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Amazon, Apple, Facebook, Google:So wollen sich die "Big Four" im US-Kongress verteidigen

Amazon CEO Jeff Bezos, Apple CEO Tim Cook, Google CEO Sundar Pichai and Facebook CEO Mark Zuckerberg

Amazon-Chef Jeff Bezos, Apple-Chef Tim Cook, Google-Chef Sundar Pichai und Facebook-Chef Mark Zuckerberg (v.l.n.r.) müssen sich den Fragen der US-Kongressabgeordneten stellen.

(Foto: Pablo Martinez Monsivais Evan Vucci Jeff Chiu Jens Meyer/AP)

Die Chefs von Amazon, Apple, Facebook und Google müssen sich an diesem Mittwoch im US-Kongress zu ihrer Macht ausquetschen lassen. Vorab weisen die Konzerne die Vorwürfe zurück und behaupten, sie hätten ja viel Konkurrenz.

Von Mirjam Hauck

Wie mächtig sind Amazon, Apple, Facebook und Google? Missbrauchen die vier großen US-Techkonzerne ihre Marktmacht und behindern den freien Wettbewerb? Am Mittwoch müssen sich die Firmenchefs Jeff Bezos (Amazon) , Tim Cook (Apple) , Mark Zuckerberg (Facebook) und Sundar Pichai (Alphabet/Google) bei einer Anhörung im Justizausschuss des US-Repräsentantenhauses den Fragen der Abgeordneten stellen. Damit müssen sich zum ersten Mal die "Big Four" in diesem Rahmen äußern. Die vier Top-Manager sind allerdings nicht persönlich vor Ort, wegen der Corona-Pandemie sollen sie per Videokonferenz zugeschaltet werden.

Vor der Anhörung hat der Ausschuss die Stellungnahmen der Manager veröffentlicht. Darin zeichnen sich einige gemeinsame Verteidigungslinien, aber auch Unterschiede in der Argumentation ab.

Alle vier weisen darauf hin, dass sich die Unternehmen trotz ihrer Größe auf dem Weltmarkt in starker Konkurrenz und intensivem Wettbewerb befinden und ihr weiterer Erfolg alles andere als gewiss sei. Zudem geben sie sich patriotisch. Tim Cook nennt Apple ein "einzigartiges amerikanisches Unternehmen", für Mark Zuckerberg ist Facebook ein "stolzes amerikanisches Unternehmen".

Zuckerberg will wie bei seinen vorherigen Auftritten im US-Kongress auf die Bedrohung durch China aufmerksam machen. Facebook glaube an Werte wie Demokratie und Meinungsfreiheit. Andere Länder wie China aber "bauen eine eine eigene Version des Internets auf, die auf ganz andere Ideen fokussiert, und sie exportieren ihre Vision in andere Länder". Kritikern der Whatsapp- und Instagram-Übernahme, die den Facebook-Konzern zum mit Abstand am weitesten verbreiteten Social-Media-Netz gemacht haben, hält er entgegen: Die gekauften Dienste seien unter Facebooks Führung viel besser für die Nutzer geworden, Whatsapp habe jetzt zum Beispiel eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung.

Tim Cook verweist in seiner Stellungnahme auf den starken Wettbewerb im Smartphone-Markt. Mit Rivalen wie Samsung, LG, Huawei und Google habe man in keinem der Märkte, in denen man aktiv sei, einen dominanten Marktanteil. Allerdings steht vor allem Apples App Store in der Kritik, auf dem das Unternehmen App-Entwicklern seine Regeln diktiert. Cooks Argument: Apple habe durch sein App-Ökosystem 1,9 Millionen amerikanische Jobs geschaffen. Auch seien die Abgaben an Apple vergleichbar mit denen auf anderen App-Plattformen oder sogar niedriger.

Zu Ebay oder Walmart

Auch wenn Google in den USA die dominierende Suchmaschine ist, erklärt Sundar Pichai in seinem Statement, dass Nutzer auch mit Amazons Alexa oder über Twitter, Whatsapp und Snapchat nach Informationen suchen könnten. Für Konsumenten gebe es mit den Webseiten großer E-Commerce-Anbieter wie Amazon, Ebay oder Walmart alternative Angebote, um Produkte zu finden. Auch Werbetreibende haben Pinchai zufolge mit anderen Plattformen wie Twitter, Instagram, Pinterest und Comcast eine "enorme Auswahl". Zudem könnten kleine Firmen dank Google als Werbeplattform konkurrenzfähiger werden, insbesondere in der Corona-Krise. Und die Kosten für Werbung hätten sich in den vergangenen zehn Jahren um 40 Prozent verringert

Jeff Bezos, Chef des größten US-Online-Händlers und reichster Mensch der Welt, erklärt in seiner Stellungnahme, dass Amazon nur ein kleiner Player im weltweiten Einzelhandel sei. Im US-Markt stehe er im Wettbewerb mit Walmart, die Kette habe mehr als die doppelte Größe von Amazon. Zudem gebe es neuere Wettbewerber wie Shopify. Auch habe Amazon mit seiner Plattform weltweit mehr als 2,2 Millionen neue Jobs geschaffen.

Experten erwarten zunächst keine konkreten Strafmaßnahmen als Folge der Anhörung. Sie ist aber ein erster Schritt in Richtung einer stärkeren Regulierung der großen Techkonzerne.

© SZ
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