Wohnungsnot in Uni-Städten Wissen in den Kopf, und fertig

Nun lässt sich argumentieren: Die Mietmärkte in Städten sind nun mal angespannt - nicht nur für Studenten. So wird auf politischer Ebene darüber debattiert, Mieter will die große Koalition mit einer Mietpreisbremse schützen. Doch für Hochschüler müsste es separate Bemühungen geben: Denn die hohe Zahl der Studenten kommt ja nicht aus dem Nichts.

Über Jahre hat die Politik in Bund und Ländern den Ausbau der Studienplatzkapazitäten forciert, um bei den Akademikerquoten nicht mehr international hinterherzuhinken, man hat die jungen Leute systematisch in die Hochschulstädte getrieben. In den Hochschulpakt für zusätzliche Studienplätze, den Bund und Länder gemeinsam tragen, sind seit 2007 schon viele Milliarden Euro geflossen und noch viele Milliarden Euro für die kommenden Jahre sind verplant. Die Hochschulen haben sich auf die Abiturientenströme eingestellt, vielerorts wurde und wird gebaut - neue Hörsäle, Seminarräume, Bibliotheken.

Dass zum Studium nicht nur ein Dach während der Vorlesung gehört, sondern auch eines außerhalb des Hörsaals - das wurde vergessen. Seltsam ist das freilich nicht. Vielmehr passt es dazu, wie akademische Bildung mittlerweile aufgefasst wird.

Es geht nicht um eine Romantisierung vergangener Zeiten

Hochschulen werden immer mehr zu reinen Wissen-und-Zertifikate-Verteilungseinrichtungen. Der regelmäßig beschworene "Rohstoff Bildung" soll in die Köpfe der Studenten hinein, schnell und effizient. Die Bologna-Reform, die mit den Abschlüssen Bachelor und Master das Studium an den Arbeitsmarkt angepasst und es über Leistungspunkte exakt messbar gemacht hat, kommt hinzu. Es geht hier nicht um eine Romantisierung vergangener Zeiten, nicht um einen Aufruf zum Bummelantentum.

Die Bologna-Reform bringt auch Vorteile: mehr Verbindlichkeit, eine frühzeitige Rückmeldung, wenn man das falsche Fach gewählt hat. Dass aber ein Studium mehr ist, als einen jungen Menschen zum Arbeitnehmer oder Arbeitgeber heranzuzüchten, rückt in der Logik der Politik und auch der Gesellschaft zunehmend an den Rand.

Und deswegen hat man die Bildungsexpansion nur halbherzig geplant - mit viel Elan, wenn es um die Studienkapazitäten geht. Ohne sonderlichen Eifer mit Blick auf die soziale Infrastruktur.

Vor anderthalb Jahren hat sich der damalige Bundesbauminister Peter Ramsauer öffentlichkeitswirksam der Sache angenommen - der CSU-Politiker lud zu einem runden Tisch in Berlin. Ergebnis: keines. Ohnehin, so hieß es, sei das ja alles Ländersache. In gut der Hälfte der Länder ist mittlerweile etwas geschehen, Wohnheimbau durch gemeinnützige Träger wird bezuschusst oder über Darlehen gefördert, zu nennen ist vor allem Bayern. Ob das reicht? 81 Prozent der Studenten in der Allensbach-Umfrage sagten, dass es in ihrer Stadt zu wenig Wohnheime gibt.

Wenn man will, geht auch was

Die Datensätze des Deutschen Studentenwerks zeigen, wie unterschiedlich stark der Bau vorangetrieben wurde. Frankfurt an der Oder zum Beispiel hat bei der Versorgung der örtlichen Studenten mit Wohnheimplätzen eine Quote von fast 20 Prozent; in Frankfurt am Main sind es weniger als drei Prozent. Aus dem Bundesbauministerium sind auch aktuell keine Signale zu vernehmen, dass sich der Bund in der Sache zentral engagieren will.

Dabei wäre genau das nötig: eine strategische Aktion von Bund und Ländern. Verfassungsrechtliche Zweifel gelten nicht. Wenn man will, geht auch was. Siehe Hochschulpakt zum Ausbau der Studienplätze. Ein sozialer Hochschulpakt hätte gleichermaßen Berechtigung gehabt, hat sie immer noch. Denn womöglich hält der Andrang an den Hochschulen noch länger an als bis Mitte der 2020er-Jahre - wenn die Abiturquoten weiter ansteigen, wenn der Zugang zum Studium ohne Hochschulreife ausgebaut wird. Beides wird stets als Ziel der Bildungspolitik genannt, mit Verweis auf den Wohlstand der ganzen Republik.

Es wird Zeit zu begreifen, dass Studenten nicht nur lernen, sondern auch leben müssen. Und es darf dabei nicht noch mehr Zeit verloren gehen.

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