Audio Wie die Traditionsfirma Beyerdynamic im Kopfhörermarkt bestehen will

Jetzt auch mit aktiver Geräuschunterdrückung: Funk-Kopfhörer des deutschen Traditionsherstellers Beyerdynamic.

(Foto: oh)
  • Nur Kenner schwören auf Kopfhörer von Beyerdynamics aus Heilbronn. Der neue CEO aus den Niederlanden will die Firma bekannt machen.
  • Das soll auch mit modernerer Technologie gelingen: Mit dem Lagoon ANC setzt jetzt auch Beyerdynamic auf aktive Geräuschunterdrückung, obwohl das Unternehmen mit der Technologie lange gefremdelt hatte.
Von Helmut Martin-Jung, Berlin

An Selbstbewusstsein fehlt es Edgar van Velzen nicht. Auf die Frage, wie man eine Traditionsfirma aus dem Dornröschenschlaf holt, antwortet der Niederländer ohne zu zögern: "Ich bin der Prinz, der sie wachküsst." Van Velzen, 52, ein drahtiger Typ, ist seit Mitte 2017 Chef von Beyerdynamic. Musikern braucht man an dieser Stelle nichts zu erklären. Die Mikrofone, die Studiokopfhörer des Mittelständlers aus Heilbronn sind legendär. "Die Wertschätzung ist hoch", analysiert van Velzen, "die Marke ist genial, aber es kennen uns zu wenige."

Das will der neue Prinz ändern. "Wir müssen ein bisschen moderner werden", gibt er die Richtung vor, "nicht für Kiddies, aber wer den ersten Job hinter sich und vielleicht schon einen günstigen Kopfhörer hat - das ist unsere Zielgruppe." Eines will der Neue aber auf keinen Fall: Im Profibereich soll sich nicht viel ändern, vor allem die hohe Qualität soll unbedingt erhalten bleiben, "aber die Werte müssen in die neue Zeit geführt werden."

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Augenfällig wird das vor allem bei den Produkten für Endverbraucher. Die Form müsse zwar der Funktion folgen, sagt van Velzen, "aber es darf auch ruhig schön aussehen." Er weiß: Das Design zählt, die Konkurrenz ist da voraus. Auf der Ifa, der wichtigen Messe für Unterhaltungselektronik, rief van Velzen den Neustart aus, zeigte das neue Logo und die ersten Produkte, die tatsächlich erheblich moderner aussehen. Soziale Medien will das Unternehmen besser bespielen, um die Webseite kümmern sich nun 15 statt wie bisher zwei Mitarbeiter.

Neues Logo: Das "B" war leider schon von Beats besetzt

Eigentlich hätte sich ein "B" als Logo angeboten, doch das ist von der Konkurrenz besetzt - von Beats, dem Audiotechnik-Hersteller, der von Apple gekauft wurde. Also entschied man sich für das "Y" aus dem Namen. Das prangt nun groß auf allen Produkten, denn: "Die sind unsere größte Werbefläche", sagt van Velzen. Auch in technischer Hinsicht gibt es Neues. Früher hatten die Heilbronner kaum Kopfhörer mit Bluetooth-Funk im Programm, nun sind es schon sechs. Und auch einem anderen Trend öffnet sich die Firma: Active noise cancelling (ANC), aktive Geräuschunterdrückung also.

Lange haben die Heilbronner damit gefremdelt, wird doch der Klang beeinflusst, wenn Algorithmen Gegenschall zu Geräuschen der Umgebung produzieren und somit für Stille sorgen. Mittlerweile sei man "in der dritten Schleife mit den Chipherstellern, um die Akustik zu verbessern", sagt van Velzen. Noch in diesem Herbst soll ein neuer Beyerdynamic-Kopfhörer mit ANC herauskommen.