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125 Jahre Nintendo:Mehr als 300 Millionen verkaufte Spielkonsolen

Selbst der "Love-Tester" vermochte das nicht zu ändern, ein Spiellügendetektor für Teenager. Er war die Erfindung des jungen Ingenieurs Gunpei Yokoi, den Yamauchi in einer seiner Hanafuda-Fabriken entdeckt hatte: Yokoi war zwar für die Wartung der Maschinen zuständig, in seiner Freizeit aber, hatte er einen ausziehbaren Greifarm aus Plastik gebastelt. Yamauchi sah das Ding und entschied sich 1966, es als "Ultra-Hand" zu vertreiben. Binnen eines Jahres verkaufte Nintendo mehr als eine Million Stück davon. Dafür ernannte Yamauchi den zufälligen Erfinder Yokoi zu seinem Spiele-Designer. Und dessen erstes Produkt war eben der Love-Tester, den Yamauchi 1969 vorstellte. Wichtiger als dieses Nonsense-Gerät waren aber die ersten Erfahrungen mit Elektronik, die Nintendo damit machte. Ein Schritt in die Zukunft.

1980 brachte Nintendo sein erstes Computerspiel auf den Markt: "Game & Watch", das in Deutschland als "Tricotronic" verkauft wurde. 1983 folgte das "Nintendo Entertainment System" mit 61 Millionen verkauften Einheiten, der größte Erfolg des Unternehmens war 1989 der "Game Boy", den Nintendo 119 Millionen Mal absetzte. Bis heute hat das Unternehmen dank des 2006 veröffentlichten Playstation-Konkurrenten Wii mehr als 300 Millionen Spielekonsolen und mehr als zwei Milliarden Software-Programme verkauft. 2008 kletterte die Börsenkapitalisierung auf 85 Milliarden Dollar, damit wurde die Firma mit etwa 5000 Angestellten eines der wertvollsten Unternehmen Japans.

Yamauchi wurde dank Yokoi zu einem der reichsten Männer des Landes. Und wie inzwischen üblich für japanische Parvenü-Milliardäre, kaufte er sich 1992 ein Baseball-Team in Seattle. Yokoi, der Erfinder des Game Boy, starb 1997 bei einem Autounfall. Sein Patron leitete das Unternehmen noch bis 2005, da war er 77, und starb vor einem Jahr. Heute ist Nintendo der einzige Computerspiele-Konzern, der Hardware und Software verkauft und seine bekannten Spielfiguren-Marken wie Super Mario oder Zelda nicht auf den Geräten anderer Hersteller duldet. Und wohl der einzige, der auch Spielkarten herstellt. Dafür bereitet aber der Boom der kostenlosen Handy-Spiele Sorgen. Trotz des neuen Rennspiels "Mario Kart 8" machte Nintendo im vergangenen Quartal Verlust. Nintendo-Chef Satoru Iwata muss umdenken. Bisher hat er nur vage einen Gesundheits-Service in Aussicht gestellt, konkret geworden ist er nicht.

© SZ vom 23.09.2014/mahu
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