Armut in Computerspielen Regelbruch ist Konsequenz von Armut

Sehr ähnlich läuft es im Bürokratie-Simulator "Papers, Please", nur hat die Armut hier nicht nur individuelle Konsequenzen. Prekär leben heißt nicht allein, schlecht für sich selbst sorgen zu können, sondern eben auch, schwer auf die Nöte und Bedürfnisse von anderen Menschen eingehen zu können. Schlimm, wenn man politischen Flüchtlingen die Einreise verweigern muss, aber ein Regelbruch aus humanitären Beweggründen könnte bedeuten, dass nicht mehr genug Geld für die Versorgung der eigenen Familie da ist.

Auf die Spitze getrieben wird der pragmatische Egoismus in Computerspielen wie "Fallout" oder "DayZ". Wo auch immer die Ressourcen knapp oder ungleich verteilt sind, ist Mitmenschlichkeit ein Luxus. Der Regelbruch, sei er sozial oder juristisch, ist keine Ursache von Armut, sondern ihre langfristige Konsequenz. So wird um den rettenden Wasserchip für Vault 13 immer gnadenloser gerungen und für Dosenbohnen in der Zombie-Apokalypse gemordet.

Freiwillig geschieht das selten, eher aus blanker Notwendigkeit. Wo das gesamte System gegen das eigene Überleben arbeitet, ist jedes Mittel recht, um sich ein letztes bisschen Selbstwirksamkeit zu erhalten. Den schlechten Ruf nimmt man in Kauf, selbst wenn der Heimatbunker die Rückkehr verweigert oder man als Player Killer geächtet wird. In der Realität mag es manchmal nur um Schwarzarbeit zur gehen, aber wenn die Bild man wieder über Sozialschmarotzer "berichtet", ist die Scham ungleich größer. "Being poor is knowing you're being judged", schrieb Scalzi.

Kluft zwischen den Klassen ist spürbar

Zum Glück gehen sich die meisten Spieleentwickler nicht gegenseitig an den Hals. Dennoch ist auch in der Gaming-Kultur eine Kluft zwischen den Klassen spürbar. Trotz der allgemeinen Demokratisierung der Produktionsmittel, muss man sich die Spielentwicklung, die entsprechende Hard- und Software sowie die Ausbildung an meist privaten Game-Design-Akademien erstmal leisten können. Wie niedrigschwellig finanzielle Ausschlussmechanismen sein können, hat die Debatte um Valves nur in der Anfangszeit kostenlosen Greenlight-Service deutlich gezeigt.

Wer eine Chance auf den Vetrieb über Steam haben möchte, muss mittlerweile 100 Dollar als Anmeldebeitrag übrig haben. Viele prekäre Entwickler können sich das nicht leisten und haben ihrer Frustration öffentlich Luft gemacht. Als Reaktion kam von vielen Spielern und Kollegen jedoch lediglich der offen klassistische Ratschlag, sie sollen sich doch einfach mal einen "richtigen" Job suchen.