Armut in Computerspielen "SPENT" bricht den prekären Alltag herunter

In dem Spiel wird deutlich, dass prekäre Verhältnisse die Handlungsoptionen extrem einschränken, psychischen Druck und gesundheitliche Probleme nach sich ziehen, aber die Auflösung ist dann ebenso simplifizierend wie zynisch: Kommt man aus armen Verhältnissen, fängt man am besten so früh wie möglich eine Berufsausbildung an - und alles wird gut.

Den Entwicklern von "Poverty Is Not a Game" hätte man am liebsten ein bisschen mehr Armut gewünscht. So wurden viele öffentliche Gelder in eine hässliche Open City investiert, die Armut vor allem als fade Odyssee vom einen Ende der Stadt in das andere (und wieder zurück) inszeniert. Da das Geld in der linearen Handlung nie wirklich knapp wird, sorgt zumindest der kostenpflichtige Stadtbus für Linderung.

Wie man mit weniger Aufwand mehr aussagen kann, zeigt "SPENT", das Serious Game der Urban Ministries of Durham, einer Non-Profit-Organisation aus North Carolina, die Obdachlose mit Lebensmitteln, Unterkünften und langfristigen Perspektiven versorgt. Das Browsergame bricht den prekären Alltag auf eine Reihe von Entscheidungen herunter, die irgendwie das Überleben für einen Monat sicherstellen müssen. Alleinerziehend und mit knapp 8 Dollar Arbeitslohn die Stunde ist das eine nahezu unlösbare Aufgabe. "Being poor is thinking $8 an hour is a really good deal", schrieb Scalzi.

Ressourcen sind knapp - und nur schwer zu steigern

So muss in diesm Spiel etwa für günstigen Wohnraum ein längerer Fahrtweg zur Arbeit in Kauf genommen werden. Das geht allerdings auch nur so lange gut, bis das Schrottauto wieder schlapp macht. Gespart wird derweil an "Luxusartikeln", an Nahrungsmitteln, an der Nachhilfe für das Kind und an der optionalen Krankenversicherung. Der wiederkehrende Schmerz in der Brust wird ignoriert.

"SPENT" verdeutlicht mit seiner eleganten Spielmechanik eindringlich, welches Genre am meisten strukturelle Ähnlichkeit mit prekären Lebenswelten besitzt: Survival Horror. Die Ressourcen sind knapp und auch nicht ohne weiteres Risiko zu steigern. Gerade in der Indie-Szene wird dieses Konzept immer wieder aufgegriffen, um prekäre Situationen spielerisch zu verdeutlichen.

"Cart Life" macht das Leben als Standbesitzer zu einem Albtraum aus Routine, Überstunden und bürokratischen Fallstricken. Sicherheiten wie ein Familienvermögen oder verkäuflichen Besitz gibt es nicht. Einmal nicht aufgepasst, das Rückgeld falsch herausgegeben oder die Verkaufslizenz nicht verlängert und der Einwanderer Andrus ernährt sich wochenlang nur noch von Hotdog-Brötchen - ohne teure Würstchen, versteht sich. "Being poor is knowing exactly how much everything costs", schrieb Scalzi.