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Automatischer Supermarkt:Aufgefüllt von Geisterhand

In einem Supermarkt in Weiden werden die Waren über ein ausgeklügeltes Transportsystem nachgefüllt. Gefährdet die neue Technik Arbeitsplätze?

Der Wettlauf mit der Zeit beginnt jeden Tag aufs Neue. Schon bevor ein Supermarkt seine Türen für Kunden öffnet, heißt es schlichten, stapeln, räumen, sortieren - schnell und effizient müssen Waren aus dem Lager in die Verkaufsregale geschafft werden, neue Preise müssen angebracht werden.

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Denn egal, an welchem Tag und zu welcher Uhrzeit die Kunden kommen: Sie wollen ihre Lieblingsprodukte im Regal vorfinden. Und Störungen werden ärgerlich registriert - zum Beispiel dann, wenn etwa Rollcontainer und Paletten, vollgepackt mit neuer Ware, die schmalen Gänge versperren. Oder Angestellte mit dem Nachfüllen der Regale beschäftigt sind, während sich an der einzigen besetzten Kasse eine lange Schlange bildet.

Verbesserte Prozesse in Filialen des Einzelhandels verspricht jetzt ein neues Logistiksystem der Firma Witron Logistik + Informatik GmbH, der Fördertechnik-Spezialist aus Parkstein (Oberpfalz), spricht sogar von einer "Weltneuheit". Entwickelt wurde ein automatisches Supermarktregal, das durch ein mechanisiertes System Regale selbständig befüllt und so permanent für Nachschub sorgt.

Funktionalität und Praxistauglichkeit, im Fachjargon Shelf Replenishment System (SRS) genannt, werden seit einigen Monaten im Edeka-Center Grünbauer im oberpfälzischen Weiden getestet. Zwei Jahre davor wurde das System in Zusammenarbeit mit Handelsexperten und Regalbauern bis zur Praxisreife entwickelt, berichtet Ulrich Schlosser, Vertriebsleiter und Prokurist bei Witron.

4200 Quadratmeter misst die Verkaufsfläche des Edeka-Centers. Etwa 40000 verschiedene Artikel hat der Supermarkt ständig im Warenangebot. "Davon werden etwa 13.000 im Abverkauf ständig bis regelmäßig nachgefragt", weiß Marktinhaber Klaus Grünbauer.

Shuttle füllt Regale auf

Drei Mal pro Woche erhält der Markt neue Ware, was für die Mitarbeiter jedes Mal sehr viel Arbeit bedeutet. Durchschnittlich eine Stunde pro Tag verbringt die Mehrzahl der 86 Arbeitskräfte in Weiden bisher damit, die angekommenen Waren zu transportieren und in die Verkaufsregale zu schichten.

Im Mittelpunkt des Pilotprojektes steht eine zehn Meter lange Regalwand des Supermarkts. Hier füllen nicht Mitarbeiter die Regale auf - es wird von einem Shuttle mit Waren bestückt, das in einem Verbindungsnetzwerk direkt unter der Decke des Verkaufsraums läuft und mit dem Nachschubbereich im Lager des Marktes verbunden ist.

Ein solches Shuttle könnte gleichzeitig auch mehrere Regale versorgen. Die für Kunden sichtbare Verkaufszeile selbst besteht aus klassischen Regalen, deren Böden allerdings mit einer speziellen Antriebstechnik ausgestattet sind.