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Apps wie Tinder, Shopkick, Paypal:Schnelle Hilfe, schnelle Liebe

Es gibt Apps für fast alles - für Gesundheit, Reisen, Einkauf oder Finanzen. Selbst für die Suche nach dem richtigen Menschen.

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Tinder

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Quelle: Lisa Bucher

Romantik ist seit jeher ein dehnbarer Begriff. Manche finden Champagner, Kerzen und Rosenblätter nur angemessen, wenn es um die Anbahnung von Zweisamkeit geht, während andere finden, dass vier Tequila nachts in einer düsteren Spelunke, sowie ein im richtigen Tonfall vorgetragenes "Und?" völlig ausreichend sind. In Wahrheit ist beides unnötig geworden, seit es Tinder gibt. Tinder ist eine App, die Nutzer mit ihrem Facebook-Profil verbinden können. Wer dann auf der Suche nach zwischenmenschlichem Kontakt ist, bekommt die Facebook-Fotos von allen möglichen Kandidaten angezeigt, die gerade in der Nähe und ebenfalls willig sind. Die Fotos lassen sich dann mit einer Wischbewegung nach rechts und links sortieren in die Kategorien, sinngemäß, "soll mir vom Leib bleiben" und "darf mitkommen". Sind beide interessiert, werden die genauen Standorte ausgetauscht und es kann gleich losgehen. Ganz ohne unnötiges Gelabere.

Angelika Slavik

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Defi Now

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Quelle: Lisa Bucher

Das kranke Herz bleibt Todesursache Nummer eins in Deutschland, auch weil die Menschen immer älter werden. Was tun, wenn ein Passant auf der Straße zusammenbricht? Schnelle Wiederbelebung tut not, aber einen Kurs zur Ersten Hilfe haben viele schon lange nicht mehr gemacht. Die kostenlose App Defi Now, entwickelt vom Wirtschaftsinformatiker Felix Hampe, erklärt, wie man am besten reagiert. Erst mal einen Notruf absetzen, die Software zeigt den Ort des Herzpatienten GPS-genau an. Dann eine Herzmassage, bis der Notarzt kommt. Mit einem Defibrillator, genannt AED, kann auch der Laie helfen. Erst einmal muss er wissen, wo sich so ein Gerät überhaupt befindet. Die App zeigt die Standorte der Defibrillatoren in seiner Umgebung. Freiwillige haben bisher die Standorte von mehr als 4400 Geräten in Deutschland gemeldet. In München hängen sie zum Beispiel an vielen U-Bahnhöfen, also an Orten, wo täglich viele Menschen unterwegs sind.

Helga Einecke

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Ask Me Anything von Reddit

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Quelle: Lisa Bucher

Mit Apps ist es wie mit Zeitungen. Sie unterhalten exakt so gut, wie es die Inhalte tun, die innen drin zu finden sind. Weit vorne spielt in dieser Hinsicht die App Ask Me Anything von Reddit mit. Reddit ist eine große Internetseite, auf der sich Menschen unterhalten. Die Reddit-Gemeinschaft funktioniert oft wie eine globale Party voll interessanter Menschen, die aus ihrem Leben erzählen und anderen zuhören. Dafür gibt es die Serie auf der Webseite: Ask me Anything - Frag mich irgendwas. "Ich bin Physiker in Harvard. Fragt mich irgendwas." "Ich bin ein Schüler im Rollstuhl. Fragt mich irgendwas." "Ich kämpfe in Syrien. Fragt mich irgendwas." "Ich bin Noel Gallagher. Fragt mich irgendwas." (Noel Gallagher ist einer der größten lebenden britischen Rockstars.) Es sind präzise Einblicke in die Lage der kleinsten wirtschaftlichen Einheit der Welt, in die des Menschen also, ganz egal ob reich und berühmt oder arm und unbekannt. Als Leser staunt man, lernt man, und irgendwann mischt man sich unter die Fragenden. Die App bringt dieses Format solide aufs Handy. Sie ist mal interessant, mal witzig, oft überraschend, nie langweilig. Eben je nachdem, wer gerade Fragen beantwortet.

Johannes Boie

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Shopkick und Barcoo

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Quelle: SZ

Einkauf mit dem Smartphone in der Hand - so stellen sich die Entwickler von Shopping-Apps die Zukunft vor. Selbstverständlich ist das noch nicht, aber die Versuchung wird immer größer. Bei Einkaufs-Apps wie Shopkick fliegen denjenigen, die ihre App geöffnet haben, schon beim Betreten des Ladens Bonuspunkte und Sonderangebote zu. Das allerdings bezahlen die Kunden mit der Freigabe ihrer Daten. Shopkick oder Barcoo wissen genau, in welchem Geschäft der Kunde war, wie lange und welche Produkte ihn besonders interessieren. Mit dem Schlendern von Regal zu Regal und dem Schielen nach Plakaten mit Sonderangeboten hat das nichts mehr zu tun. Nicht nur den Handel revolutionieren diese Apps, auch ganz andere Branchen sind betroffen: Per Kaufda, Mein Prospekt oder Marktjagd etwa lassen sich alle Broschüren mit Sonderangeboten der näheren Umgebung digital durchblättern. Prospektbeilagen für Zeitungen braucht es dann nicht mehr.

Kirsten Bialdiga

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Paypal oder Venmo

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Quelle: Lisa Bucher

Seinen Freunden Geld leihen, wenn der nächste Bankomat weit weg ist? Schnell ein paar Fondsanteile kaufen oder gleich alle Bankgeschäfte und Überweisungen verwalten? Dafür muss man längst nicht mehr in die Bankfiliale gehen - und noch nicht einmal am heimischen Rechner sitzen. Wer sich ein wenig mit den Möglichkeiten von Smartphones in Finanzdingen auseinandersetzt, findet inzwischen Apps aller Banken, die in den vergangenen Jahren immer besser geworden sind. Anbieter wie Paypal oder Venmo vereinfachen den Geldtransfer untereinander; in Frankreich hat der Kurznachrichtendienst Twitter im vergangenen Jahr eine Kooperation mit einer Bankengruppe angekündigt. Künftig sollen im Nachbarland Überweisungen per Tweet möglich sein. Der Fortschritt bei den Finanz-Apps ist in vollem Gange - und eines ist gewiss:Dabei sind nicht die Banken die wichtigsten Innovationstreiber.

Jan Willmroth

© SZ vom 13.05.2015/mri

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