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Apple iPhone 7:Mit Apples Kopfhörerbuchse stirbt ein Stück analoger Anarchie

Apple Holds Press Event To Introduce New iPhone

Wer seinen alten Kopfhörer an das neue iPhone anschließen will, benötigt einen Adapter

(Foto: AFP)

Kampf dem Kabel: Beim iPhone 7 fehlt der Klinkenanschluss, Millionen Nutzer brauchen Adapter oder neue Kopfhörer. Dabei geht es Apple gar nicht um die Klangqualität.

iMac, iPod, iPhone, iPad: Apples Produkte haben Standards gesetzt. Ohne das iPhone würden Milliarden Menschen womöglich noch heute Smartphones mit Hardware-Tastaturen bedienen, Nokia und Blackberry wären die wichtigsten Hersteller, das Internet würde sich noch an Desktop-Rechnern orientieren und sähe völlig anders aus.

Apple hat aber nicht nur neue Produkte erschaffen, sondern auch alte Technologien beerdigt: Der iMac ersetzte Ende der Neunziger Diskettenlaufwerke durch CD-Laufwerke, die zehn Jahre später beim Macbook Air ersatzlos gestrichen wurden. 2012 stießt das Unternehmen Millionen iPhone-Nutzer vor den Kopf, als der 30-Pin-Connector wegfiel: Die fünfte Generation des Smartphones etablierte den Lightning-Anschluss, der nötige Adapter kostet 35 Euro.

Jedes Mal war das Klagen laut, und so ist es auch nach der jüngsten Keynote. Den meisten Gesprächsbedarf lösen nicht die neuen Funktionen der vorgestellten Produkte aus, sondern ein Feature, das wegfällt. Das iPhone 7 ähnelt optisch seinem Vorgänger, doch ein entscheidendes Detail fehlt: die analoge Kopfhörerbuchse. Bislang galt: So reflexhaft die Empörung aufkam, so schnell verstummte sie auch wieder. Ein paar Blackberry-Nostalgiker trauern ihren Tastaturen hinterher, doch dass sich Disketten nur noch im Technikmuseum bewundern lassen, dürfte die meisten Menschen eher freuen.

Ein Rest analoger Anarchie

Diesmal ist die Ausgangssituation eine andere. Die 3,5-Millimeter-Klinke ist seit einem halben Jahrhundert der Standard, um Ton analog zu übertragen. Verstärker, Lautsprecher, Kopfhörer, Laptops und Smartphones: Sie alle besitzen entsprechende Ein- oder Ausgänge. Und im Gegensatz zur Diskette steckt dahinter keine hoffnungslos veraltete Technik, auch Audiophile verbinden ihre teure Hardware mit Klinkenkabeln. Wenn Steve Jobs neue Produkte präsentierte, ließ er gerne einen Satz folgen: "It just works." Das ließe sich auch über die analoge Kopfhörerbuchse sagen: Sie funktioniert einfach.

Die Klinke ist ein Rest analoger Anarchie in einer digitalen, zunehmend reglementierten Welt. Der 3,5-Millimeter-Stecker verbindet viele Milliarden Geräte miteinander, und die Hersteller haben keinerlei Einfluss darauf. Jeder Kopfhörer passt zu jedem Smartphone, egal ob Android oder iOS. Apples Abschied von der Klinkenbuchse könnte die iPhone-Welt zu einem noch dichter abgeschotteten System machen als sie es heute schon ist.

Tim Cook beharrt darauf, es besser zu wissen als die Nutzer

Wer einen Kopfhörer kauft, würde sich damit künftig an sein Smartphone binden: Lightning-Ports gibt es nur bei Apple (die Hersteller der Kopfhörer müssen übrigens Lizenzgebühren zahlen, wenn sie den Anschluss nutzen wollen), Android-Smartphones setzen dagegen auf USB-C. Motorola (beim Moto Z) und einige chinesische Firmen verzichten schon heute auf die Kopfhörerbuchse, kürzlich erklärte Intel den USB-C-Anschluss zur Zukunft: "Wir haben ein einziges Kabel, das so ziemlich alles kann, was du willst." Es sei denn natürlich, man besitzt ein iPhone.

Als Anfang des Jahres die ersten Gerüchte auftauchten, dass der Anschluss beim neuen iPhone fehlen könnte, unterschrieben 300 000 Menschen eine Petition, die Apple davon abbringen sollte. Doch Steve Jobs sagte schon vor knapp 20 Jahren: "Oft wissen die Leute nicht, was sie wollen, bis du es ihnen zeigst." Auch sein Nachfolger Tim Cook beharrt nun darauf, es besser zu wissen als die Nutzer. Mit seiner Marktmacht kann es sich Apple leisten, seine Kunden zu bevormunden. Nur wenige werden deshalb zu einem Android-Smartphone greifen.