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Amokdrohungen im Netz:Datenspur ins Nichts

Die Suche nach dem Internetspieler, der in einem Chat seinen Amoklauf ankündigte, gleicht einem Stochern im Nebel.

Eigentlich müsste es problemlos möglich sein, den Unbekannten ausfindig zu machen, der angeblich einen Amoklauf in seiner Schule in Baden-Württemberg angekündigt hat. Während eines Chats des Onlinespiels "Counter Strike", soll er dies zwei Realschülern aus Rheinland-Pfalz mitgeteilt haben.

Online sein bedeutet Spuren hinterlassen

(Foto: Foto: dpa)

Die beiden Schüler verständigten daraufhin die Polizei. Im Web muss der Unbekannte wie jeder Surfer seine Spuren hinterlassen haben. Jedem Internetanschluss wird eine Nummer zugeteilt, die sogenannte IP-Adresse, die sich bis zu einem Nutzer zurückverfolgen lässt.

Allerdings, so heißt es im Innenministerium von Baden-Württemberg, hätten sich die Jungen erst am Montag gemeldet, das Spiel hätte schon früher stattgefunden. Für die Ermittlungsbeamten ist es deshalb möglicherweise schwierig, die Datenspur zurückzuverfolgen.

So wurden zwar die Festplatten der Jugendlichen gesichert und auf Daten untersucht, die auf den Mitspieler hinweisen könnten. Ob sich dabei eine Spur gefunden hat, ist aber noch unklar. "Aufgrund der laufenden Ermittlungen können wir dazu keine Aussage treffen", sagt Günter Loos vom Innenministerium in Baden-Württemberg.

Die Wahrscheinlichkeit, dass sich auf den Rechnern von Online-Spielern aussagekräftige Daten finden ist allerdings zweifelhaft. Deren Computer speichern meist keine Informationen über die Mitspieler. "Der Kontakt erfolgt in der Regel über einen frei zugänglichen Server", sagt Marco Sturm vom Securityteam des Internetproviders 1 & 1, "dort werden meistens auch die IP-Adressen der Teilnehmer gespeichert.

Allerdings oft nur für wenige Stunden oder Tage." Da die Meldung an die Polizei erst einige Zeit nach dem Spiel erfolgte, wurden die Daten auf den Servern möglicherweise schon gelöscht.

Zudem besteht durchaus die Möglichkeit, sich anonym im Netz zu bewegen. "Es gibt im Internet diverse Werkzeuge, mit denen man seine IP-Adresse verschleiern kann", sagt Constanze Kurz vom Chaos Computer Club in Berlin. "Mit wenigen Mausklicks lässt sich damit der Browser so konfigurieren, dass er den angesurften Servern eine falsche Adresse vorspiegelt." Eine Rückverfolgung ist dann praktisch unmöglich.

Allerdings seien diese Programme vorwiegend für den Browser konfiguriert. Um auch Spieleservern eine falsche Adresse vorzugaukeln sei wesentlich mehr Mühe erforderlich. "Zudem setzt diese Manipulation voraus, dass die Spieler ganz bewusst ihre Identität verheimlichen wollen, also vorsätzlich handeln", sagt Kurz. In diesem Fall wären die Ermittlungen ein "Stochern im Nebel".

Die Dozentin an der Humboldt Universität im Fachbereich Informatik betreut auch einige Schülergruppen. Ihre Erfahrung zeige, dass es den meisten Jugendlichen überhaupt nicht bewusst sei, wie viele Spuren sie im Netz hinterlassen. Sie ist sicher: "Wenn Spuren angefallen sind, dann findet die Polizei auch den Unbekannten".