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Assassin's Creed: Valhalla:Erkunden und morden vor gut recherchierter Kulisse

Assassins Creed: Valhalla

Diesmal wird im 9. Jahrhundert in England erkundet und gemeuchelt. Ganz so gut wie auf diesem Presse-Screenshot sieht das Spiel am Ende bei den meisten Nutzern vermutlich nicht aus.

(Foto: Ubisoft)

Ende des Jahres soll der nächste Teil der Assassinen-Reihe erscheinen. Bringt er tatsächlich etwas Neues?

Von Matthias Kreienbrink

Die Christen mögen die Heiden nicht, die Heiden verstehen die Christen nicht. So war es immer und so ist es auch in "Assassin's Creed: Valhalla". Religion ist aber nur eine von vielen Konfliktlinien im neuesten Teil der Action-Adventure-Reihe, der Ende des Jahres für Playstation 4, Xbox One und PC, aber auch für die neuen Konsolen Playstation 5 und Xbox Series X erscheinen soll. Als "neue Generation" mit angeblich schier grenzenlosen technischen Möglichkeiten wurde das Spiel angekündigt. Und wohin geht die Reise? Der erste Test zeigt: Es geht in bekannte Gefilde.

Zunächst geht es ans Ende des 9. Jahrhunderts in England. Die Wikinger-Expansion hat in dem im Test anspielbaren Teil des Spiels das Königreich Ostanglien erreicht. Die Spieler nehmen die Rolle von Eivor, wahlweise eine Frau oder ein Mann, ein, und schlagen sich als abtrünnige Schwedin oder abtrünniger Schwede auf Seiten der Engländer. Dort müssen sie sich in Schlachten beweisen.

Wo die Wikinger wüten

Dabei gibt es durchaus Neuerungen. So gilt es, in "Valhalla" erlittene Wunden mit allerlei Gewächs zu lindern, das in der Landschaft zu finden ist. Der Gesundheitsbalken füllte sich in den Vorgängerversionen nach einiger Zeit von selbst, jetzt ist das nicht mehr der Fall. So kommt es zu brenzligen Situationen, in denen es gilt, sich einer Schlacht zu entziehen, um heilende Pflanzen zu finden. Auch zwingt das Spiel so die Aufmerksamkeit noch stärker auf Details in der Umgebung und darauf, die Vegetation erkennen zu lernen.

Zum neuesten Teil der Bestseller-Serie gehören auch aufwendigere Scharmützel, in denen Burgen einzunehmen sind. Dabei überlässt das Spiel dem Spieler, wie dieser die Schlacht gewinnen will: Sich mit einem frontalen Angriff durch die feindlichen Wikinger schlachten, den Rammbock in die Hand nehmen, um die Tore aufzuschlagen. Oder sie gehen alldem aus dem Weg, finden ein Gerüst, das bis zum höchsten Turm reicht, klettern es empor und lassen sich danach auf den Kriegsherren fallen, um ihn dann im Zweikampf zu besiegen.

Spieler können zwei Waffen gleichzeitig tragen, was das Kampfverhalten verändert. Und sie können entscheiden, wie sie ihre Erfahrungspunkte investieren wollen: offensiver Krieger oder schleichender Assassine? Im fertigen Spiel sollen Spieler auch eine eigene Siedlung aufbauen können, die Möglichkeit war in der gespielten Demoversion nicht enthalten. Das sind lauter Varianten, die die sowieso schon gut laufenden Spielmechaniken von "Assassin's Creed"- das Schleichen, Kämpfen, Erkunden und Klettern - noch etwas komplexer machen. Dennoch ist "Assassin's Creed: Valhalla" eindeutig keine Revolution, sondern eher eine gemächliche Evolution.

Wie anders spielt sich das Mittelalter?

Die Spielreihe "Assassin's Creed" lebt seit dem ersten Teil, der bereits 2007 für Playstation 3 und Xbox 360 erschien, von ihren historischen Settings. Das Italien der Renaissance, London zur Zeit der Industriellen Revolution oder das antike Griechenland: Die Spieler konnten stets vor gut recherchierter Kulisse morden. 2017 erschien mit "Assassin's Creed: Origins" der bis dahin aufwendigste Teil, der im alten Ägypten spielt. So viel Akribie wurde in die historischen Details gesteckt, dass Ubisoft kurzerhand einen optionalen Modus einführte, der alle Herausforderungen aus dem Spiel nahm und es zu einem virtuellen Museum machte.

Doch so gut gemacht die Kulisse auch sein mag, das Spiel unterscheidet nicht groß, in welchem Jahrhundert die Spieler gerade unterwegs sind, in welchem Land, unter welchen Umständen - die Aufgaben sind grundsätzlich immer die gleichen. Wie man sie bewältigt, ist im antiken Griechenland nicht wirklich anders als im alten Ägypten. Die Spielmechaniken werden ergänzt, moduliert oder verbessert, doch sobald die Spieler den Controller in der Hand haben, wissen sie genau, was sie wie zu tun haben - auch wenn ihnen die zu erspielende Epoche gänzlich neu sein mag. Es ist das Problem so ziemlich jeder Spielereihe: Bewegt sie sich zu weit vom Gewohnten, könnten Spieler verprellt werden. Macht sie zu wenig neu, fehlt der Anreiz, erneut ein Spiel zu kaufen.

Ein Marker als Ziel

Das muss natürlich kein Makel sein. Für Spieler, die sich in dieser "Assassin's Creed"-Umgebung wohlfühlen, wird "Valhalla" ziemlich sicher ein erfüllendes Spielerlebnis bringen. Die Neuerungen, die Geschichte und vor allem das historische Setting werden ihnen genug Substanz bieten, um viele Stunden in dieser Welt zu verbringen: Türme und Berge erklimmen, um die Umgebung auszukundschaften - und dabei wie immer viele kleine Icons auf der Karte freizuschalten. Rohstoffe sammeln, um Waffen auszubessern. Historische Figuren kennenlernen und durch detailreich nachgebaute Dörfer streifen. All das ist nach wie vor grandios gemacht.

"Assassin's Creed: Valhalla" ist ein Spiel am Ende einer Konsolengeneration, am Anfang einer neuen. Es fasst zusammen, was die vergangenen sieben Jahre in Videospielen passiert ist, und behält dabei eine Tradition bei: keine Experimente. Da mögen sich nun Christen mit Heiden streiten oder Pharaonen mit ihren Untertanen, die Spieler folgen dem Marker auf der Karte, der das nächste Ziel anzeigt. Das macht Spaß, da steckt viel Arbeit drin.

Drei Stunden war es uns möglich, "Assassin's Creed: Valhalla" anzuspielen. Über das Internet konnten wir eine Version des Spiels ausprobieren, die auf einem PC von Ubisoft lief, dessen Spezifikationen nicht genannt wurden. Durch Cloudgaming war es möglich, das Spiel selbst zu steuern.

© SZ/mxm, mri
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