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Armut in Computerspielen:Die Narrative der Power-Kapitalisten dominieren

In der Konsequenz bekommen wirklich arme Gamedesigner selten die Gelegenheit, ihr prekäres Dasein in Computerspielen zu verarbeiten und auch wirksam zu vermarkten. Jonas Kyratzes gelang mit "The Sea Will Claim Everything" ein beachtlicher Kritikererfolg, auf Greenlight fand das Adventure um die wirtschaftliche Ausbeutung einer liebevoll gestalteten Fantasiewelt aber wenig Interesse. "Being poor is relying on people who don't give a damn about you", schrieb Scalzi.

Dabei lohnt sich ein Blick auf "The Sea Will Claim Everything", das die Eurokrise und die griechische Herkunft des Entwicklers als politisches Märchen aufarbeitet. Trotz Zahnschmerzen und kranker Katze arbeitet der Entwickler bereits an neuen Projekten - allen voran "Ithaka of the Clouds", ein neues Adventure aus dem Land of Dreams. Diesmal hoffentlich mit größerem finanziellen Erfolg.

Zu wenige Computerspiele machen auf die Schwierigkeiten prekärer Lebenswelten aufmerksam und ohne ein grundsätzliches Verständnis für relative Armut finden marginalisierte Stimmen kaum Gehör. Stattdessen dominieren Narrative den Diskurs, in denen sich Power-Kapitalisten die Karriereleiter hoch kämpfen oder die strahlenden Helden den Opferlämmern Almosen zustecken können. In einem Medium, das sich über Optimierungsprozesse und Ressourcenüberfluss definiert, ist der Reiz der Identifikation mit Mangel und Notwendigkeit schwer zu vermitteln.

Vorerst gilt es wohl weiterhin, die tief in die Kulturgeschichte des Mediums verwurzelte kapitalistische Ideologie zu tolerieren. Vielleicht muss man dankbar dafür sein, dass es überhaupt ein paar Computerspiele gibt, die sich nicht um den Highscore scheren und das Leben mit dem Lowscore ernsthaft thematisieren. Aber mit Dankbarkeit ist das auch so eine Sache. "Being poor is getting tired of people wanting you to be grateful", schrieb Scalzi.