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Anzeigen gegen US-Netzwerk:Irlands Datenschützer untersuchen Facebooks Praktiken

Druck aus Dublin: Eine Untersuchung an Facebooks Europa-Hauptsitz in Irland soll klären, ob das Unternehmen gegen EU-Datenschutzgesetze verstößt. Daran hat auch eine österreichische Aktivistengruppe ihren Anteil.

Die Auseinandersetzung mit dem schleswig-holsteinischen Datenschutzbeauftragten um den "Gefällt-mir"-Knopf ist noch nicht ausgestanden, da droht Facebook neues Ungemach: Die irische Datenschutzkommission hat einem Bericht der Irish Times zufolge angekündigt, die Praktiken des Freundschaftsnetzwerks unter die Lupe zu nehmen.

Facebook - Anhörung zum Datenschutz in Kiel

Die Diskussion um den "Gefällt-mir"-Button ist derzeit nicht das einzige Problem Facebooks: Nun wollen irische Datenschützer die Praktiken der Firma überprüfen.

(Foto: dpa)

Facebook hat wie viele andere US-Konzerne aus Steuergründen seine europäische Tochterfirma in Dublin gegründet und beschäftigt dort 300 Mitarbeiter. Deshalb sind die irischen Behörden für die Überwachung der Aktivitäten des Unternehmens zuständig, auch in Sachen Datenschutz.

Die Datenschützer reagieren damit auch auf den Druck von Gruppen wie den Datenschutzaktivisten Europe vs. Facebook, die das Portal inzwischen 22 Mal angezeigt hat. Dem Zusammenschluss Wiener Studenten zufolges oll Facebook unter anderem gelöschte Nutzerdaten nicht zuverlässig von seinen Servern entfernen.

Ein Mitglied der Gruppe hatte sich die gespeicherten Nutzungsdaten von Facebook zuschicken lassen, die Daten der CD-Rom hätten ausgedruckt 1200 DIN-A4-Seiten ergeben. Sie enthielten Login-Daten, Ortsangaben, Chat-Protokolle und Status-Meldungen.

Ende des Jahres Ergebnisse

Das Ersuchen um Herausgabe gespeicherter Daten ist nach Artikel 12 der Europäischen Datenschutzrichtlinie das gute Recht jedes EU-Bürgers. Nachdem inzwischen Online-Anleitungen für das Einfordern seiner Daten existieren, sollen zahlreiche Internet-Nutzer ebenfalls ihre Daten eingefordert haben. Facebook hat deshalb bereits angekündigt, in einigen Fällen die Herausgabefrist von 40 Tagen zu überschreiten.

Weitere Beschwerden, die bei den irischen Datenschützern eingingen, betreffen den "Gefällt-mir"-Knopf oder Facebooks Gesichtserkennung auf Bildern. Die Datenschutzkommission will die Ergebnisse ihrer Untersuchung Ende des Jahres vorlegen.

© sueddeutsche.de/joku/mri
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