungen Wilden zu zählen, mag übermütig sein - immerhin sind die Australier auch schon seit 18 Jahren am Markt. Und doch: Auftritt und Anspruch sind für manch etablierten Hersteller eine Provokation, kosten die Kameras von Blackmagic oft deutlich weniger als andere Filmkameras, obwohl sie für gehobene Ansprüche und das professionelle Filmgeschäft gedacht sind. Das gilt mit Abstrichen auch für das seit einiger Zeit etablierte günstigste Blackmagic-Segment - die Pocket-Cinema-Kameras. Zumindest nennt sie der Hersteller tapfer Pocket, obwohl sie schon das Format von sehr ausgewachsenen Spiegelreflex-Kameras haben.

Angeboten werden zwei Versionen: Das etwas schmalere Modell mit einem Four-Thirds-Bildsensor und einer maximalen Auflösung von 4K, also Ultra-HD, und das 6K-Modell mit einem größeren Super-35-Sensor. Ein größerer Sensor verschafft dem Filmer etwas mehr Spielraum, zum Beispiel, wenn er mit geringer Schärfentiefe arbeiten will, also etwa Personen vor unscharfem Hintergrund präsentieren will. Umgekehrt heißt das aber auch, dass es mit kleineren Sensoren leichter ist, ein Bild in allen Ebenen scharf zu halten. Das kann das Filmen gerade im dokumentarischen oder journalistischen Bereich vereinfachen. Zum Testen hatte die SZ die 6K-Kamera da, die nicht nur eine höheren Auflösung hat, sondern auch die Möglichkeit, die sehr verbreiteten Canon EF-Objektive zu nutzen.

Schon aufgrund ihrer Größe und der Form vergleicht man die Blackmagic Pocket unwillkürlich mit klassischen Fotokameras, mit denen sich oft schon gute Videos drehen lassen. Doch die meisten Fotokameras lassen einen immer wieder mal und vor allem in unpassenden Momenten spüren, dass sie in erster Linie fürs Fotografieren gemacht wurden. Bei der Blackmagic ist es umgekehrt. Sie ist zwar durchaus in der Lage, auch Fotos zu schießen, aber das übersichtliche Bedienkonzept ist ganz auf das Filmen ausgerichtet. Das fällt auch bei dem Bildschirm auf der Kamerarückseite auf, der mit seinen fünf Zoll fast so groß ist wie der eines kleinen iPhones. Bedient wird er per Fingerdruck und was immer man in den Einstellungen sucht - man kommt fix ans Ziel.

Der Bildschirm ist zwar groß, lässt sich aber leider nicht drehen oder schwenken

Spätestens beim ersten Dreh bedauert man allerdings, dass dieser Bildschirm sich nicht bewegen lässt und auch nicht zu den hellsten zählt. Problematisch ist das vor allem dann, wenn man mal aus der Hand heraus und vielleicht sogar mal in Hüfthöhe filmt - das gerät mit dem starren Bildschirm schnell zum Blindflug. Doch fünf Zoll sind eben auch fünf Zoll - arbeitet man mit Stativ, lässt sich das Bild damit in der Regel recht ordentlich beurteilen. Zumal Blackmagic auch Hilfsmittel zur Kontrolle von Helligkeit (Zebra), Schärfe (Focus Peaking) oder auch eine Lupenfunktion anbietet, die beim Dreh hilfreich sind. Wenn das aufgezeichnete Bildmaterial schnell gesichtet werden soll, lassen sich Zebra und Focus Peaking auch im Nachhinein noch dazu schalten.

Zum Aufzeichnen lieber gleich eine Festplatte nutzen

Wirklich eindrucksvoll bei der Blackmagic-Kamera ist die Vielzahl möglicher Aufnahmeformate bis hin zum Raw-Format. Raw bedeutet, dass die Rohdaten, also alle Details, die der Bildsensor aufzeichnet, mit abgespeichert werden - in einer solchen Video-Datei steckt also viel mehr als das, was auf dem Bildschirm zu sehen ist. Das erweitert die Möglichkeit zur Nachbearbeitung eines Films enorm. Jeder Hersteller verwendet dabei sein eigenes Raw-Format, bei dieser Kamera ist es entsprechend Blackmagic Raw. Nicht jede Videoschnitt-Software kann damit umgehen, praktischerweise liefert aber Blackmagic mit der Software Da Vinci Resolve ein Videoschnitt- und Farbkorrekturprogramm gleich mit. Wer übrigens in der vollen Auflösung von 6K filmen will, kann dies nur in dem Raw-Format machen.

Dabei entstehen enorme Datenmengen. Da empfiehlt es sich, die Daten schon beim Filmen direkt auf einer Festplatte zu speichern, was über den USB-C-Anschluss möglich ist.

Der Name Pocket suggeriert nicht nur eine gewisse Leichtigkeit, sondern auch, dass diese Kamera zum Dabeihaben und Jederzeitfilmen gemacht sein könnte. Nun, zum spontanen Filmen lädt sie nicht unbedingt ein. Das fängt schon beim Akku an. Der Standardakku hält nur etwa eine halbe Stunde durch, erst ein Batteriegriff mit mehreren Akkus lässt längere Drehs zu. Auch hat diese Kamera keine eigene Bildstabilisierung. Das bedeutet: Wer aus der Hand filmen will, sollte mindestens eine Bildstabilisierung im Objektiv haben oder noch besser natürlich einen Gimbal nutzen - ein Tragegestell, das Bewegungen ausgleicht.

Beim Filmen von Interviews muss zudem berücksichtigt werden, dass es anders als bei vielen Fotokameras bei der Blackmagic weder eine Gesichtserkennung noch einen Autofokus für bewegliche Objekte gibt. Professionelle Filmer mögen auf solche Funktionen gut verzichten können, wer jedoch von seiner Fotokamera gewohnt ist, dass er in heiklen Momenten auf diese Hilfsmittel zurückgreifen kann, sollte das beim Kauf berücksichtigen. Wichtig sind zudem externe Mikrofone, weil die Kamera nicht lautlos arbeitet, was auf Aufnahmen mit den internen Mikrofonen deutlich zu hören ist.

Die Blackmagic bietet für einen Preis von gut 2000 Euro zahlreiche Möglichkeiten, die zum Experimentieren einladen - gerade für die Fälle, in denen nicht Schnelligkeit, sondern künstlerischer Anspruch im Vordergrund steht. Wem das zu viel Geld ist, der kann auch auf das kleinere Modell zurückgreifen, das fast ebenso viele Möglichkeiten bietet, aber ein Drittel weniger kostet.

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