Süddeutsche Zeitung

Unterlassungserklärung:Apple will Buch eines Ex-Managers verbieten

  • Tom Sadowski, der ehemalige Deutschlandchef von Apples Appstore, hat ein Buch über seinen früheren Arbeitgeber veröffentlicht.
  • Apple hat Autor und Verlag abgemahnt, weil Sadowski im Buch angeblich Geschäftsgeheimnisse ausplaudere.

Wenn es nach Apple ginge, wäre das Buch von Tom Sadowski am 18. Februar nicht veröffentlicht worden. Sadowski, 46, war bis vor kurzem verantwortlich für das App-Geschäft des Konzerns in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Im November 2019 entschied er sich nach zehn Jahren die Firma zu verlassen. Er habe einen inneren Drang gespürt weiterzugehen, schreibt der Ex-Manager in der Einleitung seines Buchs "App Store Confidential".

Auf rund 180 Seiten schildert er dort seinen persönlichen Blick "hinter die Kulissen von Apples wichtigstem Business", so der Untertitel. Der Autor berichtet von seinem ersten Treffen mit Konzernchef Tim Cook in einem Mehrfamilienhaus in Berlin-Kreuzberg und gibt Tipps für App-Entwickler. Wer auf Insiderinfos aus Cupertino hofft, wird enttäuscht.

Sadowskis Ex-Arbeitgeber gefällt das Buch offenbar trotzdem nicht: Apple hat kurz vor der Veröffentlichung durch zwei Großkanzleien Unterlassungserklärungen an den Autor und den Hamburger Murmann Verlag verschickt. "Dem sind wir nicht gefolgt", sagt Programmgeschäftsführer Peter Felixberger. "Seitdem ruht der See." Auch wenn sich der Konflikt mit Apple angebahnt hat, hat die Vehemenz den mittelständischen Verlag überrascht. Zunächst habe der Konzern Einsicht in das Manuskript Sadowskis gefordert. Das lehnte der Verlag ab, stimmte unter Druck letztlich doch zu. Apple rückte mit drei Anwälten an, die das Manuskript schließlich einen Tag lang prüften, so Felixberger.

Um welche Geschäftspraktiken es geht, verrät Apple nicht

Aufgrund der Aufmerksamkeit, die Sadowskis Buch aktuell erhält, verkauft sich der Titel besser als geplant. Die erste Auflage beträgt 4000 Exemplare. "In einigen Tagen werden die alle verkauft sein", sagt Felixberger, "wir müssen nachdrucken." Der Programmgeschäftsführer betont, dass kein Marketing-Trick dahinterstecke, das Buch sei nicht als Bestseller geplant gewesen.

Und Apple? Bis Donnerstagnachmittag lagen dem Murmann Verlag keine weiteren rechtlichen Schritte des Unternehmens vor. Auch Fragen zu dem Thema beantwortet der Konzern nicht. Auf Anfrage verschickt er ein Statement: "Apple fördert seit langem eine freie Presse und unterstützt Autoren aller Art", heißt es zu Beginn der Mitteilung und weiter: "Während wir die Art und Weise, in der dieser langjährige Mitarbeiter von Apple unser Arbeitsverhältnis verletzt hat, bedauern, ließ uns sein Handeln keine andere Möglichkeit als sein Anstellungsverhältnis zu beenden - eine vom Betriebsrat mitgetragene Entscheidung." Es gehe außerdem darum, dass die Beschäftigungsrichtlinien für alle Mitarbeiter "gleich und fair" angewandt würden und dass diese die Geschäftspraktiken von Unternehmen vertraulich behandelten.

Welche vertraulichen Geschäftspraktiken Tom Sadowski in seinem Buch preisgeben soll, bleibt für alle Beteiligten unklar - für Sadowski selbst, für Programmgeschäftsführer Felixberger und auch für Rechtsanwalt Ralph Graef, der Autor und Verlag vertritt. Als der Medienrechtler bei Apple nachhakte, hieß es, die Geschäftspraktiken seien so geheim, dass man nicht sagen könne, was es ist. "Wie soll das denn gehen? Erst recht vor Gericht? Dort muss man seine Anträge begründen. Das wird Apple nicht gelingen", sagt Graef. Bis zum 3. März hat das Unternehmen noch Zeit, um eine einstweilige Verfügung gegen das Buch einzureichen.

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SZ vom 21.02.2020/cva
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