World Cup

World Cup: Eine Kollegin hat die Fußball-Simulation Fifa 09 in einem Bericht mal als "umstritten" bezeichnet und in einem Satz mit berüchtigten "Killerspielen" genannt. Peinlicher Fehler, aus der Game-Szene hat sie dafür einigen Spott ertragen müssen. Eigentlich zu Unrecht: Womöglich hat sie beim Schreiben an Nintendo World Cup gedacht, einen sehr frühen Vorläufer der Fifa-Reihe, 1990 für den Gameboy erschienen. Nintendo World Cup war vielleicht das brutalste Fußballspiel, das je programmiert wurde.

Als Spieler konnte man aus 13 Nationalmannschaften wählen, die dann im K.o.-System um den Titel buhlten. K.o. ist dabei wörtlich zu verstehen: Fouls wurden generell nicht geahndet, im Gegenteil. Nur wer foulte, konnte gewinnen. Gegenspieler wurden entweder umgegrätscht, dann standen sie für einen Moment mit grässlichen Glubschaugen in der Luft. Oder umgestoßen, dann lagen sie flach auf dem Rasen. Foulte man sie häufig genug, blieben sie einfach liegen. "Schon wieder einer tot", war ein häufig gehörter Satz, wenn wir Nintendo World Cup spielten. Ein Geheimtipp war damals: Den gegnerischen Torhüter foulen, bis er nicht mehr aufsteht.

Heute frage ich mich, warum die Entwickler keinen Ärger mit dem Jugendschutz bekamen. Vielleicht, weil die Leichen nach einem Tor oder dem Ende einer Halbzeit immer wieder zum Leben erweckt wurden. Der Eindruck, den das Spiel vom Fußball vermittelte, war jedenfalls verheerend. Einen Mitschnitt des Gameplays bei Youtube kommentiert ein Nutzer wie folgt: "Bitte sagt mir, dass ihr davon auch Albträume bekommen habt! Ich hatte als Kind solche Angst vor dem Spiel. Es war super gruselig."

Michael König

Bild: Nintendo/William Warby/CC-BY-SA 18. April 2019, 10:372019-04-18 10:37:05 © Süddeutsche.de/mahu/mri