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Android-Smartphone:Nutzer nicken anstandslos Dutzende Berechtigungen ab

Die Apps von CM enthalten keine Schadsoftware und greifen keine Passwörter ab - wohl aber alle anderen Informationen, die sie kriegen können. Der Werbechef nennt das Unternehmen eine "Datenfirma" und sagt: "Wir wissen, für welche Apps sich der Nutzer interessiert, und das ermöglicht es uns, diesen Nutzern Anzeigen auf den Leib zu schneidern." CM brüstet sich damit, "große Mengen weltweiter Nutzerdaten" zu besitzen, arbeitet mit knapp 20 Werbenetzwerken zusammen und buhlt mit "intelligentem Targeting" um Werbekunden. In diesem Blogpost zeigt ein Android-Entwickler, wie viel CM über seine Nutzer weiß.

Wer eine CM-App installiert, erteilt teils Dutzende Berechtigungen. Der CM Launcher etwa kann alle laufenden Apps protokollieren, "sensible Log-Daten" mitlesen, den Browser-Verlauf abgreifen, Termine und Kontakte sehen und editieren, erhält Zugriff auf den Standort und die Telefonverbindungen, liest ein- und ausgehende SMS. Er kann Fotos und Videos aufnehmen und Dateien im internen Speicher betrachten, Systemeinstellungen verändern, Nutzerkonten anlegen und die Netzwerkverbindungen aufzeichnen. Das ist nur ein kleiner Auszug aus der sehr langen Liste der Berechtigungen, die viele Nutzer akzeptieren, ohne sich auch nur anzusehen, was sie da gerade abnicken.

Die großen Android-Hersteller schauen dabei nicht nur tatenlos zu, sondern helfen kräftig mit. Samsung hat lange Zeit mit CM kooperiert und dessen Dienste direkt in seine Galaxy-Smartphones integriert. Noch immer bietet Samsung auf seiner Webseite eine Anleitung an, wie Nutzer den Clean Master installieren können. Auch Google lässt datenhungrigen App-Entwicklern freie Hand. Im Play Store hat Google die Apps von CM immer wieder hervorgehoben und beworben. Ein Blogeintrag, der die Zusammenarbeit mit CM bei der Integration von Video-Werbung pries, ist mittlerweile verschwunden und nur noch über Archive.org auffindbar.

Siftung Warentest warnt vor Optimierungs-Apps

Doch es ist nicht genug, sich nur auf CM zu konzentrieren. Zum einen, weil das Unternehmen einige Apps unter anderem Namen vertreibt. Der Hersteller steckt etwa auch hinter SafeWallet (Entwicklername im Play Store: "SafeWallet Inc.") und Coin Master ("Coin Master Studio"), die er auf seiner Webseite zum eigenen Portfolio zählt. Hinzu kommen Dutzende Spiele, die CM unter dem Namen "Cheetah Games" vertreibt.

Zum anderen geht das Problem weit über CM hinaus. Das Unternehmen mag einer der größten Anbieter dubioser Apps sein, aber es ist nicht der einzige. Der Google Play Store quillt über vor unnötiger und teils unseriöser Software. Hinter vielen selbsternannten Cleanern, Battery-Boostern oder Anti-Viren-Apps stecken Firmen, die in erster Linie an den Daten der Nutzer interessiert sind, um diese zu vermarkten.

Vor drei Jahren nahmen Verbraucherschützer 13 dieser vermeintlichen Optimierungs-Apps unter die Lupe. "Die angepriesenen Leistungssteigerungen sind nicht mehr als leere Versprechungen", schrieb die Stiftung Warentest damals. Schlimmer noch: "Nahezu alle Apps senden sensible Daten, mit denen Nutzerprofile erstellt werden können. Oft übertragen sie solche Daten sogar unverschlüsselt."

Millionen Menschen geben Entwicklern Zugriff auf ihr Smartphone

Daran hat sich bis heute kaum etwas geändert. Fast alle Tuning Apps sind im besten Fall nutzlos, im schlechtesten Fall gefährlich. Es gibt nur wenige Ausnahmen wie das empfehlenswerte Programm SD Maid, dessen Entwickler auch auf vollmundige Werbeversprechen verzichtet. Das Gleiche gilt für Sicherheits-Apps: Besser als Virenschutzprogramme schützt der eigene Verstand.

Kaum jemand würde Fremde ungefragt in die Wohnung lassen und alle Schränke durchwühlen lassen - aber Millionen Menschen geben Entwicklern Zugriff auf ihr Smartphone, auf dem teils noch sensiblere Daten liegen. Wer Apps installiert, sollte alle Berechtigungen kontrollieren und überlegen, ob sie notwendig sind. Anders als bei Apple findet immer wieder Schadsoftware den Weg in den Google Play Store. Der Name Google garantiert dort keine Sicherheit.

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