Apple WWDC Das hat Apple auf der Entwicklerkonferenz vorgestellt

  • Auf der Entwicklerkonferenz WWDC kündigt Apple den HomePod an.
  • Der smarte Lautsprecher soll besonders gut klingen, Ende des Jahres verfügbar sein und 349 Dollar kosten.
  • Außerdem präsentiert Tim Cook neue Versionen von iOS und macOS sowie ein neues iPad Pro und einen neuen iMac Pro.
Von Simon Hurtz

Traditionell ist die Entwicklerkonferenz WWDC vor allem für Entwickler und hartgesottene Apple-Fans spannend - die meisten Nutzer interessieren sich eher für Hardware als für die neuen iOS- und MacOS-Versionen, die Apple dort immer vorstellt. Die üblichen Software-Updates gab es auf der Konferenz in diesem Jahr in San Jose zwar ebenfalls, doch Tim Cook hatte noch mehr dabei: das erste echte "one more thing" seit Jahren, ein komplett neues Apple-Produkt. Die wichtigsten Ankündigungen im Überblick:

HomePod

Der HomePod ist ein Multiroom- Lautsprecher für zu Hause. Apple Manager Phil Schiller, der ihn auf der Bühne vorstellte, zog den Vergleich zu etablierten Firmen: Sonos-Boxen lieferten zwar guten Klang, seien aber nicht smart. Amazons Echo biete mit Alexa eine smarte Assistentin, klinge aber eher durchschnittlich. Apples HomePod soll beides können.

Verbaut ist ein A8-Chip, der auch im iPhone 6 steckt. Der HomePod ist also weniger ein Lautsprecher, sondern vielmehr ein richtiger Mini-Computer. Nutzer steuern ihn per Spracheingabe und können mit Siri sprechen. Sie soll Befehle automatisch erkennen und auch Fragen beantworten, die von den Standardkommandos abweichen. Ähnlich wie die Lautsprecher von Google und Amazon spielt der HomePod nicht nur Musik, sondern gibt auch Auskunft über Nachrichten, Wetter oder Verkehr und kann SMS oder Nachrichten verschicken.

Apple verspricht hochwertige Audioqualität. Der HomePod erkennt die Ausmaße des Raums, in dem er steht, und passt die Wiedergabe entsprechend an. Das soll besonders satten, räumlichen Klang ermöglichen. Bis man das Gerät mit "Hey Siri" aufweckt, sollen keine Daten in die Cloud geschickt werden. Auch danach sendet der HomePod Apple zufolge nur verschlüsselte und anonymisierte Informationen.

In Amerika, Großbritannien und Australien ist der Lautsprecher ab Dezember für 349 Dollar erhältlich, deutsche Nutzer müssen sich bis nächstes Jahr gedulden. Zum Vergleich: Der Amazon Echo ist bereits für 179 Euro erhältlich, Googles smarten Lautsprecher namens "Home" soll es ab Sommer in Deutschland zu kaufen geben. In den USA kostet das Gerät 129 Dollar.

iPad Pro 10,5 Zoll

Der Erfolg von Apple steht und fällt mit einem Produkt: dem iPhone. Von dem war auf der WWDC aber überhaupt nicht die Rede, stattdessen erhielt sein großer Bruder, das iPad, jede Menge Aufmerksamkeit. Das iPad Pro wird überarbeitet und kommt in einer neuen Größe, mit einem 10,5-Zoll-Display.

Das Display soll 50 Prozent heller sein, außerdem wurde die Bildwiederholfrequenz von 60 auf 120 Hertz verdoppelt. Das dürfte insbesondere Spieler freuen. Außerdem reagiert es schneller und genauer auf Stifteingaben.

Dank neuer A10X-Chips steigt die CPU-Leistung um 30, die Grafik-Performance um 40 Prozent. Apple hat die Kamera verbessert, bietet Fast-Charging-Ladeadapter an und verkauft neue Smart-Cover. Das Einstiegsmodell umfasst jetzt 64 statt 32 Gigabyte Speicher, die 10,5-Zoll-Version kostet 729 Euro. Der Preis für die teuerste Variante mit 512 Gigabyte, 12,9 Zoll und LTE-Modul beträgt 1379 Euro.

iOS 11

Der Seitenhieb durfte nicht fehlen: 86 Prozent der Apple-Kunden verwenden das derzeit aktuelle iOS 10, dagegen haben nur weniger als zehn Prozent Prozent der Android-Nutzer die neue "Nougat"-Version installiert. Damit hat Tim Cook recht: Die Fragmentierung ist und bleibt das größte Problem für Android, das mit Abstand verbreitetste mobile Betriebssystem.

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Davon abgesehen kündigte der Apple-Chef aber nur wenig an, wovor Google Angst haben müsste. iMessage-Nachrichten werden künftig in der Cloud gespeichert und geräteübergreifend synchronisiert, bleiben aber nach wie vor Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Apple Pay erhält mehr Funktionen, unter anderem kann man Freunden jetzt direkt Geld schicken (voraussichtlich aber nicht in Deutschland). Siris männliche und weibliche Stimmausgabe sollen natürlicher klingen und können nun direkt in fremde Sprachen übersetzen (vorerst nur von Englisch aus, weitere Sprachen sollen folgen).

Besonders für das iPad wird iOS 11 interessante Neuerungen bringen. Nutzer können dann per Drag and Drop Dateien oder Links zwischen Anwendungen hin und herschieben. Sie erhalten erstmals einen richtigen Dateimanager, der auch Cloud-Speicher wie Dropbox unterstützt. Die Notizen-App wird zum mächtigen Dokumente-Scanner, die eingescannten Unterlagen lassen sich direkt mit dem Apple-Pencil bearbeiten.

Apple hat je einen neuen Video- und Bild-Codec entwickelt (HEVC bzw. HEIF), die bessere Qualität bei geringerer Größe bieten sollen als die etablierten H.264 und JPEG. Die Foto-App bekommt einige neue Funktionen und identifiziert etwa Personen automatisch - Google Fotos kann das aber schon lange. Das Control-Center wurde optisch überarbeitet, Lock Screen und Notification Center zusammengeführt. Auch der App-Store erhält zum ersten Mal seit neun Jahren ein vollständiges Redesign.

Mit iOS 11 unterstützen iPhones und iPads Augmented Reality, Apples mobile Geräte werden damit zur "größten AR-Plattform der Welt", wie Tim Cook mehrfach betonte. Es dürfte aber noch dauern, bis Entwickler die Möglichkeiten dieser Technologie wirklich ausreizen. Der Beta-Test soll bald starten, die offizielle Version kommt im Herbst.

macOS

Die wichtigste Änderung findet unter der Haube statt: Apple wechselt auf das APFS-Dateisystem, das bislang nur für iPhones und iPads eingesetzt wurde. Damit werden Kopier- und Schreibvorgänge auch auf Macbooks und iMacs schneller als mit dem Vorgänger HFS Plus.

Apples Safari-Browser soll automatisch startende Videos künftig stoppen und invasive Tracker blockieren, um die Privatsphäre der Nutzer zu schützen. Genau wie unter iOS integriert Apple Machine Learning in seine Foto-App, um Objekte und Gesichter automatisch zu identifizieren. Außerdem gibt es neue Bearbeitungsfunktionen innerhalb der App, die mit Drittprogrammen wie Photoshop synchronisiert werden.

Mit dem neuen "macOS High Sierra" setzt Apple auf Virtual Reality und Augmented Reality. Auf der Bühne wurde mit einem iMac und der VR-Brille HTC-Vive eine Star-Wars-Demo präsentiert, die das Potenzial der potenten Apple-Hardware deutlich machte. Die endgültige Version von High Sierra soll im Herbst verfügbar sein.

iMac Pro

Die gute Nachricht: Apple hat seine Profi-Nutzer nicht vergessen. Die schlechte Nachricht: Einen echten Mac Pro wird es wohl nicht mehr geben. An seine Stelle dürfte der iMac Pro treten, den Apple zumindest in einer kurzen Vorschau zeigte.

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Optisch ähnelt er dem 27-Zoll-iMac, im Inneren steckt die Hardware einer professionellen Workstation. Der iMac Pro sei nicht nur der schnellste iMac, sondern der "schnellste Mac, den wir jemals produziert haben", sagte Tim Cook. Für einen Einstiegspreis von 5000 Dollar soll er ab Dezember erhältlich sein.

Computer- und Software Updates

iMacs erhalten hellere Displays mit 10-Bit-Farbtiefe, außerdem Kaby-Lake-Prozessoren, doppelte RAM-Kapazität, schnellere SSDs und zwei Thunderbolt-3-Anschlüsse. Auch Macbooks werden ab sofort mit Intels neuer Prozessorgeneration ausgestattet.

Die neue Version 4 von watchOS, das Betriebssystems der Apple Watch, bringt nur kleinere Änderungen. Ein neues Siri-Watchface soll dank AI-Unterstützung automatisiert hilfreiche Informationen anzeigen und dabei etwa Uhrzeit und Aufenthaltsort einbeziehen. Das erinnert an den Google Assistant auf dem Smartphone. Außerdem stattet Apple die Workout-App und die Aktivitäten-App mit neuen Funktionen aus. Nutzer können Workouts besser kombinieren und während des Fitness-Programms wechseln.

Fazit

Tim Cook kündigte gleich zu Beginn die "beste und größte WWDC, die es jemals gegeben hat" an. Mit etwa zweieinhalb Stunden war sie zumindest eine der längsten. Apple hat ungewöhnlich viele Neuerungen vorgestellt. Am interessantesten ist der HomePod, ein völlig neues Apple-Produkt.

Ob er aber tatsächlich den "Musikgenuss zuhause revolutionieren" kann, wie Apple-Manager Phil Schiller es ankündigte, bleibt noch länger unklar. Erstens erscheint der Lautsprecher erst Ende des Jahres (in Deutschland noch später), zweitens gibt es mit Sonos (für Musikliebhaber) und Echo oder Home schon etablierte Konkurrenz. Mit 179 Euro (Echo) bzw. 129 Dollar (Google, Deutschlandstart im Sommer) sind die smarten Boxen der Konkurrenz zudem deutlich günstiger als die Lautsprecher von Apple.

Vor elf Jahren stellte Apple ein portables Lautsprechersystem für den iPod vor, der den Mp3-Player in eine vollwertige Stereoanlage verwandeln sollte. Heute erinnert sich niemand mehr an den "iPod Hi-Fi". Apple muss erst noch beweisen, dass es stationäre Audio-Systeme kann.

Der heimliche Star der Keynote war das iPad. In Kombination mit den neuen Funktionen von iOS 11 könnte sich das Gerät zu einem brauchbaren mobilen Rechner entwickeln, der für manche Nutzer den Laptop überflüssig macht. Microsoft hat mit dem Surface gezeigt, dass Tablets durchaus eine Zukunft haben.

Was Microsoft Apple auf jeden Fall voraus hat: Diversität. Bei der Apple-Keynote sprachen neun Männer, aber nur zwei Frauen, beide jeweils nur wenige Minuten. Das machen Microsoft und Google deutlich besser.

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