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Angriff auf TV 5 Monde:Nächstes Angriffsziel: Kraftwerke?

Wer aber, wie die französische Kulturministerin, die Cyberattacke undifferenziert als "Terrorismus" bezeichnet, der spielt den Urhebern in die Hände: Er verbreitet jenen Schrecken, den sich die Hacker wünschen. Man verstärkt damit die propagandistische Wirkung der Tat, auf die es den Angreifern ja allein ankommt: Sie möchten andere erschrecken und sich für potenzielle Rekruten und Geldgeber attraktiv darstellen.

Trotzdem sollte man Gefahren aus dem Cyberspace ernster nehmen als bisher. Erstens sind die Täter meist kaum zu fassen, sie agieren mit der Fernbedienung und sind damit womöglich besonders skrupellos. Zweitens ist im Cyberspace so gut wie alles möglich: Die Welt ist so vernetzt, dass man überall und gegen jedes Ziel sabotieren und spionieren kann. Wie die westlichen Cyberangriffe auf Irans Atomanlagen gezeigt haben, kann man sogar Industrieanlagen zerstören.

Westliche Regierungen sollten lieber vorbeugen

Die nächsten Angriffe könnten Kraftwerken gelten, Flugzeugen, Raketen. Drittens unterschätzt man selbst im technisch hochgerüsteten Westen diese Gefahren noch immer. Jeder neue Angriff offenbart Leichtsinn und Inkompetenz der Opfer: Kriminellen gelingt es zum Beispiel regelmäßig, die Bankdaten von Millionen Kunden amerikanischer Handelsketten abzugreifen. Auch die US-Regierung gehört regelmäßig zu den Opfern.

Die Weltgemeinschaft hätte sich längst ein verbindliches Regelwerk für den Cyberspace geben und sich in der Abwehr von Angriffen durch Terrorgruppen oder Kriminelle abstimmen müssen. Aber die großen Regierungen haben daran kein Interesse, weil sie die neue technische Wunderwelt längst selbst zum eigenen Vorteil erforschen.

Amerikaner und Chinesen etwa hacken sich durch die gegnerischen Militärgeheimnisse und würden sich deswegen nie einer höheren Instanz unterwerfen, etwa einem Schiedsgericht der UN für Cyberfälle. Der letzten Endes ziemlich glimpfliche Angriff auf TV 5 erinnert westliche Regierungen daran, dass sie lieber vorbeugen sollten, als große Sprüche zu machen am Morgen danach.

Die Vorzüge von Hackereinheiten für Terrorgruppen jedenfalls sind offensichtlich. Der Cyberspace bietet alle Vorteile der asymmetrischen Kriegsführung: Man kann sich verstecken, man kann aus dem Hinterhalt angreifen, man kann mit wenig viel erreichen. Cyberkrieg ist der neue Guerillakrieg.