Bundespolizei und Amazon:Die Bundescloud könnte eine Lösung sein

Als die Bundespolizei 2016 begann, Bodycams zu testen, war die Auswahl an Cloud-Speicherangeboten sehr überschaubar. Erst ein Anbieter erfüllte die vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) geforderte C5-Zertifizierung: Amazon. Für die C5-Zertifizierung untersuchen Wirtschaftsprüfer, ob die Unternehmen gängige IT-Sicherheitsstandards einhalten. Ende 2017 bekamen auch Microsofts Azure und die Cloud des chinesischen Konzerns Alibaba das Zertifikat. Heute erfüllen noch ein paar mehr Unternehmen die Voraussetzungen. Die einzigen EU-Alternativen mit C5-Zertifizierung sind jedoch der deutsche Mittelständler CANCOM, die Open-Telekom-Cloud und das deutsche Software-Unternehmen SAP.

SAP sagt aber, es sehe sich nicht als Cloud-Anbieter für andere Unternehmen, sondern man hoste in der SAP-Cloud nur die eigenen Anwendungen. In jedem Fall kam die Zertifizierung der EU-Alternativen für die Bundespolizei zu spät - im August 2018. Die Entscheidung für Motorola und AWS war da schon gefallen. Die einzige echte Alternative zum Zeitpunkt der Bodycam-Suche 2016 wäre vermutlich die "deutsche Cloud" von Microsoft gewesen. Das US-Unternehmen hatte sich mit der Telekom-Tochter T-Systems als Datentreuhänder zusammengetan, um deutschen Kunden volle Kontrolle über ihre Daten zu ermöglichen und sie vor dem Zugriff ausländischer Behörden zu schützen. Doch Microsoft hörte nichts von der Bundespolizei - und auch sonst offenbar wenig von deutschen Kunden. 2018 kündigte das Unternehmen an, die deutsche Treuhand-Cloud nicht mehr weiterzuführen.

Politiker aus Regierung und Opposition argumentieren jedoch, auch kommerzielle deutsche Anbieter wie die Telekom wären nicht die ideale Lösung für Behördendaten. Bundesdatenschützer Kelber, Grünen-Politiker Konstantin von Notz und FDP-Mann Strasser machen sich für eine Bundescloud stark. Die gibt es eigentlich schon, betrieben wird sie vom Infomationszentrum Bund (ITZ), einem beim Bundesfinanzministerium angesiedelten IT-Dienstleister. Doch nicht mal das ITZ selbst wirkt überzeugt, dass es momentan für die Cloud-Speicherung der richtige Ansprechpartner wäre. Eine Anbindung der Bodycam-Daten nennt ein Sprecher "nicht trivial".

Die Bundescloud müsste weiterentwickelt werden

Aktuell existieren in der Bundescloud nur eine Art Dropbox für Bundesbeamte und eine Testumgebung für Software-Entwickler des Bundes. Damit eine Beweismittelmanagement-Software wie die von Motorola auf der Bundescloud laufen kann, müssten beide weiterentwickelt werden. Derzeit fehlt der Bundescloud außerdem die von der Bundespolizei im Fall von AWS so hochgehaltene C5-Zertifizierung. Und auch Motorola müsste seine Software anpassen. Beides dürfte dauern.

Vielleicht gibt es bald auch noch eine weitere Alternative zur Bundescloud. Das BKA feilt gerade am "Programm 2020", einem Modernisierungsprogramm für die IT der deutschen Polizei. Der hierfür zuständige BKA-Programmleiter Andreas Lezgus kündigte auf der Jahrestagung des Bundeskriminalamts im Herbst an, eine "zentrale Polizeiplattform mit einem zentralen Datenhaus" aufzubauen. Die BKA-Lösung soll auch den Länderpolizeien und - wenn gewünscht - der Bundespolizei zur Verfügung stehen. Eine entsprechende Anfrage von der Bundespolizei sei beim BKA jedoch noch nicht eingegangen, sagte Lezgus.

© SZ.de, mxm, dpa/jbr/mri
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