Apple:iPhone SE: 4 Zoll sind wieder Spitzenklasse

Seit Jahren werden Smartphones immer größer. Jetzt wettet Apple gegen den Trend.

Von Helmut Martin-Jung

Auf die Größe kommt es an. Guckt man sich die Entwicklung von Smartphones an, scheint eines festzustehen: Ihre Bildschirme werden tendenziell immer ausladender. Ein Wunder ist das nicht, sind doch die Geräte längst mehr internetfähige Computer als Telefone. Das erste iPhone hatte einen Bildschirm mit 89 Millimeter Diagonale, der 480 mal 320 Bildpunkte anzeigte. Das größte derzeit lieferbare iPhone, das 6s plus, hat einen Bildschirm mit 14 Zentimeter Diagonale und 1920 mal 1080 Bildpunkten - und es ist längst nicht das größte Smartphone.

Nicht nur deshalb ist es etwas Besonderes, wenn Apple nun ein Smartphone herausbringt, das es so seit Längerem nicht gegeben hat: Ein Handy, das relativ klein ist, Bildschirmdiagonale zehn Zentimeter, aber nahezu alles an Technik enthält, das in den größeren Flaggschiff-Modellen steckt. Das iPhone SE sieht äußerlich aus wie die Modellreihe 5, das Innenleben aber ist auf dem neuesten Stand.

Das iPhone 5C war ein Flop - und Apple hat gelernt

Damit hebt sich Apple von der Masse der anderen Hersteller ab, die ihre kleineren Smartphones zwar manchmal so ähnlich nennen wie ihre Flaggschiffe, sie aber bloß mit Mittelklassetechnik ausstatten. Dass Apple diesen Fehler nun vermeidet, ist die Lektion, die der Konzern aus dem mäßigen Erfolg des iPhones 5C gelernt hat. Das Handy mit Plastikrückseite war gegenüber dem damaligen Spitzengerät, dem 5s, zu sehr abgespeckt, dafür aber dann noch ziemlich teuer.

Das iPhone SE dagegen ist für das, was es bietet, nach Apple-Maßstäben gemessen relativ günstig. Es soll, das gesteht man bei Apple ein, nicht nur solche Kunden (zurück-) gewinnen, die gerne ein kleineres Handy hätten, das trotzdem fix reagiert und zum Beispiel eine gute Kamera mitbringt. Es soll auch als Einstiegsgerät ins Apple-Universum dienen. Diese Funktion erfüllten früher die iPod-Musikspieler, doch die verkaufen sich schon länger nicht mehr so wie in ihren besten Zeiten, wurden ebenso verdrängt von Smartphones wie etwa kompakte Digitalkameras.

Die Entscheidung muss man auch vor dem Hintergrund sehen, dass sich die Märkte in vielen bisherigen Apple-Hochburgen der Sättigung nähern. Was die neuen Handys im Vergleich zu den Vorgänger-Modellen können, rechtfertigt kaum noch, dass man alle ein, zwei Jahre ein neues Gerät haben muss. Fürs erste Quartal erwartet Apple erstmals einen Rückgang der iPhone-Verkaufszahlen.

Das iPhone SE kann eine Marktlücke füllen

Ein Gerät wie das SE, das zwar aller Voraussicht nach kein Superrenner wird, aber durchaus eine Marktlücke füllen kann, kommt da gerade recht, zumal Apple vermutlich erst im Herbst sein neues Flaggschiff präsentieren wird. Von dem erwarten die Kunden allerdings Neuerungen, die es deutlich von der Konkurrenz absetzen.

Das SE ist kein Handy, mit dem der Besitzer Aufsehen erregt, steckt es doch im Gewand der Vorvorgänger-Serie 5. Kompromisse muss man - abgesehen natürlich von der Bildschirmgröße - kaum machen. Die Kamera, für viele ein sehr wichtiges Entscheidungskriterium, ist genauso exzellent wie die im iPhone 6s, nimmt ebenfalls Videos in superscharfer 4-K-Auflösung oder in Zeitlupe auf und reagiert schnell auf Eingaben. Auch der Prozessor stammt aus dem großen Modell. Ein Fingerabdrucksensor der Bauart wie in den iPhones 5s und 6, der das Gerät bequem entsperrt, ist ebenso an Bord. Das Handy kostet mit 16 Gigabyte Speicher 489 Euro, mit 64 Gigabyte werden allerdings 589 Euro fällig.

© SZ vom 31.03.2016/sih
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB