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Angriff auf FDP-Nachwuchsorganisation:Hacker veröffentlichen Mitgliedsdaten der Jungen Liberalen

Die Nachwuchsorganisation der FDP ist Opfer eines massiven Hackerangriffs geworden. Privatadressen, Telefonnummern und E-Mail-Adressen von mehr als 10.000 Jungliberalen wurden dabei veröffentlicht. Die Motive der Angreifer sind unklar.

Von Pascal Paukner

Die FDP hat es derzeit nicht leicht: In Umfragen kämpft sie mit der Fünf-Prozent-Hürde. Die Legislaturperiode und damit die Zeit, den Wähler von liberaler Politik zu überzeugen, neigt sich dem Ende zu. Und jetzt haben es auch noch Hacker auf die Liberaldemokraten abgesehen. Bereits am Wochenende wurde eine Online-Plattform der Partei angegriffen. Nun traf es die Jungen Liberalen, die Nachwuchsorganisation der Partei.

Eine Hackergruppe namens "Team Medusa" veröffentlichte am Montagabend eine Liste mit mehr als 10.000 Datenbankeinträgen, die offenbar aus dem Mitgliederbereich der Webseite julis.de stammen. Darunter Namen, E-Mailadressen, (verschlüsselte) Passwörter, Anschriften und Telefonnummern von Juli-Mitgliedern.

Die Jugendorganisation bestätigte am Abend den Angriff. Zunächst konnte der Sprecher aber keine Angaben über das Ausmaß des Angriffs und die Aktualität der Daten machen. Vorab informiert hatten die Hacker den FDP-Nachwuchs offenbar nicht. Man habe erst am Montagabend von dem Angriff erfahren, sei überrascht worden. Am Abend war die Webseite der Jungen Liberalen dann auch für mehrere Stunden nicht erreichbar.

Hacker: Attacke nicht kompliziert

"Team Medusa" schrieb in einer Stellungnahme, die Attacke sei nicht kompliziert gewesen. Es habe sich um eine SQL-Injection gehandelt. Bei dieser Form des Angriffs wird über eine Schwachstelle im System Schadcode in den Server eingeschleust.

Unklar ist, welche Motive hinter dem Angriff stecken. Auf Anfrage von Süddeutsche.de bestritten die Hacker eine direkte politische Motivation. Auf Twitter hatten die Hacker aber einen Bezug zum Protest gegen die umstrittene Bestandsdatenauskunft hergestellt.

"Team Medusa" ist nach eigenen Angaben ein Hackerduo, das der so genannten Blackhat-Szene zuzuschreiben ist. Blackhats sind Hacker, die oftmals gegen die Regeln der Hackerethik verstoßen. Diese besagen unter anderem, dass private Daten zu schützen seien, öffentliche Daten aber genützt werden müssten. "Team Medusa" ist nach eigenen Angaben auch für einen umstrittenen DDos-Angriff auf ein von Unternehmern finanziertes Wahlkampfblog des SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück verantwortlich.

Auch Mutterpartei FDP angegriffen

Bereits am Wochenende musste sich die Mutterpartei FDP mit einem ähnlichen Angriff herumschlagen. Unbekannte hatten die Online-Plattform my.fdp.de gehackt und 37.000 Datensätze gestohlen. Das Hackerkollektiv Anonymous hatte später Auszüge der Datenbank verbreitet, dabei Telefonnummern und Anschriften der betroffenen Personen aber bewusst geheim gehalten. Die Nutzer könnten ja nichts für die "schlechte Sicherheit" der FDP, schrieb Anonymous. Unklar ist, wie Anonymous an die Daten gelangt ist.

Die FDP bemühte sich am Montag um Schadensbegrenzung. Ein Sprecher sagte Süddeutsche.de, die Plattform sei ohnehin ein Auslaufmodell. Nun überlege man, die Plattform endgültig abzuschalten. Unklar ist derzeit noch, welche Schlüsse die Jungen Liberalen aus dem Angriff ziehen werden.

© Süddeutsche.de/kjan

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