Apple Homepod Viel Geld für viel Bass

Homepod heißt der interaktive Lautsprecher von Apple, mit dem das Unternehmen zur Konkurrenz aufschließen will.

(Foto: dpa-tmn)
  • Apple hat den interaktiven Lautsprecher Homepod auf den Markt gebracht, deutlich später als die Produkte der Konkurrenz.
  • Der Lautsprecher mit Sprachsteuerung kommt mit einem satten Klang und fügt sich gut ins Apple-Ökosystem.
  • Im direkten Vergleich mit dem Konkurrenten Sonos zeigt der Homepod auch einige Schwächen.
Von Helmut Martin-Jung

Sie haben es schon oft getan bei Apple: Gewartet, was die Konkurrenz auf den Markt bringt, und dann selber ein Produkt gebracht, das besser war. Smartphones gab es schon vor dem iPhone, MP3-Player schon vor dem iPod. Doch das iPhone erschuf die Kategorie schlicht neu, genauso wie es Apple davor schon mit dem iPod gelungen war. Einfach kein Vergleich zu dem, was die Konkurrenz zu bieten hatte. Vernetzte Lautsprecher gibt es auch schon eine Weile, und nun endlich ist auch der von Apple zu haben. Sie nennen ihn Homepod.

Der Homepod mixt eigentlich zwei Kategorien: Netzwerkfähige Lautsprecher, die vor allem für das Streaming von Musik gedacht sind, und Systeme, die per Sprachsteuerung allerlei Funktionen auslösen können. Je mehr Geräte ein Nutzer bereits besitzt, etwa Überwachungskameras, vernetzte Thermostate oder Rollladensteuerungen, desto mehr Simsalabim-Gefühl stellt sich dann auch ein.

Der Pionier der ersten Kategorie ist eine Firma aus Kalifornien, die - damals wohl etwas zu früh - auf Streaming setzte und nun den Trend zum sprachgesteuerten Heim-Assistenten fast verpennt hätte. Doch Sonos hat die Kurve gerade noch mal gekriegt und präsentierte schon vor dem Homepod ein renoviertes Modell ihres erfolgreichen Play 1, den Sonos One. Bisher galten die Sonos-Geräte als Maß aller Dinge.

Apple Homepod (links) und der One von Sonos. Beide Netzlautsprecher gefallen mit einfacher Bedienung und gutem Klang.

(Foto: oh/dpa)

Wie schlägt sich nun also Altmeister Sonos gegen den (auf diesem Feld) Newcomer Apple?

Bei der Bedienung geben sich beide nicht viel: Sonos war immer schon gut darin, die Einrichtung im heimischen Wlan sehr einfach zu machen, Apple konnte dahinter nicht zurückfallen und ist es auch nicht. Etwas nervig ist allenfalls, dass ein Abo des Streamingdienstes Apple Music empfohlen wird und die Nutzung von Apples Cloud-Dienst verpflichtend ist. Werden zwei Homepods für denselben Raum angemeldet, schlägt der Einrichtungsassistent vor, sie als Stereo-Paar einzurichten - das ist sehr bequem.

Sowohl Apple als auch Sonos haben ihren Geräten Sensoroberflächen spendiert, das funktioniert auch in beiden Fällen zuverlässig. Eigentlich aber sind die Lautsprecher prädestiniert dafür, mit einem Smartphone oder Tablet gesteuert zu werden. Und hier hat Sonos die Nase vorn. Alles, was der One kann, lässt sich über die App steuern. Diese greift sowohl auf Musik auf dem steuernden Gerät zu als auch auf alle möglichen Streamingdienste und Hunderte Internetradiosender.

Apples Sprachassistentin Siri enttäuscht

Bei Apple dagegen muss die Musik-App erst mit dem Homepod verbunden werden. Und startet man den Abspielvorgang per Spracherkennung, bekommt die Musik-App das nicht mit. Die App von Sonos zeigt an, welches Lied läuft, auch wenn der Abspielvorgang über den Sprachdienst Alexa von Amazon gestartet wurde. Zurzeit kommuniziert der One nur mit Alexa, die Integration von Google Home ist aber geplant. Geplant ist auch, dass sich die Sonos-Player mit denen von Apple koppeln lassen. Das funktioniert dann über Apples Airplay genannten Funkstandard.

Das führt nahtlos zum nächsten Punkt, Flexibilität. Der Sonos One lässt sich genauso gut von Android-Geräten wie von solchen mit iOS steuern, sogar am PC (unter Windows oder MacOS) geht das. Wer dagegen den Homepod einrichten will, braucht dazu ein iOS-Gerät. Mit einem Android-Smartphone oder -tablet klappt es nicht. Apple bietet als einzigen Streamingdienst wenig verwunderlich den eigenen an, bei Internetradio ist es genauso. Immerhin aber lässt sich der Homepod auch über Airplay mit Musik beschicken. Das ist dann nicht ganz so bequem, funktioniert aber auch mit anderen Quellen und ohne Hilfe der Sprachsteuerung.

Hinweis der Redaktion

Ein Teil der auf dieser Seite vorgestellten Produkte wurde der Redaktion von den Herstellern zu Testzwecken zur Verfügung gestellt und/oder auf Reisen präsentiert, zu denen Journalisten eingeladen wurden.

Schon mit seinem Startsound überrascht der Homepod mit einem Bassklang, den man einem Gerät dieser Größe kaum zugetraut hätte. Aber seit die vernetzten Lautsprecher ihren Siegeszug angetreten haben, gilt ohnehin der Satz: Glaube keinem Klang, den du nicht selber elektronisch aufgepeppt hast. Das Innenleben des Homepod ist aufwendig, über die eingebauten Mikros passt er sich zudem flexibel der jeweiligen Raumsituation an.

Der Homepod gehört damit zu den besten seiner Klasse, der kleine Sonos klingt aber ausgewogener, auch wenn er keinen so abgrundtiefen Bass liefert. Und im Vergleich mit guten klassischen Lautsprechern haben die Netzwerker sowieso keine Chance. Die herkömmlichen Boxen sind aber auch größer, sind teuer und können eben nichts außer elektrische Signale in Schall umwandeln - das dafür aber gut.

Wenig Begeisterung kann Apples inzwischen in die Jahre gekommene Assistentin Siri entfachen. Die Gute hat einfach nicht so viel dazugelernt, wie man hatte hoffen können. Amazons Alexa oder Googles Assistant sind deutlich weiter, allerdings beantwortet Apples Siri Anfragen anonymisiert, die Konkurrenz dagegen personalisiert - viele lehnen das ab.

Wer sich aus diesem Grund oder einem anderen lieber im nicht billigen, aber bequemen Apple-Universum tummelt, wird sich wohl für den Homepod (349 Euro) entscheiden. Wer aber mehr Wert auf Flexibilität legt und nebenbei noch Geld sparen will, wird eher den Sonos One (229 Euro) wählen.

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