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Besuch beim Chaos Communication Camp:Nachts eröffnet der Spielplatz der Technikfreunde

Eigentlich, betont Rieger, gehe es beim Communication Camp aber um Kommunikation, "auch offline". Sprechen also. Für die, denen das aber zu fad ist, gibt es die Mini-Raketen zum Umhängen, über sie können die Hacker Kurznachrichten verschicken, die von Rakete zu Rakete - wie per Flüsterpost - weitergeleitet werden. Die Liebe für solche Spielereien eint die Besucher des Hacker-Festivals.

Während die Jungs von "Awesome Retro" 30 Jahre alte Spielekonsolen wieder aufleben und den "Pac-Man" wieder durch ein grün flimmerndes Labyrinth jagen lassen, löten niederländische Bastler an verbesserten "Brain-Machine-Kits" oder "TV B Gone"-Fernbedienungen - mit Letzteren lassen sich sämtliche Fernseher im Umkreis von 100 Metern gleichzeitig ausschalten. Es sind die Späße, wie Hacker sie lieben.

Die Sonne ist kaum hinter den Flugzeughangars verschwunden, da kreisen grelle Lichtkegel durch die Bäume, zucken Neonschlangen über den Boden. Durch die Dunkelheit surren beleuchtete Modellhubschrauber. Es ist Nacht, und der Spielplatz der Technikfreunde eröffnet.

Vor der Pommesbude schickt eine mannshohe Kupferspule Blitze in den Himmel, nebenan tanzen drei Schaufensterpuppen zum dumpfen Rhythmus von Computermusik. Und im Hackcenter? Da blasen die Computerlüftungen noch weit nach Mitternacht den Duft von Marihuana und Mate-Limo durch die Flugzeughalle.

Zahlen, die über Bildschirme rattern

Bleiche Hackergesichter starren auf Buchstaben und Zahlen, die in langen Kolonnen über die Bildschirme rattern. Ein neuer Hack? Der neue Angriff auf einen bösen Großkonzernen vielleicht? Nein, "nichts besonderes", sagt der Mittvierziger, blickt auf den pinken Anhänger, der Journalisten von Hackern unterscheidet. Dann dimmt er die Helligkeit seines Bildschirms herunter.

Kristian, der Norweger, sitzt draußen, seine Rakete blinkt rot. Dem Digital-Kommunikator geht allmählich der Strom aus - und Kristian ist es egal. Neben ihm sitzt eine junge Frau, von jetzt an wird analog weiter kommuniziert.

© SZ vom 13.08.2011/joku
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