3-D-Fernseher:Die leere Dimension

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3D Gläser auf der Internationalen Funkausstellung IFA

3-D-Brillen auf der Internationalen Funkausstellung IFA

(Foto: dpa)

Die Voraussetzungen könnten kaum besser sein. Von acht Millionen Fernsehgeräten, die 2013 in Deutschland verkauft werden sollen, dürften mehr als drei Millionen 3-D-fähig sein. Nur blöd, dass kaum ein Kanal in 3-D sendet.

Von Daniel Bouhs

Stephan Heimbecher ist im deutschen Fernsehen für die Zukunft zuständig. Er leitet die Innovationsabteilung des Bezahlsenders Sky. Wer ihn in dicht gedrängten Messehallen wie neulich etwa auf der Elektronikmesse Ifa finden will, hat es leicht. "Ich bin nicht zu übersehen (203 cm)", schreibt er dann, versehen mit einem gut gelaunten Smiley. Er ragt heraus - und steht mitunter doch ziemlich alleine da. Etwa wenn es um 3-D-TV geht, um dreidimensionales Fernsehen.

"Das ist eine spezielle Form des Fernsehens, die man sich gönnt, so wie man eben als Weinliebhaber einmal in der Woche die etwas teurere Flasche köpft", sagt er. Mit Sky 3D betreibt sein Sender einen Kanal, der die "TV Revolution" verspricht. Das Angebot aber ist überschaubar: eine Partie der Fußball-Bundesliga pro Monat, einmal die Woche ein neuer Kinofilm und ebenso eine frische Doku in drei Dimensionen; sonst Rotation.

Die Wahrheit ist: Das dreidimensionale Fernsehen, für das Zuschauer noch immer meist eine Spezialbrille aufsetzen müssen, interessiert in der Senderbranche sonst keinen. Während Heimbechers Kanal im Oktober drei Jahre alt wird, haben um ihn herum alle Großen vorerst aufgegeben. Sowohl die mächtige US-Bezahlsendergruppe ESPN als auch die BBC knipsten gerade ihre Kanäle für 3-D-Fernsehen wieder aus. Zu teuer, kaum Fans.

Ob das hierzulande anders ist? Heimbecher verrät nicht, wie viele Abonnenten seinen Spezialkanal haben freischalten lassen - wäre der Erfolg phänomenal, würde er aber freilich mit konkreten Zahlen prahlen. Man sei "eigentlich zufrieden mit dem Verlauf", sagt er, und dass andere aufgeben, störe ihn nicht sonderlich. Er wolle sich dem "nicht immer positiven Trend" in der Branche auch weiterhin widersetzen - aus Überzeugung.

Die Voraussetzungen für die Programmmacher könnten wiederum kaum besser sein: Von den gut acht Millionen Fernsehgeräten, die 2013 in Deutschland verkauft werden sollen, dürften mehr als drei Millionen 3-D-fähig sein. Der Branchenverband Bitkom, der sich bei seiner Prognose auf Daten des Marktforschungsinstituts IHS stützt, rechnet vor, dass damit noch in diesem Jahr nahezu in jedem fünften TV-Haushalt eine Empfangsstation stehen wird, die Zuschauer sich in dreidimensionalen Sphären wähnen lassen kann.

"Im Grunde ist 3D heute Standard, vor allem bei den großen Bildschirmen", erklärt Michael Schidlack, der für den Bitkom den Elektronikmarkt beobachtet. In den vergangenen Jahren konnte auf Fachmessen kein Besucher dem Schlagwort "3-D" entkommen. Auf der Ifa unter dem Berliner Funkturm aber war es nun schon fast wieder verschwunden - wie schon im Januar auf der CES in Las Vegas. "3-D gehört inzwischen zu einem neuen Fernseher so dazu wie ABS zu einem neuen Auto", behauptet Branchenvertreter Schidlack. "Darauf will niemand verzichten."

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