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125 Jahre Nintendo:Spielkarten für die Mafia, Videospiele für die Massen

Nintendo-Stand bei der Tokyo Game Show mit neuen Produkten für die Wii-Konsole.

(Foto: Yoshikazu Tsuno/AFP)

Vor 125 Jahren hat Nintendo Spielkarten verkauft, seit Jahrzehnten ist das japanische Traditionsunternehmen für seine Videogames berühmt. Jetzt muss sich Nintendo neu erfinden. Smartphones sind schuld.

Alles begann mit handgefertigten Spielkarten, die der Firmengründer Fusajiro Yamauchi als 30-jähriger Jungunternehmer Ende des 19. Jahrhunderts noch selbst bemalte und klebte. Es war ein erfolgreicher Start. Aus der kleinen Firma in Kyoto entwickelte sich das größte und älteste Videospiel-Unternehmen der Welt: Nintendo verkauft bereits seit 125 Jahren Spiele. Heute machen dem Unternehmen die kostenlosen Handy-Spiele zu schaffen.

Am 23. September 1889 hatte Yamauchi ein leer stehendes Haus unweit des Bahnhofs Kyoto erworben und zum Sitz seiner Firma Nintendo Koppai gemacht. Dort stellte er seine Hanafuda her, das sind japanische Spielkarten. Dabei hatte der Gründer wohl den richtigen Riecher. Hanafuda waren gar nicht so sonderlich beliebt, erst Yamauchi hat sie populär gemacht. Der schnelle Erfolg zwang den Gründer sogar dazu, bald Mitarbeiter für die Massenproduktion in Handarbeit einzustellen. 100 Jahre später bewies Urenkel Hiroshi Yamauchi einen ähnlichen Sinn für den Zeitgeist: Er machte Videospiele populär.

Den Grundstock zum Firmenvermögen lieferten aber die Hanafuda-Karten, wörtlich "Blumenkarten". Sie sind kleiner und dicker als Poker- oder Skatkarten. Die 48 Karten mit Blumenmotiven sind in die zwölf Monate des Jahres unterteilt. Spielkarten waren eine chinesische Erfindung und kamen mit portugiesischen Jesuiten Mitte des 16. Jahrhunderts nach Japan. 1610 warfen die Japaner alle christlichen Missionare aus dem Land, 1633 verbot Nippon auch deren Kartenspiele. Zunächst wichen die Japaner auf chinesische Karten aus. Insbesondere bei illegalen Glücksspielen, bis diese ebenfalls verboten wurden.

Jahrzehntelang womöglich wichtigster Ausrüster der Mafia

Auf den Hanafuda-Karten sind keine Zahlen vermerkt, sie eignen sich deshalb nicht für Geldspiele. Andererseits macht sie das unverdächtig. Einige Jahre nach Yamauchis Start stieg die Yakuza, die japanische Mafia, die Japans illegale Spielhöhlen betrieb, gerade deswegen auf Hanafuda um. Nintendo dürfte über Jahrzehnte wichtigster Ausrüster der Mafia gewesen sein, zumal das Unternehmen später auch westliche Spielkarten herstellen durfte.

Mit der Verbreitung des Fernsehens ging in den 1950er-Jahren das Interesse an Spielkarten zurück. Den Absatzrückgang konnte Nintendo auch nicht mit 1953 eingeführten Plastikkarten ausgleichen. Die Zukunft des Unternehmens schien düster. Kurz zuvor hatte Yamauchis Urenkel Hiroshi im Jahre 1949 die Firma übernommen. Der 22-Jährige war direkt von der Universität gekommen und bootete erst einmal alle Verwandten aus dem Unternehmen aus. So wollte er Rivalitäten vermeiden, wie er sagte. Er erkannte, dass Nintendo expandieren musste. Dazu ging er in die USA, wo er fortan mit Walt Disney kooperierte und Spielkarten mit dessen Figuren druckte. Das gab der Firma einen neuen Schub, bis zu 600 000 Kartenspiele gingen pro Jahr über den Ladentisch.

1962 ging Nintendo an die Börse in Osaka. Dem ehrgeizigen Hiroshi Yamauchi genügte das nicht. Er versuchte sich in anderen Sparten, gründete eine Taxifirma und sogar eine "Love-Hotel"-Kette, so nennt man in Japan die meist kitschigen Stundenhotels. Dann stieg er ins neue Geschäft mit Instant-Nudeln ein und baute Baseball-Wurfmaschinen. Keines dieser Abenteuer verhalf ihm zum Durchbruch, und die Nachfrage nach Spielkarten ließ weiter nach. Nintendo steckte erneut in der Krise.

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