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App-Spiele:Nase voll von Pokémon Go? Hier sind fünf Alternativen

Schwertkampf-Kalligraphie, anspruchsvolles Schneemannbauen und Flippern auf LSD: Diese App-Spiele sind spannender als monotones Monsterfangen.

Von Daniel Wüllner

Links oder rechts? Eine simple Entscheidung, die in der Dating-App "Tinder" den Weg zum zukünftigen Partner weisen kann. Dass die Wahl zwischen zwei Optionen auch Könige zur Verzweiflung treiben kann, zeigt die App "Reigns" - und zwar mit Humor.

Das Spiel funktioniert so: Der Spieler ist König. Und was macht der König den ganzen Tag? Natürlich Entscheidungen treffen. Im Lauf eines kurzweiligen Spiels tritt eine Person nach der anderen vor Eure Majestät und trägt ihr Anliegen vor. Danach entscheidet der Monarch: Ja oder Nein? Kirche oder Armee? Volk oder Schatzkammer? Heirat oder Affäre?

Jede Entscheidung in "Reigns" ist wichtig, beeinflusst den Verlauf der Geschichte. Ein Krieg mag zwar teuer sein, könnte sich langfristig aber auszahlen, da das Volk in Sicherheit ist. Ebenso eine Hochzeit: An ihr kann es liegen, ob die Untertanen zufrieden sind oder rebellieren. Jede Wahl muss darauf abzielen, dass alle politischen Faktoren des Spiels im Gleichgewicht bleiben: Kirche, Volk, Armee, Schatzkammer. Nur so kann der Spieler weiter regieren.

Stirbt der König, ist das Spiel vorbei - ein paar Sekunden. Dann tritt ein neuer Herrscher an seine Stelle, und es geht wieder von vorne los. Auch der neue Regent darf bei seinen Entscheidungen nicht allein gelassen werden. Aber Vorsicht, "Reigns" hat Suchtpotential, denn bei jedem Anlauf will man bessere Entscheidungen treffen, um länger zu regieren.

"Reigns" fesselt durch seine simple Mechanik und eine Erzählung, die bei jedem Durchlauf anders ist. Selbst wenn die dritte Hochzeit der zehnten ähnelt, sind ihr doch andere Ereignisse vorausgegangen. Keine Geschichte ist gleich, die App ist ein immer wieder überraschender Erzähler. Aber die Entscheidungen trefft Ihr selbst, Eure Majestät.

"Reigns" ist erhältlich für Android und iOS

Schwerter zu Fingerspitzen

Eines der erfolgreichsten App-Spiele war "Fruit Ninja". In dem musste Obst mit einem Wisch des Fingers auf dem Display zerteilt werden. Ein Nachfolger ist "The Swords": ein Spiel, das Schwertkunst mit Kaligraphie verbindet.

Von stimmungsvoller Musik untermalt fährt der Finger über den weißen Bildschirm. Mit jedem Wisch füllen sich die vorgegebenen, nur angedeuteten Linien mit schwarzer Tinte. Schnelle Richtungswechsel müssen mit der Fingerspitze nur angedeutet werden.

Ein falscher Strich endet in einem hässlichen Klecks und einem enttäuschenden Geräusch. Die Figur muss ein weiteres Mal gemalt werden. Die Chancen auf eine erfolgreiche Zeichnung werden immer besser. Mit jeder Wiederholung prägen sich die Abläufe ein bisschen besser ein.

"The Swords" ist eine kurzweilige Fingerübung - eine ästhetische und unterhaltsame. Die App belegt, wie fingerfertig der Spieler wirklich ist und wie gut die menschliche Motorik in der Lage ist, Muster nachzuahmen.

"The Swords" ist erhältlich für iOS und Android

Anleitung zum Schneemannbauen

Es ist nicht leicht, einen Schneemann zu bauen. Schon gar nicht im Sommer. Mit der Puzzle-App von den Entwicklern Draknek wird das nur bedingt einfacher.

In "A Good Snowman Is Hard To Build" liegen alle Grundzutaten für einen Schneemann bereit: drei kleine Kugeln, etwas Schnee und eine Wiese. Doch die Einzelteile richtig zusammenzubringen, stellt sich als mühsame Aufgabe heraus.

Der Spieler steuert ein schwarzes Monster, das in jedem einzelnen Garten Kugeln über Schnee und Gras rollen muss. Mit jedem Schubser über das Weiß wird die Kugel etwas größer. Das führt dazu, dass sie schnell nicht mehr auf die kleinere Kugel passt.

Also nochmal bis zum letzten falschen Schritt zurückgehen und konzentrieren. Wurde eine Kugel aus Versehen zu weit in eine Ecke geschoben, bekommt man sie von dort nicht mehr weg.

Die App beginnt relativ einfach. Aber bereits nach der dritten Wiese werden die Puzzle zur Herausforderung. Wie soll Kugel A auf Kugel B ohne den Schnee zu berühren, wenn Kugel C im Weg steht? Wer Lust hat, seine grauen Zellen anzustrengen, für den ist "A Good Snowman Is Hard To Build" genau die richtige App.

"A Good Snowman Is Hard To Build" ist erhältlich für iOS und Android

Dem Dungeonieur ist nichts zu schwör

"Guild of Dungeoneering" sollte nur mit Kopfhörern gespielt werden. Denn wenn der Barde im Bariton die Abenteuer besingt, mag das auf Menschen in der Umgebung absonderlich wirken.

In der App lenkt der Spieler eine Gilde von Abenteurern, die er einzeln in Verliese schickt, um dort Monster zu besiegen und Schätze zu erbeuten. Die Figuren werden nicht aktiv gesteuert. Der Spieler setzt ihnen Anreize in Form von Schätzen und Monstern, damit sie sich in einen anliegenden Raum bewegen. Der Dungeon wächst, solange bis das jeweilige Missionsziel erfüllt wurde: "Besiege drei Skelette", "Öffne drei Kisten" oder "Entkomme dem Drachen". Erst danach besingt der Barde Sieg oder Niederlage. Dann kann der Spieler einen Helden in den nächsten Dungeon schicken.

Besonders hervorzuheben ist das Kampfsystem des Spiels. Mit einem Satz virtueller Karten, je nach Ausrüstung und Helden-Typ, müssen Spieler gegnerische Angriffe abwehren und selbst zum Schlag auszuholen. Nach jedem Kampf erhält der Held oder die Heldin ein Stück Ausrüstung, einen Zweig, einen Stuhl oder eine kleine Axt, um sich größeren Monstern mit neuen Karten zu stellen.

Neben dem Sound überzeugt "Guild of Dungeoneering" durch Niedlichkeit. Die Illustrationen der Figuren und die Animationen der Kämpfe sind liebevoll gestaltet und machen jedes Aufeinandertreffen mit einem neuen Monster zu einem Ereignis.

"Guild of Dungeoneering" ist erhältlich für iOS und Android

Flippern auf LSD

Ein beiger Weißton, zwei Hebel und eine Kugel auf einem Bildschirm: "INKS." ist eine Flipper-App. Eine App, die einfach zu bedienen ist: Ein Touch links und der linke Flipperhebel geht nach oben. Ebenso auf der rechten Seite. Fertig. Etwas fehlt aber am Anfang: Farbe.

Sie kommt erst im Laufe des Spiels dazu, denn zunächst rollt die Kugel noch über jungfräuliches Weiß. Sobald sie den ersten bunten Punkt trifft, explodieren die Farben.

Von Blau zu Rot. Von Gelb zu Gelb. Zu Blau. Zu Gelb. Gelb. Blau. Rot. Bei jeder Berührung mit der Farbe nimmt die Flipperkugel etwas Farbstoff auf und zieht eine bunte Bahn hinter sich her.

Nach nur wenigen Sekunden ist aus dem trüben Beige des Flippers eine psychedelische Landschaft geworden, die mit einem indischen Farbfest konkurrieren kann. Punkte werden bei "INKS." nicht gezählt. Spieler müssen akzeptieren, dass ein farbenfroher Hintergrund die einzige Belohnung ist.

"INKS." revolutioniert das Flipper-Genre zwar nicht, taucht es aber in satte Farben. Ohne Highscore wird die App weniger zu einem Wettbewerb als zum künstlerischen Statement.

"INKS." ist erhältlich für iOS

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