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Entwicklerkonferenz WWDC:Apple zerschlägt iTunes

Craig Federighi, Apple senior VP of Software Engineering, speaks during Apple's annual Worldwide Developers Conference in San Jose

Craig Federighi, Apple-Vorstand für Software-Entwicklung, auf der WWDC in San José.

(Foto: REUTERS)
  • Aus für iTunes: Die Software zur Multimedia-Verwaltung verschwindet nun auch auf dem Mac.
  • Die Dateien sind künftig über die Apps Music, Podcasts und TV abrufbar.
  • Apple hat auf seiner Entwicklerkonferenz zudem einen neuen High-End-Mac und die neuen Betriebssysteme iOS13, iPad OS und macOS Catalina vorgestellt.

Man hätte iTunes noch locker eine E-Mail-Funktion, einen Kalender oder einen Browser spendieren können, scherzte Apple-Manager Craig Federighi. Und verkündete dann das Ende des 18 Jahre alten Programms. "Die Zukunft von iTunes ist nicht eine einzige App, sondern drei", so die Botschaft auf der jährlichen World Wide Developer Conference (WWDC) im kalifornischen San José.

Die Funktionen der Multimedia-Verwaltungssoftware finden sich künftig in den Apple-Programmen Music, TV und Podcasts.

Die allgemeine Trauer dürfte sich in Grenzen halten. iTunes trieb in den vergangenen Jahren Nutzer mit seiner immer unübersichtlicheren Nutzeroberfläche und komplizierter Synchronisierung von Geräten zur Verzweiflung. Diese Synchronisierung wandert nun ins Betriebssystem und damit in den Hintergrund.

Auf Mobilgeräten war iTunes ohnehin nur noch in der Form des "Stores", also der Kaufoberfläche, vorhanden. Der "iTunes Store" wird auch auf dem Desktop nicht völlig verschwinden, sondern in die Seitenleiste von Apple Music wandern*. Die Käufe und Downloads lassen sich nun in den entsprechenden Spezial-Apps Music, TV und Podcasts aufrufen, die mit dem neuen Betriebssystem macOS Catalina erscheinen werden.

Damit geht eine Geschichte zu Ende, die am 9. Januar 2001 begann. Damals stellte der Apple-Gründer Steve Jobs iTunes als Plattform zur Musikspeicherung vor, die Nutzern erlaubte, ihre CDs zu digitalisieren. Zwei Jahre später erweiterte der Konzern iTunes nach Einigung mit den Musikkonzernen zum Download-Shop. Die Möglichkeit, einzelne Tracks zu kaufen, trug maßgeblich dazu bei, dass immer weniger Nutzer auf Filesharing-Dienste wie Napster zurückgriffen.

In den vergangenen Jahren allerdings löste Streaming den Einzelverkauf immer mehr ab. "Apple Music", das nun die Musikplayer-Funktionen vollständig übernimmt, existiert bereits seit 2015 als Flatrate-Angebot und Spotify-Konkurrent. Nicht wenige Nutzer dürften einzig das U2-Album "Songs of Innocence" in ihrer Musikbibliothek gehabt haben, das ihnen Apple 2014 als Marketing-Aktion kostenlos aufdrückte.

Als legendärer Fehlschlag endete auch der Versuch im Jahr 2010, iTunes mit einem sozialen Netzwerk für Musikliebhaber ("Ping") auszustatten, um Facebook und Twitter Konkurrenz zu machen.

iTunes verschwindet allerdings nicht völlig: Windows-Nutzer können das (von Apple dort ziemlich stiefmütterlich behandelte Programm) weiterhin zur Synchronisierung mit ihren Apple-Mobilgeräten nutzen. Die drei Medien-Apps, in die iTunes übergeht, existieren für Windows nicht.

Die weiteren Neuigkeiten der dreistündigen Keynote im Überblick.

Privatsphäre und Tracking

  • Eigener Login: Apple zieht mit Facebook und Google gleich, ermöglicht ein Login mit Apple-ID in Apps und im Web. Doch anders als bei den Konkurrenten können Nutzer entscheiden, ob sie ihre E-Mail-Adresse an die App weitergeben oder Apple eine Wegwerf-Adresse generiert. Der Konzern verpflichtet den Richtlinien zufolge Entwickler, Apple-ID-Logins anzubieten, sobald sie auch andere Drittanbieter-Logins wie Facebook zulassen.**
  • Tracking: Der GPS-Ortung kann in Apps zum Beispiel nur für ein einziges Mal zugestimmt werden, dazu alarmiert das iPhone künftig, wenn im Hintergrund Daten gesammelt werden.

iPhone und iPad

  • Dark Mode für iOS 13: Wie bereits der Mac erhalten auch Apples Mobilgeräte die Möglichkeit, auf Dunkelmodus umzustellen, den alle nativen Apple-Apps wie Messages und Maps unterstützen. Die Funktion gilt als durchaus beliebt, verschlechtert aber offenbar die kognitive Aufnahme von Informationen.
  • Fotos und Videos: Warum es so lange gedauert hat, ist unklar, aber Videos lassen sich künftig um 90 Grad drehen und mit Effekten bearbeiten.
  • iPad OS: Apples Tablet-Reihe erhält ein eigenes Betriebssystem (das allerdings nur eine modifizierte iOS-Version ist***). Dies ist vor allem der Tatsache geschuldet, dass professionelle Nutzer gerade die großformatigen iPads häufig wie einen Laptop verwenden. Zu neuen Funktionen gehört zum Beispiele eine Splitscreen-Ansicht, sowie detailliertere Ordner-Verwaltung und Gesten-Steuerung. Das Tablet lässt künftig auch USB-Sticks zu.
  • Karten: Um mit den Konkurrenzprodukten von Google mitzuhalten, verspricht Apple ein Update, das auf völliger Neuvermessung basiert und detailgerechter sein soll. Dazu erhält die Software einen Street-View-Klon. Ob auch die Deutschlandkarte aktualisiert wird (und Apple-Autos Aufnahmen machen werden), ist noch unklar. In diesem Jahr erhalten nur die USA die neue Version.
  • AirPods: Siri kann eingehende Nachrichten über die kabellosen Kopfhörer direkt vorlesen, die Antwort lässt sich diktieren. Zudem können Nutzer in iOS 13 gemeinsam Musik hören, ohne die Stöpsel miteinander teilen zu müssen.

Neuerungen bei MacOS Catalina

  • Die Funktion "Sidecar": Der "Beiwagen" ermöglicht es erstmals, ein iPad als zweites Display zu nutzen. Umgekehrt lässt sich der Screen des iPads auf dem Mac-Bildschirm wiedergeben.
  • iOS-Funktionen, die der Mac übernimmt: Die Bildschirmzeit-Analyse und einige Anti-Diebstahl-Funktionen. Macs mit dem T2-Chip können künftig nur noch mit Eingabe des Passworts vollständig gelöscht werden - schlecht für Diebe, die geklaute Computer weiterverkaufen wollen. Die Tracking-Funktion ("Find My") funktioniert nicht über GPS, sondern indirekt: Der Computer sendet selbst im Ruhezustand Bluetooth-Signale aus, die von jedem anderen Apple-Gerät in der Nähe aufgenommen werden können.
  • Umwandlung: Entwickler sollen iPad-Apps relativ problemlos in Mac-Apps umwandeln können. Dies ist ein Zeichen dafür, wie die Software-Basis für Tablet und Mac immer stärker verschmilzt.

Hardware und anderes

Apples neuer Mac Pro

(Foto: AFP)
  • Neuer MacPro: Nach sechs Jahren aktualisiert Apple seinen High-End-Computer. Das neue Desktop-Rechner-Modell kommt mit einem Xeon-Prozessor von Intel mit bis zu 28 Kernen, einem Arbeitsspeicher von bis zu 1,5 Terabyte, acht PCI-Schnittstellen und optional vier Grafikkarten mit 56 Teraflops. Es kostet allerdings in der Grundausstattung knapp 6000 Dollar. Das zugehörige Display (XDR) hat 32 Zoll, einen 6k-Retina-Monitor mit einer Auflösung von 6016 mal 3284 Pixeln und kostet gut 5000 Dollar. Deutsche Preise sind noch nicht bekannt.
  • TVOS 13: Die Fernseh-Plattform folgt dem Branchenstandard und bietet Multi-User-Oberflächen an. Xbox und Playstation unterstützen jetzt die Software.
  • Gesundheitsfunktionen: Die Health-App erhält neue Features, sie ermöglicht es nun unter anderem Frauen, ihren Menstruationszyklus einzutragen und zu verfolgen.
  • WatchOS 6: Die Smartwatch bekommt einen eigenen App-Store, Programme müssen keinen iPhone-Zwillinge mehr haben. Dazu spezialisiert sich die Nutzung weiter in Richtung Fitness und Gesundheit. Nutzer können ihre körperlichen Aktivitäten nun nicht nur monatlich, sondern über einen längeren Zeitraum vergleichen. Uhrenträger können den Geräuschpegel in der Umgebung messen und sich alarmieren lassen, wenn es zu laut ist.

*Korrektur 4. Juni: In einer ursprünglichen Version war der Ort des iTunes Store auf dem Desktop falsch angegeben.

**Korrektur, 4. Juni: Apple hat in den Developer-Informationen die Login-Regeln genauer definiert. Der Text hatte zuvor die Möglichkeit genannt, dass sich Entwickler der Implementierung entziehtn. Das ist nicht möglich, sobald sie Drittanbieter-Logins anbieten.

*** Hinweis am 4. Juni ergänzt, um den Zusammenhang zwischen iOS und iPad OS deutlicher zu machen.

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