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Alternativen zu Whatsapp:Dilemma: super verschlüsselt, aber die Freunde nutzen die App nicht

Im Mai konnte Wuala nach Unternehmensangaben noch 15.000 neue Nutzer verzeichnen - im Juni waren es bereits 32.000 und im Juli 36.000. Auch die Businessanfragen hätten sich "verdoppelt bis verdreifacht", sagte Unternehmenssprecher Gianluca Pirrera. Hier sei das Interesse an dem verschlüsselten Speicherdienst sogar noch größer nach der Berichterstattung über die Überwachungsprogramme als bei den Privatkunden.

Vor allem kleine Unternehmen sind interessiert. Der größte Kunde ist derzeit ein deutsches Unternehmen mit 300 Mitarbeitern, das aber nicht genannt werden möchte. "Es hat eine Art Nachdenken eingesetzt, wir begrüßen das", sagte er. Wuala würde nur die Größe des Speicherplatzes sehen, den ein Kunde bei dem Dienst gemietet habe - aber keinerlei Daten selbst.

Auch größere Unternehmen geben sich zugeknöpft bei der Frage, ob sie Konsequenzen aus der Überwachungsaffäre ziehen. So sagen Daimler und Siemens beispielsweise auf Anfrage, dass sie sich zu Sicherheitsthemen grundsätzlich nicht äußern. Auch beim Digitalbranchenverband Bitkom ist zu dieser Frage nichts zu erfahren. Das Problem des Branchenverbands: Hier sind sowohl in Deutschland tätige US-Unternehmen wie IBM, Microsoft und Google als auch deutsche Unternehmen wie Deutsche Telekom organisiert, die die Anti-USA-Stimmung im Überwachungsskandal mit der Kampagne "E-Mail made in Germany" für sich nutzen wollen.

Nicht nur in Europa bauen Unternehmen an sichereren Alternativen zu bekannten US-Diensten. Aus Indien kommt beispielsweise die App Hike, mit deren Hilfe Nachrichten verschlüsselt ausgetauscht werden können - inklusive der unter Smartphone-Nutzern zunehmend beliebten Sticker.

Hike lehnt sich von der Bedienung her sehr eng an klassische Messenger-Apps wie Whatsapp an und lässt sich einfach bedienen. Neben Texten und Bildern können auch Videos und Audiodateien übertragen werden.

Einen Nachteil können alle diese Whatsapp-Alternativen nicht ausbügeln: Keiner besitzt annähernd so viele Nutzer wie der Platzhirsch unter den Kurznachrichten-Apps. Erst kürzlich knackte Whatsapp die Grenze von 300 Millionen Nutzern.

Gerade für Apps zum Nachrichtenaustausch ist das entscheidend. Sie sind nur sinnvoll, wenn auch möglichst viele Freunde, Arbeitskollegen und Bekannte darüber erreichbar sind.

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    Dieser Artikel ist im Wall Street Journal Deutschland erschienen. Die besten Wirtschaftsnachrichten der Welt. Auf WSJ.de.

*Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hieß es, der E-Mail-Dienst Posteo biete kostenlosen telefonischen Support an. Es handelt sich aber um E-Mail-Support. Zudem ist die Sicherheitsfunktion Perfect Forward Secrecy erst seit Ende Juli aktiv, nicht wie ursprünglich behauptet schon vor dem Überwachungsskandal.

© WSJ.de/bbr/luk
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