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30 Jahre Microsoft Office:Clippy und andere Katastrophen

Nicht wirklich eine Hilfe: der virtuelle Office-Assistent Clippy.

  • Die erste Office-Version war nicht für Windows gedacht - das gab es 1989 noch nicht - sondern für Mac-Computer.
  • Die nervige Büroklammer "Clippy" stieß erst 1997 zu Office und wurde schnell zu einer der meistgehassten Figuren der Computergeschichte.
  • Dass sich Office als Paket so schnell durchsetzte, hing mit einer geschickten Verkaufsstrategie zusammen.
  • Heute verdient Microsoft mehr mit Office aus der Cloud als mit Desktop-Versionen.

So ist das eben mit schlechten Erlebnissen: Sie bleiben länger im Gedächtnis als die vielen Dinge, die einfach funktioniert haben. Gemessen an den Tausenden Hassmails, die sich seit Ende der 1990er-Jahre an einen kleinen Kerl namens Clippy richteten, muss seine Einführung in die Bürosoftware-Sammlung Office von Microsoft eine richtig schlechte Idee gewesen sein. Schlechter war wohl nur das: Clippy, oder, wie er auf Deutsch fast noch schlimmer hieß, Karl Klammer, ließ sich in der ersten Version (1997) nicht deaktivieren. Der Möchtegern-Assistent nervte die Anwender zwar ungefragt, dafür aber ständig.

Clippy, der Nervensäge, gelang es so gut wie nie, das zu tun, wofür er und seine Freunde (ja, die gab es auch) eigentlich gedacht waren, nämlich den Nutzern bei ihrer Arbeit zu helfen. Dabei waren ja Microsofts Programme damals, vor gut 20 Jahren, schon wesentlich weiter als am Anfang. 30 Jahre ist es genau her, dass Microsoft die erste Office-Suite auf den Markt brachte. Natürlich auf Disketten, so etwas wie USB-Sticks oder gar die Cloud gab es 1989 natürlich noch nicht. Und Office 1.0 war kurioserweise auch nicht für Microsofts Windows gedacht, das steckte noch in den Kinderschuhen zu jener Zeit, sondern für Mac-Computer.

Auch die ersten Office-Suiten waren noch sehr rudimentär. So richtig verdienten die ihren Namen nicht. Es waren mehr oder weniger Programme, die man zusammen statt einzeln verkaufte, mit folgendem Trick: Während die Kunden für ein einzelnes Programm bis zu 1500 Dollar berappen mussten, gab Microsoft die gesamte Suite für nur 600 Dollar ab - ein Angebot, das viele nicht ablehnen konnten. Und das im Nebeneffekt dazu führte, dass Kunden, die vielleicht nur Word oder Excel gekauft hätten, nun auch die anderen Microsoft-Programme nutzten und sich so stärker an das Unternehmen banden. So dominant wie heute war Office in den Anfangsjahren aber keineswegs. Programme wie die Tabellenkalkulation Lotus 1-2-3 waren viel populärer, doch wie so viele andere verschwanden sie nach und nach oder führen heute höchstens noch ein Nischendasein.

Wer kennt noch die Excel-Konkurrenz "Lotus"?

Während die verschiedenen Programme immer besser zusammenarbeiteten, eine über alle Bestandteile hinweg gleichartige Benutzeroberfläche erhielten, blieb lange eines gleich: Um Office auf einem Computer nutzen zu können, musste man es installieren. Doch dann kamen Smartphones und Tablets, und es kam die Cloud. Microsoft scheiterte kläglich auf dem Gebiet der mobilen Geräte, dafür klappte es dank dem neuen Chef Satya Nadella überraschend gut mit der Cloud.

Wer möchte, kann Office heute für ein paar Euro im Monat aus der Cloud nutzen. Die Programme werden im Browser angezeigt, haben allerdings weniger Funktionen als die Versionen für ausgewachsene Rechner, die es immer noch gibt. Office 365, so heißt das Cloud-Angebot, gibt es in vielen Varianten, in einer reinen Online-Version oder auch mit installierten Desktop-Programmen. In beiden Fällen müssen sich die Nutzer nicht um Updates kümmern, das funktioniert automatisch und ist im Abonnement-Preis enthalten, ebenso wie Speicherplatz in der Cloud.

Seit 2017 macht Microsoft mehr Umsatz mit der Cloud-Version von Office als mit den Desktop-Programmen. Office gibt es auch für die Mobil-Betriebssysteme Android und iOS. Obwohl es leistungsfähige Konkurrenzangebote wie Libre Office gibt, die sich kostenlos herunterladen lassen, ist Microsofts Paket nach wie vor dominant, wenn auch nicht so stark wie beim Betriebssystem Windows. Die alternativen Anbieter, zu denen inzwischen auch Google gehört, haben etwa ein Viertel dieses Marktes erobert.

Microsoft Windows

Erfolg hat viele Fenster