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Anerkennung von E-Sport:Wer würde von einem olympischen E-Sport mehr profitieren?

Aus medialer Sicht benötigt der E-Sport die Anerkennung des IOC nicht. Im Gegensatz zu Sportarten wie Ringen oder Judo, die nur alle vier Jahre während der Olympischen Sommerspiele im Rampenlicht stehen, ist der E-Sport nicht auf die Riesen-Veranstaltung angewiesen. Er hat ständig seine eigenen Events, mit eigener medialer Infrastruktur und Millionen von Zuschauern, die Turniere und Wettkämpfe in Livestreams auf Twitch, Youtube oder Facebook verfolgen. Die Zuschauerzahlen wachsen stetig, laut einer Studie der Marketingagentur Wavemaker ist nur Fußball in Deutschland noch beliebter. Fast jeder Dritte zwischen 16 und 39 schaut E-Sport über das Internet. Wer könnte also von wem profitieren? Traditioneller Sport vom modernen E-Sport oder umgekehrt?

Jagnow und Reichert geben sich diplomatisch; sie sehen Vorteile für beide Seiten, auch für den E-Sport: "Wir können noch viel lernen, über Strukturen und über das Wertesystem der Olympischen Spiele", sagt Jagnow. "In der Praxis fehlt mir noch eine gemeinsame Vision der E-Sport-Bewegung, eine Philosophie."

Kein Kopieren um jeden Preis

Froböse ist anderer Meinung: "Der traditionelle Sport würde viel mehr von der Jugendkultur profitieren als umgekehrt." Während in Deutschland so getan werde, als sei E-Sport nur ein Randphänomen, spiele er weltweit eine viel wichtigere Rolle. Im Nachbarland Frankreich habe man das erkannt. Dort ist Pro-Gamer bereits ein anerkannter Beruf. Will das IOC langfristig nicht wichtige Sponsoren verlieren, die sich sonst auf den digitalen Markt konzentrieren, führt am E-Sport kein Weg vorbei.

Allerdings: "Der E-Sport muss seine Hausaufgaben noch machen", sagt Froböse. Um als Sportart anerkannt zu werden, müsse der E-Sport die Rahmenbedingungen erfüllen: Verbandsstrukturen schaffen, Doping-Analytik zulassen und die Frage nach der Abhängigkeit von Spiele-Publishern klären. Er glaubt, dass der E-Sport möglicherweise doch schon in Paris 2024 vertreten sein wird - zumindest als Neben-Event, ähnlich wie bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang dieses Jahr. Ein ausgegliedertes E-Sport-Turnier neben den offiziellen Spielen hält ESL-Chef Reichert für eine sinnvolle Alternative: "Wir müssen nicht alle Strukturen des klassischen Sports kopieren." Der E-Sport tut also zumindest so, als müsse er nicht um jeden Preis um die Aufmerksamkeit des IOC buhlen. Die Botschaft: Als Olympioniken sehen sich die Gamer so oder so.

Mit Material des SID.

© SZ.de/jab
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