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Zugang zum Studium:"Technische Verzögerung"

Wo ein Medizinstudium auch ohne Super-Abitur starten kann

Mit Hochschulstart.de sollte der Weg ins NC-Studium leichter werden - eigentlich.

(Foto: dpa)

Die Online-Vergabe begehrter Studienplätze - etwa für Medizin - ist ein Dauerproblem. Nun ging das System erneut in die Knie.

Von Katharina Kausche

Statt Zulassungsangeboten sahen Studienbewerber auf ihrem Bildschirm nur ein weißes Männchen, das ein rotes Wollknäuel ausrollt - und eine Entschuldigung für die "technische Verzögerung". Drei Tage war hochschulstart.de abgeschaltet, mehr als 300 000 Bewerber konnten ihre Accounts nicht aufrufen. Und das, obwohl Anfang vergangener Woche die ersehnten Studienplatzangebote eintrudeln sollten. Über das Portal vergeben Universitäten Plätze für zulassungsbeschränkte Studiengänge, unter anderem für Medizin. Das Verfahren soll den Weg zum Studium unbürokratischer machen, Interessenten können sich für mehrere Studiengänge und Universitäten gleichzeitig bewerben.

Genau das taten in diesem Jahr so viele wie noch nie: Die Zahl der Anwärter auf Studienplätze hat sich gegenüber dem vergangenen Sommersemester auf 309 000 vervierfacht, die Anzahl der Bewerbungen ist mit 2,2 Millionen sogar sechsmal so hoch. Zuständig für das Portal ist die Stiftung für Hochschulzulassung (SfH). Auf Anfrage der Süddeutschen Zeitung gibt sie an, die Panne sei auf eine "Hochlast der Datenbank zurückzuführen". Die Datenmenge war also schlicht zu viel für das System.

Nach drei Tagen lief das Portal wieder - bis zum Wochenende

Es war nicht das erste Mal, dass hochschulstart.de in die Knie ging. Die Software des Portals muckte so oft, dass die Stiftung einen IT-Beirat einsetzte. Der attestierte dem System im vergangenen Jahr, es sei "fragil" und müsse komplett überarbeitet werden. Eine solche Generalüberholung benötige Zeit, deshalb ging zum Sommersemester 2020 zunächst ein "Übergangssystem" online. Es sollte nicht nur Fehler ausmerzen, sondern auch das neue Vergabeverfahren für zulassungsbeschränkte Studienplätze gewährleisten. Denn das alte Verfahren war 2017 beim Bundesverfassungsgericht wegen der Zulassungsregeln fürs Medizinstudium teilweise durchgefallen. Die Vergabe musste angepasst werden. Wie der Name andeute, sei das System "als Übergangslösung gedacht und entspricht (leider) noch nicht in jeder Hinsicht der Serviceorientierung, die die Stiftung ihren Nutzergruppen gegenüber gern anbieten würde", erklärte die SfH.

Eine offizielle Stellungnahme zur jüngsten Panne blieb vergangene Woche aus. Bewerber machten ihrem Ärger bei Twitter Luft, viele fürchteten, Uni-Fristen zu verpassen, sie kritisierten fehlende Informationen. Die SfH verwies auf die Portalseite mit dem roten Wollknäuel. Von Mittwochabend an lief hochschulstart.de wieder, Nutzer konnten ihre Zulassungsangebote einsehen. Aber nur bis zum Wochenende. Dann gab es eine "Portalsperre" - zur Qualitätssicherung.

© SZ vom 07.09.2020

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