Biometrische Systeme:Selbst Fans der Gesichtserkennung zweifeln

Lesezeit: 4 min

Auch Rasmus Rothe, der an der ETH Zürich zum Thema Gesichtserkennung geforscht hat, glaubt nicht an eine absolute Sicherheit der Systeme. Rothe bekam Anfang des Jahres viel Aufmerksamkeit, als er die Website Howhot.io aufschaltete, ein Nebenprodukt seiner Forschungen. Auf der Website konnten User testen, wie hoch der Computer mithilfe von Gesichtserkennung ihre Attraktivität einschätzt. Schon im ersten Monat luden 50 Millionen Teilnehmer ihre Bilder hoch.

Als Privatperson solle man sich genau überlegen, wo man welche biometrischen Daten preisgeben wolle, sagt Olaf Stern, vor allem dann, wenn es in erster Linie um die Bequemlichkeit gehe. Die technische Entwicklung macht einem dies allerdings zunehmend schwerer. Immer mehr Geräte bieten die Erkennung mit biometrischen Eigenschaften an.

"Es ist wichtig, dass die Hersteller immer auch alternative Verfahren anbieten", sagt Rasmus Rothe, der eigentlich ein "Fan der Gesichtserkennung" sei. Der Entscheid für den jeweiligen Weg solle beim Nutzer liegen.

Das Ende der Anonymität

Für Aufregung hatte im Frühjahr auch die russische App FindFace gesorgt. Sie soll es mit zufällig geschossenen Schnappschüssen und einem Online­-Abgleich ermöglichen, x-beliebige Menschen auf der Straße zu identifizieren.

Bisher funktioniert das Verfahren erst mit den Bildern auf einer russischen Social-Media-Plattform. Kommentatoren warnten jedoch davor, dass dies auch offline schon bald das endgültige Ende jeglicher Anonymität bedeuten könne.

Die App lernt von jedem Bild, wie sie Personen besser identifizieren kann. Ähnlich ging auch Rothe bei seiner Howhot-Software vor. Er fütterte das Programm mit rund einer halben Million Bilder von Menschen inklusive dazugehöriger Altersangabe. So lernte die Software, das Alter von Menschen einzuschätzen, und war darin laut ihrem Hersteller bald besser als jeder Mensch.

Am Flughafen Zürich hatten sich die Verantwortlichen vor einigen Jahren schließlich gegen eine Software zur ­Gesichtserkennung entschieden. Die Kantonspolizei setzt dort im Moment keine derartigen Systeme ein. Man werde den Markt aber weiter beobachten, heißt es auf Anfrage.

Dieser Artikel erschien zuerst im Tages-Anzeiger vom 30.08.2016.

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