Alternatives soziales Netzwerk:Ello will werbefrei bleiben

Doch Ello ist es gelungen, sich als alternatives Netzwerk zu inszenieren, zumindest für diesen Moment. Mit immensen Zuwächsen, die so heftig sind, dass das Unternehmen kürzlich eine E-Mail verschickt hat. Darin: eine Warnung, dass die Server aufgrund der Zugriffszahlen zusammenbrechen würden.

Ello kokettiert damit, werbefrei zu sein und das auch bleiben zu wollen. "Das Sammeln und Verkaufen von deinen persönlichen Daten, das Auslesen der Beiträge, die du deinen Freunden schickst und das Untersuchen deines Freunde-Netzwerks um des Profits willen ist unheimlich und unethisch", heißt es in der Selbstbeschreibung. Der Kunde solle kein Produkt sein. Geld wolle man damit machen, dass Extra-Funktionen kosten, der Dienst an sich aber kostenlos bleiben soll. Ello ist momentan noch in der Betaversion; wer sich anmelden will, braucht eine Einladung.

Ello sieht gut aus, funktioniert momentan aber noch sperrig. Für soziale Netzwerke wichtige Funktionen wie zum Beispiel das Kommentieren und Antworten werden erst nach und nach eingeführt. Den Hype hat das nicht verhindert.

Sagt Ello die ganze Wahrheit?

Den Ansturm der queeren Community hat Ello-Chef Paul Budnitz ausdrücklich begrüßt. Die Zusammenarbeit mit diesen Nutzern sei besonders wertvoll gewesen, um zu entscheiden, wie die Seite aufgebaut werde. Damit gemeint dürften fehlende Funktionen sein, wie zum Beispiel das Blocken von Nutzern. Nach einem vielgeteilten Blog-Beitrag, in dem beschrieben wurde, dass Blocken exakt jene Funktion ist, die für queere Personen besonders wichtig ist, um sich vor Beleidigungen zu schützen, hat Ello schnell reagiert und diese Funktion priorisiert.

Mittlerweile wird auch Kritik laut. Die Art und Weise, wie die Seite daherkommt, soll den Eindruck erwecken, dass es sich hier um einen ganz neuen Ansatz handele. Andy Baio, ein früherer Mitarbeiter von Kickstarter, bemängelt, dass die Macher hinter Ello nicht die ganze Wahrheit erzählt hätten.

Die Firma habe 435 000 US-Dollar Wagniskapital erhalten: "Venture-Kapitalisten geben das Geld nicht aus purem Wohlwollen", schreibt Baio. Das Ziel sei in der Regel nur die sogenannte Exit-Strategie, also die Möglichkeit, das Unternehmen zu einem späteren Zeitpunkt gewinnbringend zu verkaufen und sich die eigenen Anteile samt Profit abzugreifen. Und damit dieser Gewinn möglichst groß ausfällt, setzen die meisten Online-Dienste letztlich eben doch auf die Strategie, massenhaft Nutzerdaten zu sammeln und ihr Wissen darüber zu verkaufen. "Ich glaube, unter diesen Umständen ist es ratsam, kritisch zu bleiben", sagt Baio. Wer weiß schon, was Ellos Versprechen noch wert sind, wenn die Investoren Druck machen.

Auf eine Anfrage von Süddeutsche.de hat Ello bislang nicht reagiert.

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